„Jeder einzelne Einkauf unterstützt und fördert mindestens eine Frau!“Jo-Anne Godden von RubyMoon im Interview

Jedes Modestück kann nachhaltig sein. Das ist keine Optimismus, das ist eine Tatsache. Die Modebranche sieht das bekanntlich anders und ruft uns täglich über Fernseh-Spots, Print-Anzeigen und mehr zu, doch immer mehr Dinge zu kaufen. Dabei spielt Nachhaltigkeit in der so genannten Fast Fashion keine Rolle. Bademode ist keine Ausnahme. Aber es gibt nachhaltige Alternativen, auch in diesem Bereich. Eine davon ist das Slow Fashion Label RubyMoon aus Großbritannien! Ich hatte die Gelegenheit, der Gründerin Jo-Anne Godden einige Fragen über ihr Label und ihren Ansatz, besonders Unternehmerinnen zu unterstützen und zu fördern, zu stellen!

Alf: Bei RubyMoon werden alle Produkte unter „ethischen Aspekten“ hergestellt. Was bedeutet das genau? Wo produziert ihr eure Badebekleidung?

Jo: Wir produzieren in Näherinnengenossenschaften in Spanien und sichern so ethische Arbeitsbedingungen und den entsprechenden Lohnausgleich. Unsere gesamte Lieferkette ist innerhalb Europas, um den Missbrauch von Mensch und Umwelt zu verhindern.

Alf: Warum habt ihr euch dafür entschieden, vor allem in Spanien zu produzieren?

Jo: Ich habe früher in Spanien gelebt und gearbeitet. Da war es naheliegend. Wir wollen die spanische Modebranche unterstützen, die noch in Kleinserien produziert. Das bedeutet unter anderem, dass wir eine große Kontrolle bezüglich Qualität ausüben und im Besonderen auf die Arbeit mit den Kooperationspartnern achten können. Das heißt vor allem, dass die Näherinnen Kontrolle über ihre Work Life Balance und ihre Bezahlung haben. 

Alf: 100 Prozent der von RubyMoon erwirtschafteten Nettogewinne werden als Kleinkredite vergeben, um Unternehmerinnen in vierzehn Ländern zu fördern. Wie finanziert ihr eure eigene Arbeit in diesem Business Modell?

Jo: Wir arbeiten mit der Wohltätigkeitsorganisation „Lend with Care“ zusammen, RubyMoon selbst ist ein registriertes Sozialunternehmen. Wenn wir ein Darlehen von einem Unternehmer zurückerhalten, investieren wir das Geld in andere Unternehmerinnen. Obwohl wir derzeit mit ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzt sind, ist es in Zukunft geplant, uns Gehälter auszuzahlen. Dennoch werden 100 Prozent des Nettogewinns weiterhin in Kredite investiert.

Alf: ECONYL wird in immer mehr Öko-Bademoden eingesetzt. Von wem bezieht ihr ECONYL? Warum habt ihr euch dafür entschieden, Xtra Life Lycra als Zusatzstoff zu verwenden?

Jo: Alle Badetextilien müssen ein Stretchelement aufweisen. Wir verwenden hierfür Xtra Life Lycra. Damit kann die Kleidung leicht an- und ausgezogen werden und schmiegt sich beim Schwimmen an die Haut an. Wir verwenden es, weil es die Lebensdauer des Stoffes verlängert. Unser ECONYL-Garn wird von Aquafil hergestellt, deren Netzwerk wir auch angehören.

Jedes einzelne Kleidungsstück, das wir verkaufen, rettet Schildkröten, Robben und Delfine. Jeder einzelne Einkauf unterstützt und fördert mindestens eine Frau. Jedes einzelne verkaufte Produkt verbessert ein Leben für immer.

Jo-Anne Godden, Gründerin von RubyMoon

Alf: Wie geht ihr mit dem immernoch bestehenden Problem des Mikrokunststoffs bei der Herstellung von Badebekleidung aus ECONYL um?

Jo: Die Treibnetze produzieren Mikrokunststoffe, wenn sie zerfallen. Je mehr Badebekleidung wir verkaufen können, desto mehr Netze werden entfernt. Alle synthetischen Gewebe verlieren Mikrofasern. RubyMoon geht dieses Problem folgendermaßen an:

  • ECONYL Garne werden stärker verdichtet, so dass sie weniger Mikrokunststoffe verlieren.
  • RubyMoon arbeitet mit einer großen britischen Universität zusammen, um sich auf eine echte Kreislaufwirtschaft in der Textilproduktion zu konzentrieren – dies bedeutet konkret: gebrauchte Badebekleidung wird als Rohstoff wiederverwendet, um daraus wieder neue Badebekleidung herstellen zu können – und gleichzeitig die Produktion von Mikrofasern zu eliminieren bzw. zu reduzieren.

Alf: Was sind eure Ziele für 2020?

Jo: Wir bringen eine Kollektion von Accessoires auf den Markt, auf die wir uns schon sehr freuen. Daneben ist unser Hauptziel derzeit, mehr Kunden mit unserer Philosophie und unseren Produkten zu erreichen, damit wir unseren Footprint erweitern können. Wir expandieren derzeit und suchen nach Impact Investments – 2020 wird also ein spannendes Jahr!

Alf: Danke für das Interview, Jo!


Über RubyMoon:
Nachdem die Gründerin Jo-Anne Godden 25 Jahre in der nicht-nachhaltigen Modebranche gearbeitet hat, entschied sie sich, Teil der Slow Fashion Bewegung zu werden. Ihr Label RubyMoon legt besonderen Wert auf die positive Beeinflussung von sozialen und Umweltaspekten. Dabei setzt sie auf die Kombination „Frauen und Innovation“ als Treiber für eine bessere Zukunft. Sie setzt sich dafür ein, Frauen in der Branche zu stärken und zu fördern und somit deren Status in der Gemeinschaft zu verbessern, in denen sie oft keine eigene Stimme haben. Ihre Mikrofinanz-Investments sind dabei ein wesentlicher Bestandteil dieser Förderung.


Glossar
ECONYL® ist ein chemisch recyceltes Nylon, das hauptsächlich aus alten Teppichen und aus ausrangierten Fischernetzen hergestellt, in Kleinmengen verarbeitet der Hersteller sogar aus den Weltmeeren geborgene »Geister«-Netze. Dies stellt ein sinnvolles Recycling problematischer Abfälle dar und spart Ressourcen ein. Sie haben es hier mit einem hochwertigen Produkt zu tun, dass aber leider – einziger Nachteil – ähnliche Mikrofaser-Verluste wie bei Neuware zur Folge hat.

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