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For Schur – Zero Waste für Kids

Zero Waste in ein Konzept, mit dem ich mich sehr anfreunden kann. Denn: Wenn bei einem neuen Produkt kein Abfall entsteht, ist das eine gute Sache und definitiv ein guter Weg, um einen nachhaltig zusammengestellten Kleiderschrank zu haben. Doch das ist leichter gesagt oder geschrieben, als getan. Die Herausforderung besteht darin, die Materialien so optimal zu nutzen, dass eben kein Verschnitt oder ähnliches entsteht. Wie kann das in der Praxis funktionieren? Meine Frage hat mir Nina Krake beantwortet. Gemeinsam mit ihrer Freundin Tabea Börner hat sie das Zero-Waste Kindermodelabel »For Schur« gegründet.

Nina Krake und Tabea Börner von „For Schur“


Liebe Nina, ihr verwendet für »For Schur« Wolle. Genauer gesagt: Wolle von aussortierten Wollpullovern. Wie kommt ihr eigentlich an das Material?

Als wir anfingen, nähten wir noch selbst und kauften „unsere“ Wollpullover in Second Hand Geschäften ein. Die Nachfrage war jedoch ziemlich schnell so groß, dass diese Pullover nicht mehr reichten. Außerdem produzieren wir das ganze Jahr über und im Sommer gibt es keine Wollpullover in Second Hand Läden. Wir wussten, dass man Altkleider auch in Textilsortieranlagen kaufen kann. Jedoch wird dort nicht speziell nach Material sortiert und wir mussten sehr hartnäckig sein, bis wir eine Anlage überreden konnten, speziell Pullover aus 100 Prozent Wolle oder 100 Prozent Kaschmir zu sortieren.

Zero Waste bedeutet, dass ihr die Reste, die im Zuschnitt anfallen, weiterverarbeitet. Was fertigt ihr aus diesen noch guten Resten?

Unser Anspruch ist es, nahezu nichts von diesem, für uns so wertvollen Material zu verschwenden. Daher optimieren wir unseren Zuschnitt laufend, schauen was übrig bleibt und überlegen uns, was wir mit den Resten außerdem anfangen können. Die kleinsten Schnipsel verarbeiten wir aktuell zu Handschuhen und Tragestiefelchen für Babys.

Was macht ihr mit Stoffen, die eigentlich noch gut sind, aber vielleicht einen kleinen Makel haben, etwa fleckige Stoffe?

Einige Wollpullover werden von uns gewalkt, damit wir sie zu dicken Überhosen verarbeiten können. Auch die Bündchen dieser Hosen sind aus alten Pullovern und keine Meterware. Wir brauchten eine Möglichkeit, die normalen, dehnbaren Wollstoffe zu verstärken und so kam uns die Idee, innen die Stoffe zu nehmen, die optisch nicht einwandfrei sind. Die Funktion ist natürlich noch gegeben, man möchte sie nur nicht unbedingt sehen. So sind unsere dicken, warmen und festen Wollbündchen entstanden und wir müssen noch weniger wegwerfen.

 

Warum habt ihr Euch überhaupt dazu entschieden, Mode für Kinder zu machen?

Tabea und ich fingen in der Elternzeit an, für unsere Kinder zu nähen. Daraus entwickelte sich sehr schnell eine große Leidenschaft. Da wir große Fans von Wollkleidung für Kinder sind, suchten wir, leider vergebens, nach passender Meterware in Öko-Qualität. Was wir fanden waren aussortierte, zum Teil löchrige Wollpullover, an denen noch ausreichend intakter Stoff dran war, um daraus Kinderkleidung zu nähen. Viel benötigt man ja schließlich nicht für die Kleinsten. Wir wurden sehr oft auf unsere Werke daraus angesprochen, auch von Fremden auf der Straße, so dass wir uns überlegten, daraus ein Businessmodell zu entwickeln. Wir wollten aber nicht unser Hobby zum Beruf machen, sondern wir wollten ein Unternehmen mit Geschichte gründen und einen Arbeitsplatz schaffen, an dem es uns und zukünftigen Mitarbeitern gut geht.

Jedes Zero Waste Label hat, so mein Eindruck, eine eigene Motivation, so zu arbeiten. Warum habt ihr Euch für diesen Weg entschieden?

Der ökologische Aspekt ist uns in unserer Arbeit besonders wichtig. Konventionelle ökologische Mode wird zum Großteil aus neu produzierten, ökologischen Stoffen hergestellt (kbT bzw. kbA). Das ist natürlich super und deutlich besser als Fast Fashion, jedoch verbraucht auch diese Herstellungsarte wertvolle Ressourcen. Wir wollten noch ein kleines bisschen mehr und verwenden daher ausschließlich bereits vorhandene Materialien. Besonders bei Wolle macht das Sinn, denn reine Wollstoffe sind von sehr hoher Qualität. Durch die Beschaffenheit der Faser sind sie absolut farbecht, sie verwaschen nicht, so wie man es zum Beispiel von Baumwollstoffen kennt. Wir bekommen teilweise Pullover, in denen „Made in West-Germany“ steht. Man kann sich also ausrechnen, wie alt diese bereits sind. Trotzdem sieht der Stoff immer noch aus wie neu und dem entsprechend stehen unsere Produkte konventioneller Neuware in nichts nach. Genau aus diesem Grund lohnt es sich, die Arbeit, die Upcycling mit sich bringt, in diese Stoffe zu stecken und ihnen ein neues Leben zu schenken.

Wie hat sich »For Schur« in den zurückliegenden Jahren entwickelt?

