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Damals in Marzahn

Gut Ding will … ach Quatsch! Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum: Eigentlich sollte diese Geschichte ganz anders heißen. „Neulich in Marzahn“ schwebte mir vor, als ich im Mai mit René für eine neue Folge von Z² – Zahn und Zieger unterwegs unterwegs waren. Doch es kam anders. 5 Monate zogen bislang ins Land mit Trump und dem „Little Rocket Man“, Böhmermanns Sommerpause, dem Siegeszug der AfD und einer ernüchternden Bundestagswahl. 5 Monate, die es in sich hatten. 5 Monate, in denen ich mich dieser Geschichte nicht gewidmet habe. Einzelne Aufnahmen unserer Tour und manches Outfit kennt ihr bereits, doch die gesamte Geschichte eben noch nicht. Die gibt es heute. Jetzt. Hier. Los geht’s!

Marzahn ist vielschichtig und abwechslungsreich. Prägend ist natürlich die Großsiedlung, die vielen Hochhäuser. Doch Marzahn ist mehr. Es steht auch für die Internationale Gartenausstellung (IGA), für das Schloss Biesdorf oder das Landhaus Marzahner Krug. Bei unserem Ausflug beschränkte wir uns auf das Gebiet zwischen dem S-Bahnhof „Berlin-Marzahn“, dem monumentalen Konsumtempel Eastgate Berlin, entlang der Marzahner Promenade bis nach Alt-Marzahn und der Bockwindmühle. Aus diesem Kontrast zwischen Monumenten der Moderne und Relikten der Vergangenheit zogen wir unseren Reiz, um an einem Nachmittag Marzahn – der Stadtteil, in dem DIE LINKE mit Petra Pau es geschafft hat, bei der Bundestagswahl 2017 ein Direktmandat zu holen – einen Nachmittag zu verbringen.

Vorbei an Neu Wuzhou und dem Sport Eck am Eastgate

Wir schlenderten zunächst über die 1972 erbaute Marzahner Promenade, die als Zentrum Marzahns gilt. Vorbei am Einkaufszentrum, an Sonnenbank-Studios, 1-Euro-Shops und netten Männern, die uns gefälschte Zigaretten anbieten. Vorbei am Denkmal für die Erbauer der Großsiedlung, am China-Restaurant Neu Wuzhou und dem Sport Eck am Eastgate. Vorbei an der dominanten Platte, in der so viele Menschen leben, deren Gesichter wir in Kreuzberg und Neukölln kaum widererkennen würden. Und auch vorbei am Mosaik „Arbeit für das Glück des Menschen“ von Walter Womacka aus dem Jahre 1989, vor dem René und ich unsere Beitrag zur STAND UP-Kampagne von Peppermynta und Waterkoog erstellten.

2017 ist aber auch das Jahr der IGA, die noch bis zum 15. Oktober 2017 geöffnet hat und sich rund um den Berliner Erholungspark Marzahn mit seinen Gärten der Welt und dem Kienberg erstreckt. Folgt man den Schildern zur IGA, quert man nicht nur die Landsberger Straße, sondern gelangt eben auch zum alten Dorfkern, nach Alt-Marzahn. Kaum eingetaucht in den alten Dorfkern ebbt jedweder Stress ab und Großstadtgeräusche lassen sich kaum noch wahrnehmen. Eine Parallelwelt, nur einen Steinwurf entfernt. Entschleunigung ist hier noch möglich, selbst wenn man aus dem Augenwinkel noch einen 20-Geschoßer wahrnehmen kann. Ideal, um unser sommerlichstes Outfit in diesem Jahr in Szene zu setzen.

Klaus Genz‘ Selbstbedienungsketchup- und senfflaschen

Im Jahr 1300 wird dieser Dorfkern wohl bereits urkundlich erwähnt – das Dorf selbst wird es demnach schon eine Zeit lang länger geben. Zwar fühlen sich René und ich nicht in diese Zeit zurückversetzt, aber die alten Dorfstraße mit Kopfsteinpflaster, die niedrigen Gebäude, die Schrauberstätten und die Einfamilienhäuser mit Eisengitter und Parkgarage entwickeln schon ihren ganz eigenen Flair. Ganz zu schweigen von dem eingangs schon erwähnten Landhaus Marzahner Krug, der Dorfkirche und den wieder einmal unvergleichlichen Wurstwaren von Klaus Genz – mit Selbstbedienungsketchup- und senfflaschen direkt im Eingang der Metzgerei.

Nach einer obligatorischen Z²-Stärkung und der spontanen Verengung meiner Herzkranzgefäße zogen René und ich wieder weiter. Über die  – die heutzutage für Hochzeiten und als produzierendes Museum mit eigenem Mühlenbrot genutzt wird – und die Landsberger Allee wieder kreuzend erreichten wir dann wieder das Eastgate – die fünftgrößte Shopping Mall in Berlin und ein häßliches Monstrum moderner Konsumtempelarchitektur.

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Abseits der großen Flaniermeilen und dem Burger King Lieferdienst erspähten René und ich in der architektonische Gestaltung nach Plänen der Bürogemeinschaft Jost Hering, Klaus M. Hoffmann, Ragna Carstens und Enno Schmacker doch noch einen Ort, der uns sehr reizte. Es waren nicht die auf dem Dach verorteten Parkplätze, sondern dieser eine Durchgang zwischen Liefereingang und Tiefgaragenauf- und abfahrt. Dieser Nicht-Ort diente uns mit seinem runden „Fenster zur Welt“ dazu, mich balancierend in Schale zu werfen – mit meiner aktuellen Lieblingsdenim Slim Lassen von Mud Jeans sowie George, dem dazu so formidablen Hemd des niederländischen Labels – erstanden im Neuköllner Standard Saubere Sachen.

Nach den unzähligen ungläubigen Blicken und dem wachsamen Auge einer Sicherheitskamera schl0ßen René und ich unseren sommerlichen Ausflug dort, wo alles an diesem Tag begann: Am S-Bahnhof Marzahn. Am 1. Mai 1898 wurde der Bahnhof, damals noch keine S-Bahn-Station, in Betrieb genommen. Diese wurde erst zum Jahreswechsel 1976/1977 in Betrieb genommen. Der südliche Auf- und Abgang ist noch aus alten Zeiten übriggeblieben, soll aber wohl 2019 vollständig abgerissen und ersetzt werden. Ein vergänglicher Ort – wie so oft in Berlin.

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Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: René Zieger

In dieser Episode werden meine eigenen Kleidungsstücke gezeigt sowie Produkte, die mir zum Testen zur Verfügung gestellt wurden.

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1 Kommentare

  1. Christian sagt

    Der Artikel hat mich in meine Zeit als Marzahner zurückversetzt. Schön geschrieben und sehr gute Fotos. Nach der Mühle hätte man auch noch gut zur IGA laufen können – doch das hätte vermutlich euer Zeitfenster gesprengt 😉

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