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„Der grünen Modeszene geht es so gut wie nie“

In der letzten Woche war es wieder soweit: die Modemessen öffneten ihre Pforten in Berlin. Für konventionelle und grüne Modemarken und –labels hieß es, ihre aktuellen Herbst/Winter 2016 Kollektionen vorzustellen oder sich ganz neu dem interessierten Fachpublikum, den Bloggern und Pressevertretern sowie, und vor allem, den Händlern zu präsentieren. Bernd Hausmann von glore war natürlich auch vor Ort. Mit ihm habe ich über Looks und Trends, Materialen, die Green Fashion Bewegung und THE TRUE COST gesprochen.

Alf: Wie fällt das Fazit deiner Messebesuche aus?

Bernd: Der grünen Modeszene geht es so gut wie nie. Es gibt immer mehr Händler in Deutschland. Die Sortimente werden immer grösser und es kommen immer mehr Labels auf den Markt. Es gibt in jedem Segment mittlerweile mehrere Anbieter. Nur in der Sportartikelbranche gibt es noch kaum Alternativen.

Alf: Bereits im Sommer 2016 gab es Versuche, mit neuen Materialien wie Kork zu arbeiten. Hält diese Entwicklung an?

Bernd: Hier ist die grüne Mode der Visionär und Antreiber der Textilindustrie. Vegane Lederersatzmaterialien fallen mir dabei auf. Z.B. den von dir schon angesprochenen Kork oder Lederimitat aus der Ananas. Alternative Gerbeverfahren z.B. mit Olivenöl oder Rhabarber werden immer stärker verwendet.

Alf: Wie sieht es konkret bei TENCEL aus – vielleicht einer der alternativen Fasern mit einer guten Öko-Bilanz?

Bernd: Der Siegeszug von TENCEL hält an. Gerade TENCEL-Mischungen werden häufig verwendet. Die Naturmaterialien behalten aber ihre starke Stellung und die Qualität wird von Saison zu Saison besser. Portugal und andere EU-Staaten bleiben als Produktionsländer weiterhin sehr wichtig. Aber kleine Labels wie Lovjoi oder größere Hersteller wie brainshirt zeigen, dass die Produktion in Deutschland noch möglich ist.

Alf: Materialien sind das eine, der Style etwas ganz anderes. Kann die Grüne Modeszene bei modernen Looks und Schnitten Schritt halten?

Bernd: Wie immer setzt die grüne Szene keine neuen Trends in diesem Bereich. Einzelne Labels können mit individuellen Entwürfen punkten, etwa Anne Gorke oder Studio Elsien Grinhuis. ekn footwear hat zwei fast schon architektonische Schuh-Modelle präsentiert, die in der Sneakerszene für Aufmerksamkeit sorgen werden. FRIEDA SAND hat eine schöne ehrliche 1. Kollektion entworfen. Dennoch: Außergewöhnliche Kollektionen, die außerhalb der Green Fashion Szene für Aufmerksamkeit sorgen werden, sehe ich nicht.

Alf: Grüne Mode ist für viele immer noch Mode mit einem guten Gewissen. Dabei ist es immer noch erstaunlich, wie wenig die Konsumenten über die Textilien, die sie jeden Tag auf der Haut tragen, wissen. Zusammen mit dem Filmverleih Grandfilm und der Christlichen Initiative Romero habt ihr die Filmrechte erworben. Wie läuft das Filmgeschäft?

Bernd: Bei glore beschäftigen wir uns täglich mit den Themen rund um Mode – und trotzdem hat uns der Film sehr berührt und wir waren uns sicher, dass der Film in die deutschen Kinos kommen muss. Zuerst lief der Film beim Nuremberg International Human Rights Film Festival, jetzt – pünktlich zur Fashion Week – läuft der Film in den Kinos.

Alf: Was macht die sehenswerte Dokumentation aus deiner Sicht so besonders?

Bernd: Ich behaupte, der Film spült viele Menschen in unsere Richtung. Umso mehr ihn sehen, umso mehr werden ihr Konsumverhalten ändern. Deswegen haben wir diesen Schritt mit unseren Partner gewagt und hoffen, dass ihn viele Menschen sehen werden – und danach anders da bewusster Mode konsumieren werden.

Weitere Stimmen über die Ethical Fashion Show Berlin und den Greenshowroom gibt es heute Nachmittag im Blog. Infos zu THE TRUE COST findet ihr auf glore.de.

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