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5 Jahre AIKYOU – das große Geburtstagsinterview

Kaum zu glauben, aber wahr: Mein wirklich allerliebstes Unterwäsche-Label AIKYOU feiert in diesem Jahr bereits den fünften Geburtstag. Seit 2013 verfolge ich bereits das Schaffen von Bianca Renninger und Gabriele Meinl mit ihrer lingerie brand for small busts. Meine Verbundheit und das Jubiläum waren Anlass genug, um Bianca und Gabriele einige persönliche Fragen zu stellen – über ihre Anfänge, kleine Brüste, die Ansichten von Frauen und Männern zur Oberweite und starken Frauen in unserer Gesellschaft.


Herzlichen Glückwunsch zu eurem 5-jährigen Jubiläum. In eurem aktuellen Beitrag zur aktuellen Lingerie- und Körperbild-Debatte zieht ihr auch ein Fazit über diese gemeinsame Zeit mit AIKYOU. Welche Erfahrung aus den zurückliegenden fünf Jahren war denn für euch am prägendsten?

Bianca Renninger (li.) und Gabriele Meinl (re.) von AIKYOU

Als Lingerielabel für kleine Oberweiten finden wir kleine Brüste natürlich wunderbar und wollten dafür endlich so modische, feminine und sexy Unterwäsche designen, wie wir sie selbst schon immer vermisst hatten. Und dann waren wir doch erstaunt, wie viele Frauen ihre Brüste infrage stellen: „Ich suche schon so lange etwas für mein „Problem“, hätten Sie denn da was?“. Das Spannende daran ist die Wortwahl: Wie kann eine Brustgröße oder -form ein „Problem“ darstellen? Nicht die Brust ist doch „falsch“, höchstens der Schnitt des BHs.

Kleine Brüste, große Brüste – eigentlich spielt es doch gar keine Rolle. Tut es dennoch. Habt ihr eine Erklärung dafür?

In den meisten Gesellschaften gibt es Idealvorstellungen, wie unser Körper aussehen soll, um – vereinfacht ausgedrückt – attraktiv zu wirken und erfolgreich bei der Partnersuche zu sein. In der Praxis wird dies meist gar nicht so gelebt – aber in unserer Erwartungshaltung. Ein Beispiel: Wenn wir nachfragen, warum Frauen ihre Brüste zu klein finden, hören wir oft die Antwort: „Weil Männer vor allem große Brüste schön finden“. Fragt man dann bei den Männern nach, erfährt man, dass diese sich Frauen – glücklicherweise – durchaus als Ganzes ansehen und keineswegs nur die Oberweite. Es ist interessant, dass hier auch wir Frauen, natürlich unbewusst, das Klischee selbst weitertragen. Das Gute daran: Körperideale verändern sich, und jeder kann dafür etwas tun, nämlich einfach wahrnehmen und auch ausdrücken, worin die individuelle Schönheit bei sich selbst und anderen liegt!

Weshalb habt ihr euch eigentlich ausgerechnet das anspruchsvolle Feld der nachhaltig und fair produzierten Unterwäsche ausgesucht?

Für uns stand von Anfang an fest, dass wir so nachhaltig wie möglich produzieren und handeln wollten, in allen Aspekten unseres Unternehmens. Denn genauso, wie wir mit dem Designangebot für kleine Brüste unzufrieden waren, fehlte uns auch die Kombination von schicker, wirklich modischer Unterwäsche und Materialien wie Bio-Baumwolle aus fairer Herstellung und nicht-toxischen Farben – gerade weil sie direkt auf der Haut getragen werden.

Im letzten Dezember habe ich in einem Lingerie-Spezial mehrere Unterwäschelabels, darunter auch euch, vorgestellt. Im Anschluss an die Veröffentlichung wurde ich vor allem von Männern auf das Spezial angesprochen, immer kombiniert mit einem süffisanten Kommentar oder einem Augenzwickern. Warum scheinen sich vor allem Männer mit Unterwäsche (für Frauen) so schwer zu tun?

Unserer Erfahrung nach sprechen Männer und Frauen nicht wirklich offen über Unterwäsche. Und das ist kein Wunder: Laut Statistik kennen 49 Prozent der Frauen ihre eigenen Brustmaße nicht und wählen so oft eine für sie falsche Größe oder einen nicht idealen Schnitt. Wie sollen das dann erst die Männer wissen? Das wäre aber doch mal ein schönes Gesprächsthema!

Für euch war von Anfang klar, in Deutschland produzieren zu lassen. Ihr betont dies aber nicht über Gebühr – im Gegensatz zum Beispiel zur aktuellen Jung von Matt-Kampagne für mey, die mit Vorurteilen arbeiten. Welchen Vorteil hat aus eurer Sicht der Standort „Deutschland“?

Wir finden, so nachhaltig wie möglich zu produzieren sollte selbstverständlich sein. Darum betonen wir das nicht übermäßig – sondern vielmehr das, was uns vor allem unterscheidet, nämlich unser Designansatz als Lingeriemarke für kleine Brüste. Die Entscheidung für den Standort Deutschland war dabei für uns ganz logisch: ein bereits bestehendes Verständnis für Nachhaltigkeit seitens unserer Lieferanten mit entsprechend gesicherten Standards, direkte Kommunikation, kurze Wege – einfach näher dran in allen Belangen!

In eurem eingangs erwähnten Beitrag freut ihr euch über die öffentliche Wahrnehmung von starken Frauen. Was macht diese Frauen für euch so herausragend?

So unterschiedliche Frauen wie Cate Blanchett und Charlotte Rampling, Kate Moss oder auch Karoline Herfurth überzeugen uns durch ihre Haltung, ihren Stil, ihre Ausstrahlung, durch das, was sie tun und was sie insgesamt als Persönlichkeit anziehend und interessant macht – und keiner spricht darüber, dass sie kleine Brüste haben! Für uns der Beweis, dass die Brustgröße entgegen dem Klischee keine Messgröße für Attraktivität ist.

Welchen Wunsch habt ihr für die nächsten 5 Jahre mit AIKYOU?

Wir möchten gerne weiterhin nachhaltig in überschaubaren Schritten wachsen, und vor allem natürlich immer mehr Menschen davon überzeugen, dass kleine Brüste großartig sind, so, wie sie sind! Der BH ist ein Kleidungsstück, das wie kein anderes für Weiblichkeit steht. Und jede Frau, auch die mit kleinem Busen, soll sich mit ihrer Brust und ihrem Körper wohlfühlen können, attraktiv und feminin!

Ein weiterer Blick auf die tolle Unterwäsche von AIKYOU


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Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: AIKYOU GmbH

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