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»Shines bright like a Juwel« – Die Z-Boys kanten wieder

Die letzten heißen Tage dieses Sommers sind vorbei. Unumgänglich, trotz Klimawandel. Genau der richtige Zeitpunkt, um euch noch einmal eine Geschichte von einem dieser heißen Tage zu erzählen. Im Gegensatz zur ersten Kant-Geschichte geht es aber diesmal nicht um Architektur, sondern um die Menschen, die links und rechts von uns ihren Alltag verlebten. René und ich immer dicht dran. Ihr seht: Eine echte Z²-Geschichte. 

Bevor ich an dem Punkt weitererzählen kann, an dem ich euch vor knapp 5 Wochen verlassen habe (ihr wisst schon), muss ich noch einmal etwas zurückgehen. Denn ich nutzte die Gelegenheit, mich nach der Begehung der Kant-Garagen und bevor René und ich uns in das Getümmel der Kantstraße warfen, noch einmal schnell umzuziehen. Vorbereitend für die Suche nach unserem zweiten Motiv. Und da es draußen weiterhin deutlich über 30 Grad hatte, wusste ich, dass ich euch eigentlich nur genau in diesem Moment den Pullover präsentieren konnte, den ich dank Michael dabei hatte. Mein Blogger-Kollege unterstützt das Nürnberger Modelabel ATF in der ein oder anderen Online-Angelegenheit. Dank ihm bin ich auf ATF, die ich euch schon ausführlich in meinem SEEK-Review vorstellte, überhaupt aufmerksam geworden – und auf den tollen Pullover, der einem Crew Neck ähnelt, aber mit offene Kanten mit weißen Fransen zu graumeliertem Oberstoff. Fancy that!

Kan•ten das
Auf der Kantstraße abhängen

Nach dem kurzen Posing packte ich den Pullover allerdings ob der zu erwartenden Temperaturen außerhalb der Kant-Garagen wieder in meinen Cubiq Large DLX von pinqponq aus recycelten vietnamesischen PET-Flaschen und weiterem Plastik. Wieder unten an der Tankstelle angelangt, grüßten wir die Jungs, die uns den Tipp mit dem „nicht-in-die-Ecken-pissen“ gaben, freundlichst und schwangen uns wieder auf die Räder – und suchten … ja, nach was genau suchten wir eigentlich an diesem warmen Sommerabend, der mir die Schweißperlen auf die Stirn treiben sollte?

René erzählte mir bereits beim allerersten Mal, als er die Kantstraße als Kulisse für ins Gespräch brachte, von diesem Geschäft. Diesem einen, wo man(n) sich einen Juwel leihen kann. Damals guckte ich noch ungläubig. Just, als wir mit den Rädern knapp hinter der Wilmersdorfer Straße waren, erspähten wir den Laden allerdings wirklich. Leibhaftig vor uns, mit geschlossenem Rollo. Dies ersparte uns im wahrsten Sinne des Wortes die Versuchung, für unsere Liebsten doch noch eine sündhaft teure Kostbarkeit auszuleihen und dafür uns gleich gänzlich als Pfand zu hinterlassen. Schließlich hatten wir uns doch noch etwas vorgenommen.
Die Kantstraße erstreckt sich über fast 3 Kilometer. Zwischen dem Zoo und dem ICC liegen allerdings Welten. Zu Beginn noch mondäner ändert sich der Charakter der Straße in 100-Meter-Schritten. Die Wilmersdorfer Straße markiert mit den für Großstädten so gängigen Konsum- und Suchttempeln so etwas wie eine Trennlinie. Je länger ich darüber nachdenke, verläuft die Straße eigentlich in Wellenbewegungen: Am Anfang schick und fein, dann wieder dreckiger werdend, um dann noch einmal die sauberere Welle zu nehmen und auf deren Spitze schon den Blick in einen wieder dreckiger werdenden Schlund riskieren zu können.
Am eigentlichen Ende der Kantstraße, die dann in die Neue Kantstraße über- und dann Richtung ICC weitergeht, fanden wir dann das passende Motiv. Schräg gegenüber dem Amtsgerichtsplatz, an der Ecke zur Suarezstraße, liegt das Quentin Boutique Hotel mit diesem phänomenal schönen Frühstücksraum. Das Gebäude zog René und mich gleich in den Bann. Nachdem wir das Hotel samt Parkplatz und Hinterhof gründlich inspizierten, konnten wir loslegen. In einer richtig herrlichen Abendsonne und perfektem Licht setzen wir meine beiden Mitbringsel in Szene.

Dank der wunderbaren Lisa von Noble Project durfte ich an diesem Tag eines meiner Lieblingsshirt zur Ausfahrt mitnehmen. »Oh Boy« vereint mit dem Schriftzug und dem perfekt Sitz die Quintessenz eines T-Shirts. Wie bereits in meinem PREMIUM-Review beschrieben, ist aus dem Charity Projekt in der Zwischenzeit ein vollwertiges Label erwachsen, dass in der nächsten Saison endlich auch das ein oder andere Shirt für Männer im Repertoire hat (für Frauen gibt es die Künstlereditionen und eigene Prints sowie Schnitte bereits von Anbeginn). So soll das sein, liebes Noble Project.
Dazu passend trug ich Mika. Die Shorts aus dem Wunderwerk’schen Hause passt nicht nur optisch ideal zu »Oh Boy«. Besonders bequem und mit schöner Waschung (Stichwort: Antique Dye-Technik) ist ein perfekter (veganer) Begleiter für den Sommer in der Stadt. Das Schöne aber nicht nur an Mika ist, dass sich Tim und Heiko, die beiden Labelgründer, einfach eine Rübe darüber machen, welche Mode sie präsentieren wollen und aus welchen Materialien diese gefertigt werden sollen. Keineswegs dogmatisch, sondern eher konsequent auf dem Weg nach dem besten Stoff. Top!

»Alles im Kasten?«
»Ja!«
»Na, dann nix wie weiter – wir haben noch was vor!«

Hinter den Mülltonnen schlüpfte ich schnell in das dritte und letzte Outfit dieser Tour. Bevor wir uns wieder auf den Weg zurück machten, also die Kantstraße wieder Richtung Zoo hinunterfuhren, bemerkten wir einen weiteren Begleiter an diesem Tag – den Mann auf dem Fahrrad mit dem Handwagen voller Flaschen. Nicht, dass er uns etwa interessiert beäugte. Nein, ganz im Gegenteil. Er fuhr wohl schlicht den selben Weg wie wir und machte am Ende der Kantstraße wieder kehrt, um auf der anderen Straßenseite die Mülleimer nach noch Kostbarem für ihn abzusuchen. Wahrscheinlich seine tägliche Rout(in)e. Und während wir so in die Pedale traten, wurde uns wieder einmal klar, wie nah 8 Cent Flaschenpfand und ein geliehener Juwel beisammen liegen.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: René Zieger

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