Slow & schlicht: Die stillvolle Lingerie von WORON

Öko-Mode oder Ethical Fashion ist in den letzten Jahren unglaublich gewachsen. Immer mehr Modelabels setzen auf ökologisch angebaute Rohstoffe, achten auf eine transparente Lieferkette und soziale Produktionsbedingungen. Knackpunkt ist und bleibt häufig noch das Design, der Schnitt und der Stil, den die Labels mit ihrer Mode vermitteln wollen. So wie es bei Sneaker aus meiner Sicht nur wenige Glanzlichter gibt (ekn Footwear, Faguo Shoes, VEJA), so gibt es auch in Sachen „Unterwäsche“ oder Lingerie noch Nachholbedarf. AIKYOU (für Frauen) und VATTER (für Männer, für Frauen gibt es Höschen und Shorts) setzen aus meiner Sicht nicht nur ökologisch, sondern auch stilistisch schöne Maßstäbe. Ein Label, dass sich anschickt, Sustainable Lingerie noch salonfähiger zu machen, ist WORON aus Kopenhagen, die ich euch heute vorstellen möchte – inklusive Interview mit Anya Woron.

WORON | Sutainable Lingerie | Kopenhagen | Cleav Base & Cheeky Base Black | Foto: WORON | GROSS∆RTIG

Anya und Arina Woron geht es mit ihrem eigenen Label vor allem Unterwäsche zu erschaffen, die Frau gerne als erstes am Tag an- und gerne als letztes am Tag wieder auszieht. Weder soll die weibliche Linie oder der Stil der Unterwäsche durch den Komfort eingeschränkt, noch soll es genau anders herum sein. Stil, Körpergefühl und Komfort sollen bei WORON ein natürliches Ganzes bilden. Dazu zählt auch, dass alle Produkte durch die minimalistische Ästhetik miteinander kombiniert werden können. Ich finde, dass die Schlichtheit der Modelle, die auch in den Fotografien zur Geltung kommt, den femininen Charakter von WORON noch unterstreicht. Weniger ist mehr in diesem Fall.

WORON | Sustainable Lingerie | Kopenhagen | Move Base & Brief Base White | Foto: WORON | GROSS∆RTIG

WORON | Sustainable Lingerie | Kopenhagen | Body Base Black | Foto: WORON | GROSS∆RTIG

WORON | Sustainable Lingerie | Kopenhagen | Muscle Base & Brief Base White Black | Foto: WORON | GROSS∆RTIG

Die beiden Gründerinnen haben sich nicht nur viele Gedanken über ihren eigenen Output gemacht, sondern auch über die zu verwendeten Materialien. Sie entschieden sich bewusst dazu, weniger zu produzieren als gewöhnliche Lingerie Labels – sie entschieden sich zudem für einen Materialmix aus Modal® und Elasthan. Dieser wiederum ist – zieht man die Bewertungsmatrix von Made-By zu Rate – nicht besonders nachhaltig. Modal® wird von Lenzing in Österreich hergestellt und wird aus Buchenholz gewonnen. Bei Mady-By bekommt das Material nur einen D-Status – den zweitschlechtesten. Das Material schneidet demnach nur um eine Kategorie besser ab als zum Beispiel konventionell angebaute Baumwolle. Aus dem Hause Lenzing stammt allerdings auch TENCEL®, das ebenfalls aus Holz hergestellt wird, aber deutlich nachhaltiger ist (vergleichbar mit Bio-Baumwolle und verschiedenen recycelten Materialien).

WORON | Sutainable Lingerie | Kopenhagen | Foto: WORON | GROSS∆RTIG
Anya und Arina Woron aus Kopenhagen machen schlichte Lingerie

Im Interview mit Anya, welches wir über die Entfernung Berlin – Kopenhagen via E-Mail geführt haben, wollte ich herausfinden, weshalb die beiden Schwestern ausgerechnet auf dieses Material gesetzt haben. Ich konnte aber auch noch viel mehr über den Ansatz von WORON und die Produktion der Lingerie in Portugal in Erfahrung bringen.

