Grüne Mode, Interviews
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fuffi_brand – bayerische Handarbeit aus Wien

Vor gut 12 Jahren zog es mich nach Wien. Dort studierte ich Theater-, Film- und Medienwissenschaften und lernte unter anderem meine heutigen Interviewpartnerin kennen. Denn: Marion Grädler war meine Studienkollegin und kurze Zeit später auch eine wunderbare Freundin. Nach dem Studium trennten sich unsere Wege, da es mich nach Berlin zog. Erst vor wenigen Wochen haben wir uns nach Jahren wiedergetroffen und dabei auch über ihr Leben mit Mode gesprochen. Daraus entstand die Idee, nicht nur Marion, sondern auch ihr kleines feines Label fuffi_brand einmal vorzustellen. Also, Vorhang auf!


Liebe Marion, bitte stell’ dich doch einmal meinen Lesern in einigen wenigen Sätzen vor: Wer bist du und was machst du eigentlich so in Wien, deiner Wahlheimat?

Ich bin gebürtige Bayerin, 36 Jahre alt und habe mich vor mittlerweile über 12 Jahren entschieden, in der wunderschönen Stadt Wien zu leben. Anfangs, um hier zu studieren und dann, um hier zu arbeiten. Nach dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft habe ich eine Ausbildung zur Damen und Herren-Bekleidungsmacherin absolviert und bin parallel durch Zufall in der Filmbranche gelandet. Seitdem arbeite ich für diverse Kino- und TV-Produktionen als Kostüm-Assistentin. Mein Traumberuf, der mir nicht nur wahnsinnig viel Spaß macht sondern der es auch noch zulässt, dass ich nebenbei ein kleines Modelabel führen kann.

Wann hast du dich das erste Mal mit Mode auseinandergesetzt?

Ich glaube wie fast alle Kinder im Alter von drei bis vier Jahren habe ich mir täglich die gleiche Frage gestellt: was soll ich bloß meiner Barbiepuppe heute anziehen? *haha* Und da wir natürlich nicht besonders viele Original-Barbie-Klamotten bekommen haben, habe ich kurzerhand meine Mama (eine gelernte Schneiderin) gebeten, mir Kleider für die Puppe zu nähen, natürlich nach meinen Vorstellungen. Ein wenig später habe ich diese Aufgabe selber übernommen und einfache Sachen genäht. Das war auch gleichzeitig der Zeitpunkt, an dem ich nähen gelernt habe.

Erst viel später habe ich mich dann richtig bewusst und auch kritisch mit Mode auseinandergesetzt, das war während meiner Ausbildung, als ich viel über Materialien, Herstellung und Vertrieb von Mode erfahren habe. Da beginnt man natürlich anders zu denken. Als Kostüm-Assistentin habe ich erneut einen anderen Zugang zu Mode erlangt. Klamotten sollen nicht immer nur gut aussehen, sie sollen dabei helfen, aus einem Schauspieler einen Charakter zu erschaffen, der autenthisch und glaubwürdig eine Rolle verkörpert. Zu guter Letzt natürlich als ich fuffi_brand gegründet habe.

Weshalb hast du fuffi_brand gegründet?

Ich brauchte einen Mantel, der mehrere Funktionen erfüllen sollte. Er sollte fair und nachhaltig in Österreich produziert sowie qualitativ hochwertig sein, mich wärmen, gut aussehen, locker und lässig sitzen und sowohl elegant als auch casual zu tragen sein. Es wurde mir schnell klar: so einen Mantel gibt es (noch) nicht, ich muss die Sache selbst in die Hand nehmen. Nach einigen Schnittzeichnungen und Probemänteln entstand irgendwann der fuffi_brand classic Mantel, ein absoluter Bestseller. Fuffi_brand habe ich sozusagen aus der Not heraus gegründet, etwas haben zu wollen, das es auf dem Markt noch nicht gab.

Was ist für dich das Besondere an deinem eigenen kleinen Label?

