Alle Artikel in: Interviews

„Ich will mit NVR RST eine kleine Revolution in der industriellen Produktion lostreten“ – Kerstin von Diemar von NVR RST im Interview

Vor einigen Wochen bekam ich digitale Post aus München – und als passionierter Läufer interessierte mich die angekündigte Produktinnovation sehr. Denn das Unternehmen Never Rest Sportswear (kurz: NVR RST) bietet atmungsaktive Funktionsbekleidung an, die zu 100 Prozent aus recycelten Plastikflaschen hergestellt wird. Soweit, so gut. Recycling aus Plastikflaschen ist gerade schwer in Mode, bei kleinen Slow Fashion Brands, aber auch bei großen Sportartikelherstellern wie Adidas. Die Frage, die ich mir dabei immer stelle, ist: Ist die Wiederverwendung von Plastik wirklich eine nachhaltige Alternative? Und wenn wir über Innovation sprechen: Was macht Never Rest anders als die anderen? Auf Basis der Presseunterlagen habe ich erfahren, dass Never Rest-Textilien im Vergleich zu bisheriger nachhaltiger Laufbekleidung auch bei schweißtreibendem Training höchsten Tragekomfort garantieren. Die Gründerin von Never Rest, Kerstin von Diemar, ist selbst leidenschaftliche Läuferin und will einen Unterschied ausmachen: „Über 60 Prozent der gesamten Textilproduktion besteht heutzutage aus Funktionsmaterialien, die aufwendig immer wieder neu entstehen. Was eigentlich total überflüssig ist, denn durch konsequente Wiederverwendung bereits vorhandenen Plastiks können wir genau so schöne und funktionale Kleidung herstellen, nur eben …

Let’s talk about sneakers! An Eco Fashion Interview with Damian Augustyniak from We are Wado

Last year, I bought a new pair of eco sneakers and was part of the backers for WADO. I was satisfied with the information they gave me on Kickstarter, and I received my pair of sneakers not long after the end of the crowdfunding. I liked the sneaker from day one and had no issues with them – I am still wearing them. So, I got a bit confused reading several negative comments on Social Media about delivery problems and faulty products and even parts of my Green Blogger Community were skeptical. A slight smell of greenwashing was in the room talking about WADO. This in mind, I wanted to talk with WADO. So, I wrote an email to Marta Llaquet Pujol from the company. She oversees press related topics. Soon, I had the chance to ask all my questions to Damian Augustyniak, Co-Founder and COO at We Are Wado. Alf: Who is designing the WADO sneakers in Barcelona?  Damian: We designed the first Modelo ’89 in house. I took the lead along with my …

Coco Malou ethical Lingerie – Seidenweiche, feminine Dessous

Unterwäsche trägt jede/r von uns. Natürlich müssen wir uns auch bei dieser Gedanken machen, ob die Materialien gut sind und die Haltbarkeit gewährt ist. Genauso wichtig ist es aber auch, sich in dieser Unterwäsche auch wohl zu fühlen – und das ist nicht immer so einfach. Weil sie unzufrieden war, was ihr an Unterwäsche angeboten wurde, entschied sich Corinna Borucki dazu, ihr eigenes Label zu gründen. Mit Coco Malou ethical lingerie bietet sie jetzt über ihr aktuelles Crowdfunding bei Startnext ihre allererste Kollektion an. Im Interview mit Corinna, die nicht nur Labelinhaberin, sondern auch erfolgreiche Bloggerin ist, habe ich nicht nur über Ethical Lingerie gesprochen, sondern auch über die andauernde Sexualisierung des weiblichen Körpers und Bodypositivity! Seit wenigen Tagen ist dein erstes Crowdfunding live – und zwar für dein eigenes Label Coco Malou. Wie groß war deine Anspannung vor dem Live-Gang? Ganz ehrlich: Riesig! Auch wenn man schon ein Netzwerk hat, weiß man ja überhaupt nicht, wie es anläuft und ob die Menschen tatsächlich bereit sind, zu kaufen. Alle schrieben nur, sie sind super gespannt, …

