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»Mir ist die Modewelt größtenteils zu blöd«

Immer wieder gerne werfe ich einen Blick in meine Geburtsstadt Nürnberg. Aufmerksame Leserinnen und Leser kennen deswegen bereits ATF Clothing und seit einigen Tagen auch die ganz wunderbaren »New Kids in the Hood«. Heute möchte ich noch jemanden vorstellen, der sich der Eco Fashion verschrieben hat. Genauer gesagt, der Eco Streetwear. Christian Hetzner heißt der Mann, sein Label hört auf den Namen »hecna«. Im Interview sprachen wir über seine frühen Anfänge, sein eigenes Einkaufsverhalten und warum ihm die Modewelt eigentlich „zu blöd“ ist.


Mit 18 Jahren hast Du bereits dein Label gegründet. War da schon für Dich absehbar, dassDu Dich einmal mit nachhaltiger Mode beschäftigen wirst?

Ja, an meinem 18. Geburtstag ging’s voller Tatendrang zum Gewerbeamt,um starten zu können. Damals ahnte ich aber noch nicht, dass ich in den folgenden Jahren nachhaltige Mode anbiete. Zu der Zeit gab es auch kaum Anbieter auf dem Gebiet.

Warum hast Du Dich später dafür entschieden, nachhaltige Streetwear unter dem Namen zu machen?

Durch Zufall bin ich auf eine Reportage im Internet gestoßen, die sich mit dem Thema des Kakao-Anbaus auf der Elfenbeinküste beschäftigt hat. Dort wurden Kinder durch falsche Versprechungen auf Kakao-Farmen gelockt. Allerdings sind sie Menschenhändlern in die Falle gelaufen und wurden für umgerechnet 230 EURO an die Besitzer der Plantagen verkauft, welche die Kinder dann ausgebeutet haben. Kein Geld – keine Freiheit – Arbeit bis zum Umfallen. Dieser Einblick hat mich so bewegt, dass ich mein Einkaufsverhalten komplett umgestellt habe, sowohl privat als auch geschäftlich. Mittlerweile bin ich wieder etwas entspannter beim Einkaufen, aber wenn ich die Wahl zwischen konventioneller & fair gehandelter Ware habe, greife ich gern zur fairen Alternative. Geschäftlich gehe ich aber keine Kompromisse ein und arbeite ausschließlich mit fairen Rohstoffen.

Du hast einen eigenen Laden geplant. Was werden die Besucherinnen und Besucher bei dir erwarten können?

Aktuell mache ich alles rund um hecna ausschließlich in einem Zimmer meiner Wohnung. Doch es sieht ganz gut aus, dass ich ab dem September diesen Jahres zusammen mit einer Goldschmiedin zum ersten Mal einen Laden eröffne, der unter anderem den Namen meines Labels trägt.

Wie oft bringst Du neue Kollektionen heraus?

Bis zum vergangenen Jahr brachte ich zwei Kollektionen jährlich heraus. Jetzt gibt es alle paar Wochen ein neues limitiertes & zugleich nummeriertes Kleidungsstück. Je nach Jahreszeit gibt es dann entweder neue Sweater, Hoodies, T-Shirts, oder komplett andere Produkte, wie zuletzt, das Notizheft aus gebrauchten Pizza-Kartons.

Welches Stück von Dir magst du am meisten?

Es ist schwierig einen Favoriten aus den vielen Shirts herauszupicken. Mir gefällt – so blöd es auch klingen mag – immer das am meisten, das zuletzt erschien. Das kommt wohl davon, dass ich alle Designs selbst entwickle und ich mich mehrere Tage oder Wochen intensiv diesem einen/neuen Design widme, mittels Produktfotografie, Werbefotos, Social Media, Fotoshootings und vielem mehr.

Welche Labels inspirieren Dich?

Von Labels lasse ich mich nur unterbewusst inspirieren, da mir die „Modewelt“ größtenteils zu blöd ist. Inspiration finde ich überall – in meinem Umfeld, auf der Straße, beim Urlaub und so weiter, deshalb ist jedes neue Kleidungsstück eine Überraschung – auch für mich. Manchmal sind es Schriftzüge, manchmal Fotos, manchmal beides, oder eben auch was ganz anderes.

Welchen Ort in Nürnberg magst du am meisten und warum?

Sowas hab’ ich nicht wirklich. Mir geht es nicht so sehr um Orte, sondern vielmehr um die Leute, mit denen ich dort bin.


Wer Christian in Aktion erleben will, aber nicht bis zur Ladeneröffnung warten möchte, dem empfehle ich die Reportage über ihn vom Franken Fernsehen. In dem Beitrag gibt er weitere Einblicke in seine Anfänge und seine Arbeiten für hecna.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: hecna

Im Zuge unseres Interview hat mir Christian ein Exemplar seines aktuellen Mittelfinger-Shirts zur Verfügung gestellt, das ich unlängst mit René in Steglitz ausführte.

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