Q: Dear Anya, I just discovered your Lingerie brand some weeks ago and I really love your aesthetic and your idea behind your label. Would you describe WORON as a Slow Fashion brand?

A: Thanks, Alf. We believe that we fit the bill for being called a Slow Fashion Brand. We have created a collection that is timeless, meaning that it fits every season with our classic fits and neutral colors and it is simple and accessible fashion meaning it’s easy to style with any other clothing. Furthermore instead of following the ordinary way of making huge collections 6 times a year we focus on developing essential styles and capsule collections that fit our story and our customers needs.

Q: In terms of customers needs, it’s always tricky to decide what garment fits best and how close you get being „100 % sustainable“.

A: Yes, it’s always tricky, but definitely not impossible. We believe its important to look at the whole process from start to finish and at the impact on the environment etc. from all angles and as a whole rather than on just one part of the process.

Q: You are using Modal by Lenzing for your lingerie. Why have you chosen this material instead of e.g. the more sustainable TENCEL by Lenzing?

A: Tencel is a further development of Modal, but is not as soft and therefore does not lend itself as well to underwear and styles that are close to the skin. With Tencel one must have a higher percentage of elastane to get the same softness as Lenzing Modal and for us the „second skin feeling“ weighed higher.

Q: How do you use it for your Lingerie?

A: We use 94% modal and 6% recycled elastane in our fabric blend so had we gone with Tencel and added even more elastane to make the fabric more pliable and soft, we didn’t think it’d be a more sustainable choice. At the present moment, we are choosing Modal for the above mentioned reasons, but we are always open to new ideas and are on the look-out for new sustainable developments in Tencel etc.

Q: You are producing your Lingerie in Portugal, right?

A: Yes, in Porto. The small family-owned factory our products are produced at, is run by 2 generations (2 brothers and a mother). The factory has 32 employees and in-house cutting, sowing, quality-checking and packing.

Q: Is the factory certified in any way? ILO for example?

A: The factory we collaborate with does not have any relevant certifications, but we’ve been down there to check and go through everything ourselves, so that it meets our high standards. Since it’s a small family-owned factory, it’s much easier to keep everything under control and have a transparent and clear process of everything that happens under production.

Meinen ersten positiven Eindruck bestätigte die Offenheit und Klarheit von Anya im Interview. Die beiden Frauen machen sich die richtigen Gedanken über den eigenen Fußabdruck und dem Fakt, in einer Industrie und einem Segment mitmischen zu wollen, in dem Nachhaltigkeit sich weiterhin nicht durchgesetzt hat und wir, die Konsumente, immer noch nicht konsequent genug auf Ethical Fashion Wert legen.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: WORON

2 Kommentare

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Über die Nachhaltigkeit von Modal streiten sich wohl die Geister ;) kurich habe ich gelesen es sei nachhaltiger als die Verarbeitung von Baumwolle , kann die Quelle leider nicht mehr finden ;) also besteht auch hier wie mit fast allem ein Widerspruch ;) ich muss sagen ich bin begeisterte modal Trägerin und finde es toll was die Schwestern daraus machen
Viel Erfolg den beiden mit freundlichen Grüßen , Petra J.-E.

zu Modal: Der made-by-Benchmark ist in diesem Punkt veraltet und soll noch dieses Jahr auf Basis neuer Daten/Studien aktualisiert werden. Die Einordnung bezieht sich auf konventionell erzeugtes Modal. Lenzing hat jedoch seine Modal-Produktion auf ein Verfahren umgestellt, das dem der Lyocell- (Markenname Tencel)-Produktion im gleichen Hause ähnelt. Wegen der ökologisch günstigeren Rohstoffquelle (europäische Buche statt importiertem Eukalyptus) ist Modal von Lenzing sogar tendenziell als nachhaltigere Faser gegenüber Tencel einzuschätzen.

Auf dem Grüne Mode Blog haben wir gemeinsam mit Expert_innen eine Prognose-Einordnung vorgenommen:
http://www.kirstenbrodde.de/?p=3860

Ansonsten toller Label-Fund in einer wirklichen Nische!

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