For Schur – Zero Waste für Kids

Zero Waste in ein Konzept, mit dem ich mich sehr anfreunden kann. Denn: Wenn bei einem neuen Produkt kein Abfall entsteht, ist das eine gute Sache und definitiv ein guter Weg, um einen nachhaltig zusammengestellten Kleiderschrank zu haben. Doch das ist leichter gesagt oder geschrieben, als getan. Die Herausforderung besteht darin, die Materialien so optimal zu nutzen, dass eben kein Verschnitt oder ähnliches entsteht. Wie kann das in der Praxis funktionieren? Meine Frage hat mir Nina Krake beantwortet. Gemeinsam mit ihrer Freundin Tabea Börner hat sie das Zero-Waste Kindermodelabel »For Schur« gegründet. Liebe Nina, ihr verwendet für »For Schur« Wolle. Genauer gesagt: Wolle von aussortierten Wollpullovern. Wie kommt ihr eigentlich an das Material? Als wir anfingen, nähten wir noch selbst und kauften „unsere“ Wollpullover in Second Hand Geschäften ein. Die Nachfrage war jedoch ziemlich schnell so groß, dass diese Pullover nicht mehr reichten. Außerdem produzieren wir das ganze Jahr über und im Sommer gibt es keine Wollpullover in Second Hand Läden. Wir wussten, dass man Altkleider auch in Textilsortieranlagen kaufen kann. Jedoch wird dort nicht …

»Mode als Treiber zum positiven Wandel unserer Kultur« – Friederike von Wedel-Parlow über Cradle to Cradle und die Zukunft der Mode

Wie sieht das Material der Zukunft in der Modeindustrie aus? Immer häufiger fällt dabei das Schlagwort »Cradle to Cradle«, oder auch kurz C2C. Alles dreht sich dabei um die Kreislauffähigkeit des Materials, der vollständigen Abbaubarkeit aller Bestandteile. Klingt nicht gerade nach modern und stilvoll, oder? Doch weit gefehlt. Gemeinsam mit ihren Studentinnen und Studenten der AMD hat Prof. Friederike von Wedel-Parlow, Gründerin des Beneficial Design Institutes, den Cradle to Cradle Gedanken an zwei Produkten für Manufactum durchgespielt. Die Arbeit an der Damenweste und der Herrenjacke zeigt nicht nur auf, wie viel Detailarbeit in nachhaltige Mode fließt, sondern auch welche Zukunft unsere Mode haben kann. Über diese und weitere Themen habe ich mit Friederike gesprochen! Manufactum hat in diesem Jahr seine erste Cradle-to-Cradle® Kollektion veröffentlicht. Wie kam es zu dieser Kooperation mit Manufactum? Zusammen mit Christine Fehrenbach, damals Bereichsleiterin für Markenentwicklung bei Manufactum, haben wir dieses Projekt entwickelt. Wir wollten den hohen Qualitätsbegriff bei Manufactum weiterentwickeln und um Materialgesundheit und Kreislauffähigkeit erweitern. Um das zukunftsorientierte Thema in dem Unternehmen einzubringen und die Möglichkeiten hinsichtlich Produktentwicklung, Services und …

MOEON ist mehr

Als Fair Fashion Blogger habe ich ab und an auch richtig Glück: Eine der schönsten Fair Fashion Stores in Deutschland – MOEON – ist Luftlinie nur einige hundert Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt. So konnte ich die Entwicklung des Stores von Sonja Lotz und Caecilia Pohl schon seit langem aus der Nähe verfolgen. Wobei das bei MOEON zu kurz greift, denn: MOEON ist mehr als nur ein Fair Fashion Store. MOEON versteht sich als Plattform für trendbewusste Mode und Klassiker, die fair und ökologisch verantwortungsvoll produziert sind. Die persönlich zusammengestellte Auswahl an Fair Fashion zeigt, dass nachhaltige Mode auch ästhetisch und stylisch sein kann. Jedes Kleidungsstück hat seine eigene Geschichte und ist durch viele Hände gewandert, bevor es schließlich bei MOEON im Laden landet. Darunter ist auch eine eigene Kollektion von MOEON zu finden! Mit Sonja und Caecilia habe ich genau darüber gesprochen! Welche Grundgedanken gab es zur aktuellen MOEON Studio WS 2018/2019 Kollektion? Unsere Kollektionen orientieren sich immer an einem Grundgedanken: Es geht um die Frauen, die diese tragen sollen. Durch den Laden sind …

»Mir ist die Modewelt größtenteils zu blöd«

Immer wieder gerne werfe ich einen Blick in meine Geburtsstadt Nürnberg. Aufmerksame Leserinnen und Leser kennen deswegen bereits ATF Clothing und seit einigen Tagen auch die ganz wunderbaren »New Kids in the Hood«. Heute möchte ich noch jemanden vorstellen, der sich der Eco Fashion verschrieben hat. Genauer gesagt, der Eco Streetwear. Christian Hetzner heißt der Mann, sein Label hört auf den Namen »hecna«. Im Interview sprachen wir über seine frühen Anfänge, sein eigenes Einkaufsverhalten und warum ihm die Modewelt eigentlich „zu blöd“ ist. Mit 18 Jahren hast Du bereits dein Label gegründet. War da schon für Dich absehbar, dassDu Dich einmal mit nachhaltiger Mode beschäftigen wirst? Ja, an meinem 18. Geburtstag ging’s voller Tatendrang zum Gewerbeamt,um starten zu können. Damals ahnte ich aber noch nicht, dass ich in den folgenden Jahren nachhaltige Mode anbiete. Zu der Zeit gab es auch kaum Anbieter auf dem Gebiet. Warum hast Du Dich später dafür entschieden, nachhaltige Streetwear unter dem Namen zu machen? Durch Zufall bin ich auf eine Reportage im Internet gestoßen, die sich mit dem Thema des …