Wir begannen nach der Elternzeit im Herbst 2016 bei mir in der Küche den Onlineshop zu bauen und eine Kollektion zu entwickeln, im November zogen wir in ein kleines Atelier in einem kreativen Co-Working-Space und mittlerweile sind wir alleine in diesem und haben insgesamt 6 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Produktion und Kundenservice.


Ein toller Weg, den Nina und Tabea eingeschlagen haben und konsequent weitergehen. Am meisten freut mich, dass es »For Schur« gelingt, schöne Kinderkleidung mit diesen guten ökologischen Aspekten zu verbinden. Ich wünsche den beiden Gründerinnen für die weiteren Jahre mit ihrem Label viel Erfolg!

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: For Schur

Sustainable Crowdfunding News

Die Winterzeit ist auch die Zeit für Crowdfundings. Zumindest bemerke ich diesen Trend Jahr für Jahr. Kurz vor dem Jahreswechsel sprießen einige sehr gute Ideen aus dem Boden, die noch auf Unterstützung aus der Crowd warten. Auf vier Crowdfundings bin ich aufmerksam geworden, die ich euch gerne vorstellen möchte.


Ist der Sweater von Blue Ben tatsächlich der softeste Sweater, den du jemals getragen hast? Die Frage kann ich zumindest mit einem klaren „Ja“ beantworten. Vor einigen Wochen traf ich mich mit Ali Hazimi, einem der Gründer von Blue Ben, und durfte aus erster Hand erfahren, warum es „The Blue Sweater“ gibt und auf welche Innovationen im Entstehungsprozess gesetzt wurden. Vor allem aber durfte ich den Sweater in Händen halten und weiß seitdem, dass es wirklich kaum softer geht! Für alle, die auf Baumwolle verzichten und einmal 100 Prozent Buche tragen wollen, ist der Sweater genau das Richtige.

Crowdfunding: Kickstarter
Highlight Reward: The Blue Sweater in Lemon Curry
Ziel: 22.200,00 EUR
Unterstützen bis: Donnerstag, 6. Dezember 2018, 12:19 Uhr

Mehr über THE BLUE SWEATER in Kürze im Blog!


Als ich das erste Mal von NASCH Sportswear hörte, war es über meine liebe Freundin Marion (aka Fuffi Brand). Die Idee dahinter, nachhaltige Sportbekleidung zu machen, finde ich als Freizeitjogger immer gut und sinnvoll. Es gibt in diesem Segment weiterhin zu wenige wirklich gute Alternativen. Als ich dann die ersten Fotos der Jacken sehen konnte, traute ich meinen Augen kaum: Sie sahen knallige Farben und sehr gut durchdachte Details, die Jogger*innen, Radfahrer*innen und Kletterfreund*innen definitiv gut gebrauchen können. Umso mehr freue ich mich auf Freitag, wenn ich das NASCH-Team persönlich kennenlernen werde und die Jacken unter die Lupe nehmen kann.

Crowdfunding: Kickstarter
Highlight Reward: The Runner
Ziel: 30.000,00 EUR
Unterstützen bis: Mittwoch, 19. Dezember 2018, 18:02 Uhr

Mehr dazu in meiner Instagram Story am Freitagabend und in der ausführlichen Vorstellung im Blog!


Ethical Lingerie von Coco Malou

Blogger machen Mode – das geht nicht immer gut. Neben Madeleine Alizadeh mit dariadéh und Alex und Janine von TOO COOL FOR CRUEL setzt eine weitere Bloggerkollegin zum modischen Höhenflug an. Corinna Borucki (aka Kissen und KarmaInstagram) hat seit Anfang des Jahres ein eigenes und vor allem faires Dessous Label: Coco Malou! Das, was es bisher in nachhaltig und fair zu kaufen gab, hat ihr einfach nicht zu 100 Prozent gefallen. Kurzerhand entschied sie sich dazu, es selbst einfach besser zu machen. „Kurzerhand“ stimmt dabei nicht ganz, denn es ist ein langer Weg, auf dem man Durchhaltevermögen haben muss. Seit wenigen Tagen ist nun das Crowdfunding für die erste Kollektion voin Coco Malou online und ihr habt die Gelegenheit, einem noch jungen Label den Start zu ermöglichen.

Crowdfunding: Startnext
Highlight Reward: Set „Louisa + Hazel + Baum“
Ziel: 15.000,00 EUR
Unterstützen bis: Samstag, 1. Januar 2019, 23:59 Uhr

Mehr über Corinnas Ideen mit Coco Malou im ausführlichen Interview!


Galerie und Concept Store von von GALLERY MALINA

Malina Sebastian habe ich euch 2016 bereits vorgestellt. Die Designerin entwickelte unter ihrem eigenen Womenswearlabel MALINA Ready-to-wear Kollektionen, die hochwertige Materialien mit modernen Design und Experimentierfreude verbinden. Jetzt hat sie sich einem anderen, sehr spannenden Konzept zugewendet: einer eigenen Modegalerie in Berlin-Mitte, welche eine Symbiose aus nachhaltiger Mode und Kunst ausdrückt. Die Gallery Malina fokussiert sich auf Marken, welche sich durch einen nachhaltigen und innovativen Charakter auszeichnen und diesen mit einem hochwertigen Design kombinieren. Aus der Auseinandersetzung miteinander entstehen wechselnde Ausstellungen, deren Manifest durch Künstler begleitet werden. Wie sieht das in der Praxis aus: Das Konzept der Ausstellung INCLUSION zum Beispiel beschäftigte sich  mit Menschen mit Behinderungen und wurde durch Vortragsreihen von Bezgraniz Couture und AUF AUGENHOEHE begleitet. Abgerundet wurde die Ausstellung durch Malereien von Menschen mit Behinderungen. Ziel des Crowdfundings ist, weitere Ausstellungen zu ermöglichen, die Einrichtung zu erweitern und den Laden langfristig zu führen.

