Ein neues EU-Textilgesetz soll die sogenannte „erweiterte Herstellerverantwortung“ (EPR) einführen. Das bedeutet, dass Modemarken künftig finanziell für das Recycling und die Entsorgung der Kleidung aufkommen müssen, die sie in Umlauf bringen. Utopia fasst treffend zusammen, dass dies ein wichtiger Hebel gegen die Fast-Fashion-Schwemme sein könnte, warnt jedoch gleichzeitig davor, dass die aktuellen Entwürfe noch zu viele Schlupflöcher für die Industrie lassen.
Ich kann diesen Artikel nur wärmstens empfehlen! Er bringt ein komplexes Thema auf den Punkt und zeigt auf, warum Freiwilligkeit in der Modeindustrie bisher kläglich gescheitert ist. Utopia legt den Finger in die Wunde: Solange die Gebühren für die Entsorgung niedriger sind als die Kosten für eine nachhaltige Produktion, wird sich am System „Billigmode“ wenig ändern.
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Aika-Maresa Fischbeck
Neues Textilgesetz könnte Altkleiderkrise lösen und Mode fairer machen – doch noch ist es zu lasch

Warum das Textilgesetz nur der Anfang sein darf
Ein zentraler Punkt, der in der politischen Debatte oft zu kurz kommt, ist die Ökomodulation der Gebühren. Es reicht nicht aus, dass Unternehmen pauschal für ihren Müll zahlen. Das Gesetz muss so gestaltet sein, dass ein T-Shirt aus minderwertigem Mischgewebe, das sich kaum recyceln lässt, drastisch höhere Abgaben verursacht als ein langlebiges Teil aus Monomaterialien. Nur wenn der Preis für „Wegwerfware“ massiv steigt, erhalten Designer*innen und Produktentwickler*innen den nötigen wirtschaftlichen Anreiz, bereits beim ersten Entwurf an das Ende des Lebenszyklus zu denken (Stichwort „Zirkuläres Design“).
Zudem dürfen wir die Verantwortung der Online-Giganten nicht vergessen. Plattformen wie Shein oder Temu fluten den Markt mit Ultra-Fast-Fashion und entziehen sich oft lokalen Entsorgungsregeln durch Direktversand aus Fernost. Ein wirksames Gesetz muss sicherstellen, dass auch diese Akteure vollumfänglich zur Kasse gebeten werden. Ohne eine strikte Haftung für Marktplätze riskieren wir, dass europäische Marken zwar reguliert werden, während der unregulierte Müllberg über den Luftweg einfach weiter wächst.
Zur Wahrheit gehört leider auch: Technik und Gesetze allein lösen die Krise nicht, solange die Produktionsmengen nicht sinken. Wir produzieren weltweit jedes Jahr über 100 Milliarden Kleidungsstücke. Selbst das beste Recyclingsystem der Welt kann diese schiere Masse nicht bewältigen, da „Faser-zu-Faser-Recycling“ aktuell noch weniger als 1 Prozent des Marktes ausmacht.
Wahre Nachhaltigkeit bedeutet für mich daher auch weiterhin: Wertschätzung für das Vorhandene, Reparatur vor Neukauf und eine bewusste Abkehr vom zerstörerischen Takt der (Ultra-)Fast-Fashion Industrie.

Titelfoto von Lance Chang auf Unsplash