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Givenchy auf der Schloßstraße

Hallo Bürgerlichkeit, Hallo Steglitz – für René und mich war schon lange klar, dass wir dem Berliner Süden und seinem Mittelpunkt Steglitz einen Besuch abstatten müssen. Gesagt, getan – wir nahmen uns den Abschnitt zwischen den beiden U-Bahnhöfen „Rathaus Steglitz“ und „Schloßstraße“ vor, um dem pulsierenden Leben im Konsumrausch einen Besuch abzustatten und nicht nur, aber auch ein Stück Kuchen zu essen.


Was ihr über Steglitz wissen solltet

Steglitz liegt im Südwesten Berlins und ist schon sehr lange bürgerlich geprägt. Die Schloßstraße, immerhin Berlins zweitgrößte Einkaufsstraße, bildet so etwas wie das Zentrum von Steglitz. Wer nicht nur in die Geschäfte blickt, sondern den Blick auch einmal gen Himmel schweifen lässt, der sieht nicht nur den von mir so geliebten Bierpinsel, sondern natürlich auch das Rathaus Steglitz, das Schlosspark Theater, um nur drei Sehenswürdigkeiten des Bezirks zu nennen.

Auf einen Kuchen im Cafe Baier

So wie René und ich empfehlen wir euch den Besuch eines Berliner Kaffeehauses. Im ersten Stock von Cafe Baier gibt es alles, was das Kaffee- und Kuchenherz begehrt – gepaart mit Berliner Freundlichkeit. Wundert euch nicht: Man redet hier miteinander. Auf der relativ großen Etage gelingt es dem Cafe dennoch, eine gewisse Nähe der Besuchenden herzustellen. Nicht nur wandert der eigene Blick ob der gelieferten Kuchenstücke auch auf andere Tische, es bleibt auch nicht aus, dass die Ohren gespitzt werden, da die Akustik es nicht anders zulässt. Nicht nur die eigenen, sondern auch die Ohren der anderen.

Über die Schloßstraße schlendern

Schlendert ihr die Schloßstraße herunter, werdet ihr euch kaum wirklich daran erinnern können, an welcher U-Bahn-Station ihr nun ausgestiegen seid. Die Einkaufsstraße ist zumindest für mich absolut austauschbar. Ob nun auf dem Ku’damm, auf der Kantstraße oder hier – der Konsumrausch mit seinen Tempeln sieht dann doch immer gleich aus. Die Menschen, ja die Menschen sind diejenigen, die sich dann doch etwas voneinander unterscheiden. Wobei dies nur für den ersten Blick gilt. Auf den zweiten Blick sieht man dann doch die selbe Gehetztheit, die selbe Konsumfixierung, die selbe Verlorenheit in Zeiten, die sich für die meisten dann doch zu schnell drehen.

Mein Wahrzeichen von Steglitz: Der Bierpinsel

Aufmerksame Leserinnen und Leser haben natürlich schon viel früher als heute einige Impressionen von René und mir aus Steglitz gesehen. Denn rund um den Bierpinsel haben wir ja unser Spacemen-Outfit geshootet und haben den Signature Sweater von Rotholz in Szene gesetzt. 47 Meter ragt das ehemalige Turmrestaurant Steglitz in die Höhe. Von den Architekten als Baum entworfen, ist er den Berliner nur als Bierpinsel im Gedächtnis geblieben. Der Name spiegelt zum einen die geplante Gastronomie (Bier) als auch das rasierpinselähnliche Aussehen der in den Himmel ragenden Stahlträger des Tragwerks (Pinsel) wieder. Berlin halt! Wie so häufig in der langen Geschichte des Bierpinsel steht er aktuell leer.

»Down, down, in the Underground«

Der Reiz dieses Abschnitts in Steglitz macht aber nicht nur das „Draußen“ aus, sondern auch das „Unten“. Ob nun „Rathaus Steglitz“ oder „Schloßstraße“ – die beiden U-Bahn-Stationen haben etwas sehr charakterisierendes an sich. Es herrscht geschäftiges Treiben, unten und oben. Trotz der Baustellen steigen hier viele Menschen ein und um, jede*r wuselt vor sich hin, auf dem Weg wohin oder von wo weg. Dinge werden oder sollen ver- und gekauft, Reklame und Schaufenster im stetigen Wechselspiel des billigen Konsums. Pakete, die in verbretterten Nischen deponiert werden; Blumen, die im künstlichen Licht des Untergrunds verkauft werden; Essen, das unter niedrigen Betondecken verzehrt wird. Städtische Absurditäten – in Steglitz an der Tagesordnung.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: René Zieger

1 Kommentare

  1. Bin beim SOKI-Artikel lesen über diesen hier gestolpert. Die Schloßstr. fahre ich jeden Tag zwei mal entlang, da sie auf meinem Weg zur Arbeit liegt.
    Es gibt alles, was man erwartet und leider absolut gar nichts darüber hinaus. Für mich ist es praktisch weil ich alltags-Kram schnell mal kaufen kann (Geld abholen, doppelseitiges Klebeband, eine Gepäckwage, …), aber ich würde nicht auf die Idee kommen, in meiner Freizeit hier mal ein paar Läden auszutesten. Alles City-von-der-Stange, mega austauschbar und leider nicht sehr interessant.

    Paul

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