Crowdfunding: Startnext
Highlight Reward: Goodybag mit BIOTURM Wacholder Ducshgel
Ziel: 3.000,00 EUR
Unterstützen bis: Freitag, 7. Dezember 2018, 23:59 Uhr


Text: Alf-Tobias Zahn
Foto (Teaser): Photo by Charles Deluvio 🇵🇭🇨🇦 on Unsplash
Weitere Fotos: Rechte liegen bei den jeweiligen Unternehmen

Der Strick sei mit dir! Die Fall/Winter 2018 Kollektion von Rotholz

Meine Homies und Sisters von Rotholz haben sich für die aktuelle Herbst/Winter Kollektion etwas Neues vorgenommen. Zum ersten Mal gibt es feinen Strick von dem Potsdamer Label. Vom Bauhaus inspiriert und made in Germany verzücken sie mit ihrem neuen Lookbook. Doch was versprichen uns Rotholz damit eigentlich?


Auch in dieser Kollektion bleibt sich Rotholz treu – und dem Einfluss des Shibusa, dem traditionellen japanischen Prinzip der ästhetischen Zurückhaltung. Vor allem die klare Linienführung zeugt von dieser Inspirationsquelle. Im Fokus für die kalte Jahreszeit liegen diesmal warme Stoffe und Farben, die den Layering-Look unterstützen und zu allen Gelegenheiten getragen werden. Gut aussehen kann man ja bekanntlich immer, egal ob im Büro, im Coworking Space oder beim chillaxen auf der eigenen Couch. Die Strickserie wurde in einem Familienbetrieb in Norddeutschland produziert. Verwendet wurde italienische Merinowolle, die Ökotex 100 zertifiziert – sprich: Das Material ist frei von schädlichen chemischen Substanzen. Alle Schäfer halten sich zudem an die IWTO-Richtlinien. Außerdem wird das Garn in Deutschland und Italien gesponnen und eingefärbt und unterliegt so den EU-Richtlinien.

IWTO-Richtlinie
The IWTO Specifications for Wool Sheep Welfare are also a cornerstone of the Dumfries Wool Declaration, the industry’s 10-point declaration of intent to support an environmentally responsible, sustainable and commercially viable wool industry.

Natürlich gibt es – wie in jeder Rotholz Kollektion – ein Signature Piece. Dieser Troyer ist diesmal vom Bauhaus inspiriert worden und besteht aus 100 Prozent Schurwolle, spielt mit in Primärfarben abgesetzten Segmenten, arbeitet mit einem auffälligen Kontrast und definiert einen ganz eigenen Stil.

Auch abseits von Wolle hat Rotholz an der ein oder anderen Stellschraube gedreht. Mein geliebter Signature Hoodie ist jetzt auch in einem winterlichen Weiß erhältlich und die Cropped Beanies sind in poppigem Rot, Royalblau und Sonnenblumen-Gelb käuflich zu erwerben. Eine erneut – und ungelogen – rundum tolle Kollektion, die das aufstrebende Potsdamer Label aus dem Hut gezaubert hat.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Clara Nebeling

Sag es mit TOO COOL FOR CRUEL

Statement-Shirts sind das neue IT-Piece der open minded generation – und TOO COOL FOR CRUEL von Alexander Niederhofer und Justine Siegler liefert euch die Ausstattung dafür! Doch die beiden Gründer wollen dir nicht nur das nächste faire Kleidungsstück verkaufen, sondern liefern zu Themen, die ihnen wichtig sind und die es als Statement auf die Shirts und Hoodies geschafft haben, informative Hintergundinformationen. Kurz gesagt: Mit TOO COOL FOR CRUEL zeigt ihr klare Kante und seid gut informiert.


Justine Siegler und Alexander Niederhofer von TOO COOL FOR CRUEL

Die Themen Fair Fashion, Veganismus, Gleichberechtigung, weniger (Plastik)müll, Feminismus und Selbstliebe sind den beiden Gründern ausgesprochen wichtig. In der Premierenkollektion haben Alex und Justine die Statements

  • FUCK RACISM,
  • FAST FASHION KILLS,
  • FEMINIST,
  • PLANTBASED,
  • NO STRAW PLEASE,
  • SELFLOVER und natürlich TOO COOL FOR CRUEL

auf die fairen und veganen Shirts, Hoodies und Pullis gedruckt. In coolen Farben und aus 100% Biobaumwolle sind die Produkte im Online-Shop zu finden. Begleitend gibt es zu allen Statements und Themen die wichtigsten Fakten und Gründe, warum man sich dafür einsetzen soll.

PLANTBASED = Vegane Ernährung
Die Fleischindustrie stellt eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit dar. Sogar die Transportindustrie erzeugt weniger Treibhausgase. Unser Planet kann der unfassbaren Belastung einfach nicht mehr lange standhalten. Der Klimawandel ist real und die Massentierhaltung hat einen erheblichen Teil dazu beigetragen. Wie umweltschädlich Fleischkonsum wirklich ist, zeigt der Fakt, dass der CO2-Abdruck eines Veganers nur halb so groß ist, wie der eines Fleischessers. Es macht also nicht nur aus ethischen und gesundheitlichen Gründen Sinn, zumindest teilweise oder eben ganz auf Fleisch und Milchprodukte zu verzichten. Auch die Umwelt wird massiv entlastet werden, wenn erstmal mehr Menschen immer häufiger vegetarisch oder vegan essen. Deshalb sind wir uns sicher, dass eine vegane Ernährung die Lösung ist. Jeder kann etwas dazu beitragen, das Leid von Millionen Tieren und Menschen zu beenden. Selbstverständlich enthalten unsere Teile keinerlei tierische Produkte.

