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Schöneberg-Trilogie – Teil 3

Berlin ist in aller Munde. Mauerpark, Eastside Gallery, Ku’damm. Checkpoint Charly, Admiralsbrücke, Unter den Linden. Nicht zu vergessen: das Brandenburger Tor und das Holocaust-Mahnmal. Alles bekannte und beliebte Plätze, häufig Anlaufpunkt für viele Touristen. Doch Berlin ist vielmehr als diese glitzernden Plätze. Berlin ist vielmehr „Icke“ – diese typische Berliner Schnauze. Gelebt, Tag für Tag. Geradeheraus, manchmal derbe, aber immer ehrlich. Einen Ort, der genau das reflektiert, haben René und ich in unserer letzten Schöneberg-Folge von »Z² – Zahn & Zieger unterwegs« gefunden.

Im Imbiss am Werdauer Weg wurden wir mit den warmen Worten empfangen, dass wir ja nicht fotografieren sollten – die Renovierung wäre doch erst in ein paar Monaten. Wir fanden es trotzdem gemütlich, so zwischen Frittenfett, Bratwurstdunst und Filterkaffee. Dort, wo 3 halbe Brötchen & 1 Pott Kaffee nur 3 Euro kosten, arbeitet die fleischgewordene Berliner Ehrlichkeit. Unverstellt, manchmal regungslos, immer interessiert.

»Zwischen Frittenfett, Bratwurstdunst und Filterkaffee«

Sowohl Heinz*, der Imbissbesitzer, als auch Peter*, der Benzfahrer im Sakko, fanden das gar nicht seltsam, dass wir zwischen rostigen Rohren, zerfetzten Rücksitzbänken und eben dem Imbiss herumstiegen und Fotos machten. Warum auch nicht. Viel eher interessierte sich Heinz dafür, ob wir was essen wollten und Peter dafür, ob man denn mit der Nikon von René auch gute Makroaufnahmen machen könnte – er würde ja selbst privat gerne mal „knipsen“. Diese Gespräche können schnell ins Peinliche abdriften, doch Peter war ehrlich interessiert und fachsimpelte mit René, während ich genüsslich in meine Bratwurst biss.

Mit im Gepäck hatte ich noch meine ganzen Klamotten, die wir vorher auf dem S-Bahnhof Schöneberg ablichteten. Ihr wisst ja noch, »Weich wie die flauschigen Ohren eines Koala-Bären« und »Einmal Farbtupfer, bitte!« und so. Der Wind pfiff uns um die Ohren und ich war froh, dass ich mich für unser letztes Outfit bereits umgezogen hatte. Ohne Mütze ging es allerdings nicht. Mit einem jetzt weinenden Auge sehe ich mir die Fotos mit meiner wunderbaren Wollmütze von TWOTHIRDS an, da diese vor Kurzem im Waschgang fein verfilzt wurde. Keine weiteren Fragen, bitte. Es schmerzt noch. Das Label mit Sitz in Barcelona war mein Einstieg in die Grüne Mode. Produziert wird in Portugal, verwendet werden hauptsächlich (leider nicht mehr ausschließlich) biologisch angebaute oder wiederverwertbare Materialien. Meine Wollmütze war ein treuer Begleiter bei gerade kalten Tagen – jetzt bin ich auf der Suche nach einem Nachfolger bei Folkdays fündig geworden.

Noch nicht in meinem, dafür aber in Renés Kleiderschrank schlummert Joe. Er ist ein wunderbares Exemplar eines Zipped Hoodie von armedangels, einem der führenden und vor allem auch im Massenmarkt erfolgreichen Grüne Mode-Labels. Das Kölner Label setzt auf faire Produktion, biologisch angebaute Materialien und zertifizierte Stoffe. Joe besteht aus 100 Prozent Bio-Baumwolle, versehen mit dem GOTS-Zertifikat, absolut weich in ausgezeichneter Qualität. Anschmiegsam – und umso schwerer für mich, Joe wieder in die Obhut von René zurückzugeben.

»Ein absolutes Meisterstück an funktionaler Lässigkeit«

Darüber streifte ich etwas ganz Exquisites: die Rope-Y von PYUA. Als erste Funktionsbekleidungsmarke weltweit fertigt PYUA seine Kleidung aus bereits recycelten oder recycelfähigen Polyester-Materialien und kann diese durch ein einzigartiges Rücknahmesystem wieder vollständig verwerten. Die Weste besteht aus GOTS-zertifizierter Schurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung – eine Kombination, die es so nicht allzu häufig gibt. Im Brust- und Schulterbereich wurde windabweisendes sustainaBlend-Material eingesetzt. Zwei schöne Details: die Brusttasche mit Zipper und die beiden Seitentaschen mit PYUA-Knöpfen. Dem Label, das „Ecorrect Outerwear“ herstellt, ist mit der Woll-Weste ein absolutes Meisterstück an funktionaler Lässigkeit gelungen.

Diese Kombination, gepaart mit meinerJohn Slim Fit von Kings Of Indigo habe ich wirklich ungerne wieder abgelegt. Von PYUA und auch von armedangels bin ich nach unserer kleinen Tour definitiv überzeugt. Von den Berliner und ihrer so berühmten Schnauze sowieso. Heinz und Peter wünschten uns, als wir den Imbiss wieder gen Heimatkiez verließen, noch viel Spaß und alles Gute. Mit warmen ehrlichen Worten. Und während ich diese Wort schreibe, merke ich, wie gegensätzlich unsere nächste Doppelfolge von »Z² – Zahn & Zieger unterwegs« sein wird. Wieder typisch Berlin, aber vollkommen anders. Ein wunderbarer Kontrast – ungewollt erzeugt, umso schöner gerade deswegen. Fotografen- und Modeherz, was willst du mehr …

In der neuen Fotoserie „Z² – Zahn & Zieger unterwegs“ entdecken René und ich Orte, die wir schon immer einmal sehen wollten oder die uns besonders gefallen. Auf den ersten oder den zweiten Blick. In und um Berlin. In unserem dreiteiligen Auftakt verschlug es uns nach Schöneberg. Für unsere nächste Doppelfolge haben wir das Bikini Berlin unsicher gemacht. Immer mit dabei: das Auge für das Skurrile, das Schöne, das Alltägliche. Im Gepäck, feinster Stoff aus der Grünen Modewelt. 

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos. René Zieger

* Heinz und Peter heißen eigentlich anders. Beide sind im Imbiss regelmäßig anzutreffen und sind einem Wort unter Berlinern nicht abgeneigt. Einfach ausprobieren.

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