Interviews
Schreibe einen Kommentar

Fetisch Fashion von FUSC – Damaris und Rosa im Interview

Fair Fashion bietet uns anno 2018 eine große Bandbreite, um den eigenen Stil modisch auszudrücken. Fair Fashion hat aber auch seine Grenzen, wie etwa bei Clubwear und Fetisch Fashion. In diese Lücke stoßen Damaris Moos und Rosa Hirn mit ihrem noch jungen Label Fusc! Die Art von Schmuck und Mode, wie die beiden sie machen, gibt es bisher in der Upcycling- und Slow-Fashion-Szene kaum – und umgekehrt gibt es auch keine Clubwear oder Fetischkleidung, die aus wiederverwerteten Materialien besteht. Genau das wollen die beiden Gründerinnen ändern!

Liebe Damaris, liebe Rosa, wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

Wir haben uns schon während des Studiums an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim kennengelernt. Damaris hat dort Mode- und Rosa Schmuckdesign studiert. Wir hatten schon damals die Arbeit des anderen im Blick, die Gelegenheit für ein gemeinsames Projekt hat sich dann aber erst 2017 ergeben, als wir uns in Berlin wiedergetroffen haben.

Um was sollte sich das gemeinsame Projekt drehen?

Ausgangspunkt für die ersten Treffen war die Idee eines Upcycling-Projekts. Inspiriert von den Berliner Müllbergen haben wir Altkleider gesammelt und damit die ersten freien Experimente gestartet. Von der Altkleideroptik waren wir jedoch bald gelangweilt, da sie uns sehr abgegriffen vorkam. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach anderen Materialien gemacht, um einen Look zu kreieren, der edgy, anders und irgendwie schräg ist. Zufällig lagen in unserer wilden Bastelkiste neben Stoffen, verrosteten Metallteilen und diversen Sperrmüllschätzen auch ein paar kaputte Fahrradschläuche, -felgen und -speichen, die unser Interesse geweckt haben. Also fingen wir an, mit dem Material zu arbeiten und die ersten Modelle zu entwerfen. Dabei entstanden Ideen für Kopfschmuck aus Schläuchen und Speichen und Kleidungsstücke aus aneinandergenähten oder zu Streifen geschnittenen Schläuchen.

Die Berliner Müllberge kenne ich nur zu gut, vor allem die vielen „Fahrradleichen“, die einsam an Zäunen lehnen. Diese sind jetzt euer Arbeitsmaterial. Was verwendet ihr alles?

Uns fiel schnell auf, dass Fahrräder als Rohstoff sehr vielfältige Möglichkeiten für Schmuck und Kleidung bieten und wir dadurch beide unsere Kompetenzen gut einsetzen können. Fahrradschläuche sind haltbar, lassen sich gut verarbeiten und fühlen sich auf der Haut wie Latex oder Leder an. Aus den Felgen und Speichen lassen sich durch Löten, Sägen und Biegen sehr interessante Schmuckstücke fertigen.

Ihr hattet zu Beginn des Projekts gar nicht zwangsläufig an Fetisch Fashion und Clubwear gedacht …

Dass unser Look in die Fetisch- und Clubwear- Richtung geht, kristallisierte sich erst nach dieser ersten Entwurfsphase heraus. Da wir der Berliner Clubszene nicht fern stehen und „Alternative Fashion“ uns viel Freiraum für ausgefallende Entwürfe lässt, war das für uns eine passende Entwicklung. Bis zur offiziellen Firmengründung Ende 2017 haben wir unser Konzept in diese Richtung weiterentwickelt.

Grundsätzlich wollen wir uns aber nicht auf diese eine Szene beschränken, weil wir glauben, dass Fahrradmaterialien auch Potenzial für andere, straßentauglichere Entwürfe bieten. Außerdem planen wir für zukünftige Kollektionen mit weiteren gebrauchten Materialien zu arbeiten. Wir haben einfach großen Spaß an der Arbeit mit Fusc. In diesem Projekt verbinden wir das experimentelle Arbeiten mit Materialien und unser Interesse an alternativem und ungewöhnlichem Design mit dem Grundsatz von Upcycling und Nachhaltigkeit.

Wer noch mehr über die Arbeit von Damaris und Rosa erfahren will, der kann auf ihrer Website stöbern und sich bei Instagram inspirieren lassen. Wer ihre Kreationen auch einmal in Händen halten und anprobieren möchte, kann das im SYLD Store Berlin und im Tattoo Studio & Art Space R_1992!

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Fusc

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.