Auszug TOO COOL FOR CRUEL

Darüber hinaus ist den beiden Fair Fashion Aktivisten natürlich wichtig, dass ihre Produkte auch aus einer guten Produktion stammen:

  • Hochwertiger Siebdruck in der Slowakei unter fairen Arbeitsbedingungen
  • Plastikfreie Verpackung in der gesamten Kette
  • Nur 100% organic cotton
  • CO2-Neutraler Versand mit der österreichischen Post
  • Recyceltes Papier bei den Flyern

»Wir haben bewusst bei den Basisteilen nach der optimalen Qualität gesucht, damit alles langlebig ist. Wir haben bewusst überlegt, was wir selbst beim Kaufen gut und wichtig finden und das dann in unser Verkaufverhalten übersetzt«, so Alex in unserem Vorgespräch. Justine ergänzte, dass sie zum Beispiel kein Polyester-Etikett im Nacken der Produkte verwenden würden, sondern es einfach eingedruckt haben. Die beiden haben demnach versucht, bei wirklich jedem Detail ihres Labels Nachhaltigkeit groß zu schreiben – und es ist ihnen offensichtlich sehr gelungen!

Früher zudecken, jetzt anziehen: Boxershorts aus alter Bettwäsche! Interview mit Kira und Sophie von soki Kassel

Ab und an stoße ich beim Stöbern auf neue nachhaltige Modelabels, die tolle Ideen verwirklichen. So entdeckte ich vor kurzem das Label von Kira Kimm und Sophie Roscher. Die beiden machen mit soki Kassel aus alter Bettwäsche neue Boxershorts. Upcycling nennt sich das – und das geht sogar mit der eigenen „alten“ Lieblingsbettwäsche. Doch soki Kassel ist dann doch mehr als „nur“ ein DIY-Boxershorts-Label, wie ich im Interview mit Kira und Sophie erfahren durfte!


Wie kam es zur Gründung eures eigenen Labels?

Nach unserer Ausbildung haben wir uns verabredet, um mögliche Zukunftsvisionen zu besprechen. Vielleicht hatten wir ein Glas Wein zu viel, jedenfalls haben wir an dem Abend mutig unsere Selbstständigkeit geplant. Tatsächlich sind wir am Tag danach direkt zum Gewerbeamt und haben alles angemeldet. Zunächst haben wir in meinem alten Kinderzimmer unser Atelier eingerichtet. Wir wollten erstmal sehen, ob das, was wir vorhatten, in Kassel überhaupt ankommt. Nach gut 1,5 Jahren haben wir die Räumlichkeiten in der Friedrich-Ebert-Straße gemietet und unseren green concept store mit Werkstatt eröffnet.

Warum habt ihr euch ausgerechnet Bettwäsche als Material ausgesucht?

Im Handwerk verwendet man manchmal alte Stoffe (oder Nessel) um Schnittmuster zu testen. Uns war aufgefallen, dass aber gerade die alten Stoffe und Muster der Bettwäsche von der Omi einen besonderen Charm mit sich bringen. Altes wieder zu verwenden ist natürlich super für unsere Umwelt und hat somit perfekt in unser grünes Konzept gepasst.

Woher kommt die Bettwäsche?

Die Bettwäschen bekommen wir gespendet. Angefangen hat es mit unserem Familien und Bekanntenkreis und mitlerweile hat es sich über die Grenzen von Kassel hinaus rumgesprochen. Viele Leute freuen sich, dass wir aus den alten Schätzen noch etwas Neues zaubern und sie es nicht einfach wegschmeißen müssen.

Was tragt ihr in eurer Freizeit? Welche nachhaltigen Brands begeistern euch?

Wir sind natürlich gut mit VEJA Schuhen, Thougth Socken, Thokk Thokk Unterwäsche, Mud Jeans und Dedicated ausgestattet. Das sind alles Brands, die wir auch in unserem Store verkaufen. Genauso wie Fremdformat, Wild fawn, Dopper, Cupper Tee und Zuhause Naturkosmetik von Dr. Bronner’s, Hydrophil, Lamazuna und Ben&Anna etc. Wir testen gerne immer die Produkte erst für uns, damit wir sie auch mit einem guten Gefühl unseren Kunden anbieten können. Das macht natürlich großen Spaß. Wir sind auch weiter immer fleißig auf der Suche nach neuen fairen Brands für unseren Store.

Was ist für 2019 in Planung?

Zur Zeit sind wir dabei unseren Onlineshop zu erweitern. Wir möchten dort nicht nur unsere Boxershorts anbieten, sondern auch gerne die anderen Brands aus unserem Store in Kassel. Es ist seit langem ein Wunsch von uns, mit unseren Boxershorts aus Omis alter Bettwäsche auch in anderen Städten vertreten zu sein. Da werden wir in 2019 einen Schwerpunkt setzen. Desweitern arbeiten wir seit diesem Jahr mit einer kleinen Manufaktur in Portugal zusammen. Diese Verbindung möchten wir gerne beibehalten und auch noch ausbauen.