Mein eigenes Label bedeutet für mich die absolute Freiheit, Dinge erschaffen zu können, so wie ich sie mir selbst vorstelle und die es vermutlich so noch nicht gibt. Und dass ich damit andere Menschen ansprechen kann, die modetechnisch mit mir auf einer Wellenlänge schwimmen. Ich bin sehr stolz und kann guten Gewissens behaupten, dass meine Mäntel zu 100 Prozent in Österreich produziert werden. Das fängt an bei den Schafen, die die Wolle spenden. Bereits die stehen auf einer österreichischen Weide. Die Stoffmanufaktur ist in einem kleinen niederösterreischen Ort ansässig und verarbeitet die Wolle dort zu einem wirklich außergewöhnlichen Walk-Stoff, der ausschlielich mit reinem Wasser gewalkt wird. Besonders ist natürlich auch, dass ausnahmslos alle Mäntel von mir persönlich genäht werden, auch das Design stammt aus meiner Hand.

„Ich bin es wirklich Leid, auf all den labels ‚made in china‘ zu lesen. Als hätten wir hierzulande nicht die Rohstoffe, das knowhow und die manpower, um unsere Klamotten selbst herzustellen. Im besten Falle natürlich fair und nachhaltig. Es gibt zig tolle Manufakturen in Deutschland und Österreich, die fantastische Stoffe herstellen und zig Labels die daraus coole Anziehsachen machen.“

Wie viele Mäntel hast du denn bislang gefertigt?

Es werden rund 50 gewesen sein.

Gibt es Pläne, die Produktpalette zu erweitern?

Natürlich gibt es die. In meinem Kopf gäbe es tausende Ideen für coole neue pieces. Leider muss ich dazu sagen, dass mir für Neuentwicklungen die Zeit fehlt. Da ich ein Ein-Mann-Unternehmen betreibe, muss ich mich natürlich selbst um sämtliche Bereiche kümmern. Von der Kundenaquise, Marketing-Maßnahmen über die Warenbestellung bis hin zur Produktion und Auslieferung. Das nimmt natürlich einen immensen Teil meiner Zeit in Anspruch. Darunter leidet natürlich der Bereich Entwicklung/Design. Sollte das label in den nächsten Jahren weiter wachsen, könnte ich mir natürlich vorstellen, Mitarbeiter zu beschäftigen und ich könnte mich dann mehr um das Design kümmern, eine Aufgabe, die mich besonders herausfordert und die ich auch besonders gerne mag.

 

Welches Modelabel trägst du selbst am liebsten?

Am liebsten trage ich coole und ausgewählte Second Hand Teile, die eine Geschichte erzählen. Diese kombiniere ich dann mit Stücken sowohl von fairen brands aber auch von ’normalen‘ Marken, die nicht unbedingt explizit nachhaltig produzieren. Letzteres mache ich weil es natürlich auch heute noch ziemlich schwer ist, zu 100 Prozent gut aussehende fairfashion zu finden obwohl der Markt in den letzten Jahren wirklich sehr gewachsen ist. Ich liebe z. B. die Schuhe der Marke VEJA, den minimalistischen Stil von Acne Studios oder die superweichen Shirts von ARMEDANGELS. Lala Berlin trage ich auch hin und wieder, ich mag den kreativen Kopf des Labels, Leyla Piedayesh. Meine Jeans kaufe ich meistens bei Levi’s, die sitzt einfach am allerbesten.

Was wirst du im Januar 2019 machen?

Im Januar 2019 werde ich mich vermutlich so wie gerade jetzt um mein fuffi_brand kümmern und fleißig Mäntel produzieren. Vielleicht dann aber auch schon mit einer Assitentin/Mitarbeiterin. Wer weiß das schon so genau.


Wer mehr über Marion erfahren will, der sollte unbedingt die Website von fuffi_brand besuchen und auch einmal bei Instagram vorbeischauen.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Marion Grädler

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