Die Poesie als Komplize – Zart auf Weiss von Julia Nohr

Wann hattet ihr zum letzten Mal ein Gedicht zur Hand oder dachtet an ein Stück Poesie zurück, das ihr in der Schule einmal gelernt hattet? Bei mir liegt das schon eine ganze Weile zurück, auch wenn ich tatsächlich Gedichtbände zwischen meinen Büchern stehen habe. Julia Nohr aus Köln wiederum beschäftigt sich jeden Tag mit Poesie. Nicht nur, weil sie selber Gedichte geschrieben hat, sondern auch Gedichte druckt – auf Shirts für ihr kleines feines Label „ZART AUF WEISS„. In unserem Interview sprechen Julia und ich nicht nur über gedruckte Zeilen, sondern auch über Anneke Kim Sarnau und ihren Wohnort Köln. Liebe Julia, wie kamst du auf die Idee, Poesie auf Shirts zu drucken? Ich schreibe ja schon lange Gedichte und Kurzgeschichten. Später habe ich Drehbuch und Regie studiert – also auch Geschichten geschrieben –, habe für Zeitschriften Künstlerportraits fotografiert und recherchiert und ich texte hin und wieder für Agenturen. Anfang 2000 haben wir mit der Tango Danza mehrere Kalender aufgelegt und verkauft, in denen ich Liebesgedichte mit eigenen Fotografien dieses wunderbar poetischen Tanzes „Tango Argentino“, …

Fetisch Fashion von FUSC – Damaris und Rosa im Interview

Fair Fashion bietet uns anno 2018 eine große Bandbreite, um den eigenen Stil modisch auszudrücken. Fair Fashion hat aber auch seine Grenzen, wie etwa bei Clubwear und Fetisch Fashion. In diese Lücke stoßen Damaris Moos und Rosa Hirn mit ihrem noch jungen Label Fusc! Die Art von Schmuck und Mode, wie die beiden sie machen, gibt es bisher in der Upcycling- und Slow-Fashion-Szene kaum – und umgekehrt gibt es auch keine Clubwear oder Fetischkleidung, die aus wiederverwerteten Materialien besteht. Genau das wollen die beiden Gründerinnen ändern! Liebe Damaris, liebe Rosa, wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt? Wir haben uns schon während des Studiums an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim kennengelernt. Damaris hat dort Mode- und Rosa Schmuckdesign studiert. Wir hatten schon damals die Arbeit des anderen im Blick, die Gelegenheit für ein gemeinsames Projekt hat sich dann aber erst 2017 ergeben, als wir uns in Berlin wiedergetroffen haben. Um was sollte sich das gemeinsame Projekt drehen? Ausgangspunkt für die ersten Treffen war die Idee eines Upcycling-Projekts. Inspiriert von den Berliner Müllbergen haben wir Altkleider …

„Made IN Europa, FOR Bangladesh“ – Ali Azimi von Drip by Drip im Interview

Wie gelingt das eigentlich, einen Unterschied auszumachen? Sich für etwas einzusetzen, was uns alle betrifft? Sich einer Idee zu verschreiben, die Besserung bringen soll? Im Interview mit Ali Azimi, Initiator der NRO Drip by Drip und Mitgründer des dazugehörigen Modelebals BlueBen sprechen wir über die Herausforderungen, die verfahrere Situation in unserer Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft zu ändern und dabei immer und immer wieder auf Missstände aufmerksam zu machen, die viele von uns gar nicht wahrnehmen – weil sie zu klein oder zu weit weg von unserem eigenen Alltag sind oder einfach als unbedeutend wahrgenommen werden. Wie zum Beispiel der immense Wasserverbrauch der Textilindustrie, die wir selber täglich / wöchentlich / monatlich füttern. Lieber Ali, du bist Gründer des Labels BlueBen und der NRO Drip by Drip. Ihr widmet euch vor allem dem Thema Wasserverbrauch in der Textilindustrie. Wie kam es zu der Auseinandersetzung mit dieser Thematik? Es war ziemlich banal. Ich hatte den Film The True Cost gesehen und war schockiert über den Wasserverbrauch und den intensiven Pestizideinsatz bei Baumwolle. Daraufhin habe ich vier Monate lang …