Wie seid ihr auf die kleine Manufaktur in Portugal gekommen?

Unsere Winterkollektionen hatten wir bis letztes Jahr noch selber genäht und das war zum Ende echt haarig. Zum Glück verkaufen wir in unserem Store ein kleines spanisches Label, über welches wir den Kontakt zu ihrer Produktionsstätte erhalten haben. Wir haben den schon 30 Jahre bestehenden Familienbetrieb in Frühjahr in Portugal besucht und waren überwältigt wie herzlich wir empfangen wurden. Wir können mit allerbestem Gewissen die Fertigung unserer WS 18 Kollektion in die Hände des ehrlichen Familienunternehmens geben.

Danke, Kira und Sophie, für das Interview!


Text/Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Lena Kuhaupt für soki Kassel

»Mode als Treiber zum positiven Wandel unserer Kultur« – Friederike von Wedel-Parlow über Cradle to Cradle und die Zukunft der Mode

Wie sieht das Material der Zukunft in der Modeindustrie aus? Immer häufiger fällt dabei das Schlagwort »Cradle to Cradle«, oder auch kurz C2C. Alles dreht sich dabei um die Kreislauffähigkeit des Materials, der vollständigen Abbaubarkeit aller Bestandteile. Klingt nicht gerade nach modern und stilvoll, oder? Doch weit gefehlt. Gemeinsam mit ihren Studentinnen und Studenten der AMD hat Prof. Friederike von Wedel-Parlow, Gründerin des Beneficial Design Institutes, den Cradle to Cradle Gedanken an zwei Produkten für Manufactum durchgespielt. Die Arbeit an der Damenweste und der Herrenjacke zeigt nicht nur auf, wie viel Detailarbeit in nachhaltige Mode fließt, sondern auch welche Zukunft unsere Mode haben kann. Über diese und weitere Themen habe ich mit Friederike gesprochen!


Manufactum hat in diesem Jahr seine erste Cradle-to-Cradle® Kollektion veröffentlicht. Wie kam es zu dieser Kooperation mit Manufactum?

Zusammen mit Christine Fehrenbach, damals Bereichsleiterin für Markenentwicklung bei Manufactum, haben wir dieses Projekt entwickelt. Wir wollten den hohen Qualitätsbegriff bei Manufactum weiterentwickeln und um Materialgesundheit und Kreislauffähigkeit erweitern. Um das zukunftsorientierte Thema in dem Unternehmen einzubringen und die Möglichkeiten hinsichtlich Produktentwicklung, Services und Kundenbindung etwas breiter zu untersuchen, haben wir ein Studienprojekt mit dem Masterstudiengang „Sustainability in Fashion“ aufgesetzt. Die vielfältigen, auf Active-Wear und ganzheitlichen Kreislaufstrategien für die Manufactumkunden ausgerichteten Ergebnisse wurden Im Museum Angewandte Kunst Frankfurt, im Manufactum-Warenhaus in Köln und bei internationalen Konferenzen gezeigt. Die Leiterin für kreativerer Einkauf, Angele Zettner, war schließlich so überzeugt von dem auf positiven Impact und Materialgesundheit ausgerichteten Cradle to Cradle-Konzept und der Arbeit der Studierenden, dass sie zwei Produkte ausgewählt hat für eine Umsetzung für Manufactum. Ein Jahr Entwicklungzeit später, sind diese beiden Produkte nun bei Manufactum erhältlich.

Was ist das Besondere an dieser Kollektion?

Das Besondere ist die Qualität, Innovation und Schönheit dieser Produkte. Sie sind für die Biosphäre gestaltet, für Gesundheit und Umwelt. Das bedeutet, dass sie entlang der Herstellung, der Nutzung und darüber hinaus positive Beiträge für alle im Prozess beteiligte und die Umwelt leisten. Mit einer hohen Arbeitssicherheit, sauberem Wasser aus der Produktion und dem Einsatz regenerativer Energie bei der Herstellung, der Abrieb beim Tragen oder Waschen ist kompatibel für die Umwelt, er stört die Artenvielfalt nicht, wie vergleichbare, konventionelle Polymere, die nicht abbaubar sind und zum vieldiskutierten Mikroplastikproblem werden.

Wo wurde die Kollektion produziert? 

Die Produkte wurden bei einem Konfektionär von Manufactum in Polen gefertigt. Der wurde dafür extra zertifiziert. Soziale Fairness und Wasser- und Energieeinsatz sind ganz wesentliche Bestandteile einer solchen Produktionsbezogenen Bewertung. Die Stoffe und textilen Zutaten kommen alle von Lauffenmühle aus Lauchringen am Rhein bei Basel, einer der treibenden Visionäre in der Textilindustrie für Cradle to Cradle Textilien und Zutaten. Dort ist über die Nachbargrenzen hinweg eine textile Zuliefererkette entstanden, die sich als Konsortium nach der umfassenden Qualität des Cradle to Cradle Konzepts ausgerichtet haben. Die Karabinerhaken und D-Ringe bei der Frauenweste und Knöpfe der Herrenweste wurden extra neu gesourct, bewertet und optimiert und in die Zertifizierung miteinbezogen.

Welche Herausforderungen musstest Du gemeinsam mit den Studentinnen und Studenten meistern?

