Grüne Mode
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Stell dir vor, es ist Messe und keiner geht hin: „Lost in White Label“

Jedes Kleidungsstück muss produziert werden. Jedes Label braucht einen Produzenten. Wie bei der Suche nach einem Lebenspartner gibt es auch in der Modebranche Verkupplungsinstitutionen. Während der Fashion Week ist das die White Label. Vermeintlich. Betrachtungen von Raphael Breyer

Das Velodrom an der Landsberger Allee in Berlin ist eines der größten Veranstaltungshallen Berlins. Wo sonst die Bahnradfahrer ihre Runden drehen sollte es auch auf der Fashion Week rund gehen. Label finden Produzenten und los geht’s. Doch schon beim Betreten des Eingangsbereichs: Gähnende Leere statt geschäftigem Treiben. Immerhin wurde ich persönlich vom Display begrüßt.

Auf dem Weg in die Halle an jeder Ecke freundliches Personal das mir den Weg weiß. „Hier entlang“, „Dort runter“. In der Halle selbst: nichts.

Klinisch saubere Stände, weite Gänge. Auf den zweiten Blick: Je ein Verkäufer an jedem Stand. Brav auf einem Stuhl sitzend, mir als vorbei gehendem potenziellen Kunden keine Aufmerksamkeit schenkend. Einladende Stimmung sieht anders aus. Ich drehte eine Runde und fand überall das gleich: Billigware die unglaublich nach Chemie roch. Ich trank einen Kaffee um nicht vollends umsonst hier gewesen zu sein, hatte aber immer Angst vor Tropfen auf dem weißen Teppich. Ich erklärte mir die Besucherflaute mit der Mittagspause. Für 16 Uhr eine eher späte Mittagspause.

Beim Verlassen der Halle fragte ich eine der bemerkenswert freundlichen Empfangsdamen ob ich gerade nur einen schlechten Zeitpunkt gewählt hatte. Sie schüttelte nur den Kopf. Es waren seit heute nur 130 Menschen hier, und das in den letzten 6 Stunden. Ich blickte zurück in die Halle. Vor meinem inneren Auge zog ein Steppenläufer vorbei. Ich wusste, dass hier war verschwendete Zeit.

Wenn die White Label die Verkupplungsinstitution der Modebranche ist, dann eher ein Club 2 Minuten nach der Öffnung um 21 Uhr. Aber dort kommen ja immerhin später noch Gäste.

Text/Fotos: Raphael Breyer

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