Die größte Herausforderung für die Studierenden war, alle drei Aufgabenfelder zu bewältigen und jeweils eine Antwort, die alle drei miteinander zu einer schlüssigen Lösung führt, zu finden: Manfactum und seine Kunden verstehen, das weite Feld von Sportswear beleuchten und einen eigenen Standpunkt dazu finden und als umfassendste Aufgabe: Beneficial Design und Kreislauffähigkeit und damit das ganze System Mode von Herstellung, Vertrieb, Nutzung und Wiederverwendung zu durchdringen. Mich haben die Studierenden echt erstaunt, dass sie das in einem Semester fertiggebracht haben. Kurz vor der letzten Präsentation sah es noch nicht danach aus. Dann sollten sie sich gemeinsam eine Ausstellungskonzeption überlegen. Die Projekte mit Abstand zu betrachten und in Hinblick auf Empfänger-Verständlichkeit hat nochmal einen solchen Schub gegeben, dass sie in der Abschlusspräsentation das Team von Manufactum so überzeugen konnten, dass sie als nächsten Schritt die Produkte und das Cradle to Cradle Konzept wirklich in ihre Geschäfte holen wollten.

Was bedeutet eigentlich »Cradle to Cradle«?

Beim Designkonzept »Cradle to Cradle« (C2C) steht der Kreislaufgedanke im Vordergrund – »von der Wiege zur Wiege« sollen die Produkte geführt werden, Abfall dadurch obsolet gemacht werden. Die Produkte bewertet das Cradle to Cradle Products Innovation Institute nach fünf Katego- rien: Materialgesundheit und -wiederverwendung, erneuer- bare Energien, soziale Fairness und Wasser-»Stewardship«. Damit gelten »Cradle to Cradle«-Produkte als besonders umweltsicher, gesundheitlich unbedenklich und kreislauf- fähig. Es gibt fünf Zertifizierungsstufen, von Basic über Bronze, Silber und Gold bis zu Platin. Ab Gold ist es wirklich anspruchsvoll.

Aus »Einfach anziehend« von Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn

Die Damenweste und die Herrenjacke sind im Online-Shop von Manufactum zu kaufen. Beim ersten Blick stockte mir kurz der Atem: je 398,00 EUR ist ein mehr als gehobener Preis. Kannst du uns einen Einblick geben, wie sich dieser Preis zusammensetzt? 

Hast Du Dir die normalen Preise bei Manufactum angeschaut? Die Produkte liegen ganz gut in dem Rahmen für hochwertige, liebevoll gestaltete Produkte – und ja, sie sind sicherlich nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich. Das ist vor allem eine Frage relativ kleiner Stückzahlen. Und wir sind im Bekleidungsbereich noch im absoluten Pionierfeld mit Cradle to Cradle. Hinter jedem einzelnen Detail steht eine akribische Mühe, allein die Knöpfe zu sourcen und über die ganze Zuliefererkette zu untersuchen und zu zertifizieren, war ein Riesenaufwand. Es sind dann extraangefertigte Hirschhornknöpfe geworden, da Hirsche ihre Geweihe abschlagen und das Horn also ohne Massentierhaltung oder Lebendbeschnitt als das tierwohl-freundlichste Material ausgewählt wurde.

Bei Cradle to Cradle werden 100% der Inhaltsstoffe bewertet und so optimiert, dass nur noch solche im Produkt und im Produktionsprozess verwendet werden, die bekannt und positiv für die Gesundheit und Umwelt sind. Die meisten Nachhaltigkeitskonzepte dagegen schließen lediglich schädliche Chemikalien aus, dabei weiß man dann aber noch immer nicht, was anstatt dessen drin ist. Eine Positivdefinition macht möglich, dass wir über die gesamten Inhaltsstoffe und deren Zulieferketten bis zum Rohstoff, zum molekularen Level kennen. Durchgehende Transparenz. Dass ist ein Aufwand der sich eben auch im Preis niederschlägt, solange wir uns noch in der Nische damit bewegen und wie hier in relativ kleinen Stückzahlen. Sobald das die neue Norm wird, werden die Preise sogar günstiger werden, nicht nur weil die externalisierten Kosten sich in diesem Konzept stark reduzieren, sondern auch wegen der viel günstigerer Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement und Digitalisierungsfähigkeit für die Wiederverwertung der Produkte und Fasern.

In meinen Recherchen über und der Auseinandersetzung mit neuen, nachhaltig agierenden Mode-Marken stoße ich sehr selten auf Cradle-to-Cradle®-Produkte. Was macht es so schwer, Cradle-to-Cradle® in die eigene Produktion zu implementieren?

Mittlerweile ziehen eine ganze Menge Firmen nach: C&A, G-Star, Wolford, Stella McCartney, sie alle bringen gerade solche Produkte auf den Markt, und da ist noch einiges im Kommen. Aber ja, es ist eine Herausforderung. Schummeln geht nicht. Hundertprozentige Transparenz ist einfach aufwendig. Um die Cradle to Cradle Gerbung aus Olivenleder umzusetzen, hat es fast zwanzig Jahre gebraucht. Jetzt sind langsam so viele Bausteine da, dass die Umsetzung einfacher wird und damit auch richtig Bewegung in das Feld kommt

Im Interview mit Cherie Birkner hast Du gesagt, in der Mode müsse es darum gehen, etwas „zu designen, das wirklich Fundament hat anstatt nur darauf zu achten, was sich gut verkauft.“ Welche Marken haben das aus Deiner Sicht bereits geschafft?

Da gibt es einige, Manufactum ist natürlich ein Beispiel. Das umfassende Innovationsverständnis bei Fillipa K finde ich auch sehr überzeugend. Die Ästhetik bleibt immer ganz oben, ob es um kreislauffähige Produkte, kurz- und langlebige, geht oder um Services, die solche Modelle unterstützen: Leasing, Secondhandverkauf, Rücknahme der Produkte und Reparatur oder um Beratung hinsichtlich Pflege der Produkte und zum kuratierten (reduzierten) Kleiderschrank der Zukunft. Armedangels haben auch eine tolle Entwicklung gemacht und haben eine beeindruckende Unternehmenskultur, die Wachstum möglich macht, um möglichst viele Menschen zu fördern und nicht auf deren Schultern. Es gibt ganz Viele, die mit einer wirklichen Mission unterwegs sind. Man ist zum Teil ganz überrascht aus welchen Bereichen heute Innovationen angeschoben werden. Ich verstehe Mode heute auch vielmehr als Transmitter einer Message, als Treiber zum positiven Wandel unserer Kultur.

Spulen wir zwei Jahre nach vorne: Wie entwickelt sich die nachhaltige Mode bis 2020?

Es wird zunehmend normal und selbstverständlich, dass Mode fair und gesund hergestellt ist. Die Großen haben aus ihren Pilotprojekten und ersten Ansätzen gelernt und sind nun in der Lage, das auch in Large-Scale anzubieten. Aus Konsumenten sind Nutzer und Wertschätzer geworden. Ihr Kleiderschrank ist klein mit lauter ausgewählten Stücken, Vielfalt entsteht durch Qualität für definierte Nutzungszeiten, gemeinschaftliche Lösungen und Kreativität. Okay, das wird eher noch länger brauchen. Ziemlich sicher bin ich mir jedoch, dass diese Anfangsschritte Richtung wirklicher Qualität und Innovation, Richtung Kreislauffähigkeit, sich viel schneller durchsetzen wird, als wir es uns heute vorstellen können. 2025 wird das im Massenmarkt ankommen.

Du lebst und arbeitest seit Jahren in Berlin. An welchem Lieblingsort verbringst du einen freien Tag?

Als echte Berlinerin liebe ich die Stadt und habe viele Lieblingsorte. Favorit ist Valentinswerder, da haben wir einen kleinen Garten direkt am See.

Danke, liebe Friederike, für das Interview!

 


Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Beneficial Design Institute (Portrait von Friederike von Wedel-Parlow) sowie Manufactum (Kollektion)

 

MOEON ist mehr

Als Fair Fashion Blogger habe ich ab und an auch richtig Glück: Eine der schönsten Fair Fashion Stores in Deutschland – MOEON – ist Luftlinie nur einige hundert Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt. So konnte ich die Entwicklung des Stores von Sonja Lotz und Caecilia Pohl schon seit langem aus der Nähe verfolgen. Wobei das bei MOEON zu kurz greift, denn: MOEON ist mehr als nur ein Fair Fashion Store.

MOEON versteht sich als Plattform für trendbewusste Mode und Klassiker, die fair und ökologisch verantwortungsvoll produziert sind. Die persönlich zusammengestellte Auswahl an Fair Fashion zeigt, dass nachhaltige Mode auch ästhetisch und stylisch sein kann. Jedes Kleidungsstück hat seine eigene Geschichte und ist durch viele Hände gewandert, bevor es schließlich bei MOEON im Laden landet. Darunter ist auch eine eigene Kollektion von MOEON zu finden! Mit Sonja und Caecilia habe ich genau darüber gesprochen!


Welche Grundgedanken gab es zur aktuellen MOEON Studio WS 2018/2019 Kollektion?

Unsere Kollektionen orientieren sich immer an einem Grundgedanken: Es geht um die Frauen, die diese tragen sollen. Durch den Laden sind wir sehr nah an unseren Kundinnen dran und kennen ihre Bedürfnisse und auch Probleme. Wir sprechen viel darüber, was es heutzutage bedeutet, Frau zu sein und wie wir durch unsere Mode andere Frauen bestärken können, ihnen ein gutes Gefühl geben zu können – in ihrem Körper und dann eben auch darüber hinaus. Für uns ist der Kampf um Gleichberechtigung noch lange nicht vorbei und wir wollen mit unserer Mode einen Beitrag dazu leisten.

Uns besuchen Frauen aus allen Altersklassen und Lebenslagen, mit unterschiedlichen ethnischen Herkünften und Bedürfnissen und trotzdem sehen wir einen roten Faden, den wir mit unseren Kollektionen aufnehmen möchten. Als Modelle wählen wir immer Frauen die uns begeistern und inspirieren, keine professionellen Models. Deswegen stellen wir ihre Geschichten auch auf unserem Blog vor, ebenso wie andere Herzensangelegenheiten.

Lesetipp: „Glück bedeutet für mich, sich mit der Erde verbunden zu fühlen und diese wertzuschätzen.“ Die MOEON Story über Zenib, die die aktuelle Kollektion zeigt.

Worauf achtet ihr in der Produktion der Kollektion?

Die Kollektionen werden in der EU produziert und sind ausschließlich aus hochwertigen, nachhaltigen Materialien.

Warum ist es euch wichtig, nicht nur einen tollen lokalen Store mit Fair Fashion zu haben, sondern auch eigene Mode zu machen?

Ganz einfach: es gibt noch kein Label, das unseren Stil 100% trifft. Außerdem haben wir beide Mode studiert und Lust der noch nicht saturierten nachhaltigen Modebranche etwas hinzuzufügen.

An wem orientiert ihr euch stilistisch für die Kollektionen orientiert?

Wir finden es immer schwierig Vorbilder zu nennen. Natürlich schaut man, was die Anderen machen, schon einfach dadurch, dass wir ja auch für den Laden einkaufen, aber die Inspiration ist eher ein vorherrschender Zeitgeist als ein einzelnes Label.

Was ist für dich das Must-have AW18/19?

Ein Must Have ist natürlich ein Teil aus unserer Kollektion :)

Danke an Sonja und Caecilia für das Interview.


Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: MOEON (Kollektion), Magdalena Vidovic (Sonja Lotz) & Louisa Stickelbruck (Caecilia Pohl)

Sei laut – die Zeit ist reif! #bloggergegenrechts

Fast jeden Tag lesen, hören oder sehen wir ihn: Den schleichenden Tabubruch in unserer medialen Auseinandersetzung. In den einschlägigen Kommentarspalten, den Threads bei Twitter, unter Postings bei Facebook mit dem Hashtag #refugeeswelcome. Der Hass macht sich dort breit. Der Hass einer Minderheit, aber einer sehr lauten Minderheit. Dieser Hass, den wir online in den letzten Jahren immer häufiger lesen können, bahnt sich längst seinen Weg in die Offline-Welt, in unseren Alltag. Chemnitz, Köthen und Dortmund sind dabei nur drei Beispiele aus diesem Jahr, die aufzeigen, dass sich eine rechtsnationale bis rechtsextreme Minderheit ihren Platz in der Öffentlichkeit erkämpft, besetzt und Medien wie Politik vor eine neue Herausforderung stellen: Wie gehen wir mit so genannten Wutbürgern um, die eigentlich Rechtsextreme und Nazis sind? Wie gehen wir mit denen um, die berechtigte Sorgen um sich und Deutschland haben, und einfachen Erklärungen auf den Leim gehen? Wie gehen wir selbst mit all dem Hass um, den wir uns für uns und unsere Kinder nicht wünschen? Aus meiner Sicht kann es nur einen Schluss geben: Selbst laut sein und sich klar positionieren!

Wir sollten alle aktiv dafür einstehen, weiter in einer offenen Gesellschaft leben zu können. Foto: Chris Slupski für Unsplash

„Das wird man doch wohl mal sagen dürfen“ dürfen wir nicht akzeptieren

Bei dieser Positionierung geht es mir persönlich gar nicht darum, immer gegen etwas zu sein. Ich möchte mich da dem politischen Kontrahenten nicht anschließen, der „gegen Ausländer“, „gegen den Islam“ und gegen vieles mehr noch ist. Doch, in einer Sache bin doch gegen Etwas bzw. Jemanden: Ich bin gegen Nazis und deren Gedankengut. Punkt. Doch vor allem bin ich für eine gesellschaftliche Vielfalt in Deutschland. Ich bin für Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Meinungen. Ich bin für eine „lebendige Demokratie“, in der man Widerspruch aushalten und diskutieren muss. Ich bin für das Benennen von Schwierigkeiten und dem gemeinsamen Ringen um Lösungen. Ich bin für gewaltfreie Demonstrationen.

Dies alles zu wollen reicht aber nicht mehr. Clicktivism hilft uns hier nicht mehr weiter – die x-te unterschriebene Petition ist zwar ein netter Versuch, hält aber niemanden davon ab, der AfD auf den Leim zu gehen oder sich rechtsextremen Meinungen anzuschließen. Hier hilft nur das persönliche Einbringen in Diskussionen im Freundes- und Bekanntenkreis, das Mitgestalten von Demonstrationen und der Unterstützung von NGOs, die sich für die Werte einsetzen, die uns am Herz liegen sollten. Und wir sollten mit diesem Engagement nicht mehr allzu lange warten.

Auch im Kleinen können wir gegen Nazis und rechtsextremes Gedankengut etwas unternehmen. Wir müssen es nur tun! Foto: René Zieger

Wehret den Anfängen – wir sind doch bereits mittendrin

Die sehr sehenswerte Dokumentation „Die Rechte Wende“ zeigt noch einmal sehr anschaulich, dass wir hier nicht vor einem Anfang stehen. Wir sind bereits mittendrin in einer Entwicklung, die wir uns nicht mehr länger bieten lassen dürfen.

DIE RECHTE WENDE
Beobachtungen jenseits der Mitte.: Sie sind Autoren, Verlagsbesitzer, Philosophen, Künstler, Studenten, Kirchenmänner und Politiker. Gebildet, wortgewandt, und gleichzeitig radikal – Knotenpunkte im neurechten Netzwerk zwischen AfD und Identitärer Bewegung.

Wir müssen aktiv werden für das, was wir bewahren wollen – eigentlich ähnlich derjenigen, die das, was wir bewahren wollen, allerdings abschaffen, entsorgen, vernichten wollen. Wir dürfen im Alltag nicht wegsehen, wenn unsere Mitmenschen diskriminiert und rassistisch beleidigt werden. Wir müssen Haltung zeigen, Position beziehen, uns in den Diskurs und die verbale Auseinandersetzung begeben. Warum? Darum:

Seelenfänger schleichen um den Block und
machen Geschäft mit der Hoffnung
Fast hinter jeder Tür lauert ’n Abgrund
nur damit du weißt, wo ich herkomm‘
Seelenfänger schleichen um den Block und
machen Geschäft mit der Hoffnung
Fast hinter jeder Tür lauert ’n Abgrund
Nur damit du weißt, wo ich herkomm‘

aus „Grauer Beton“ von Trettmann, KitschKrieg, Joey Bargeld

Es geht um nicht weniger als das Einstehen für eine weltoffene Gesellschaft, in der unsere Kinder aufwachsen sollen. Lasst uns damit anfangen – JETZT!

Auch in diesem Jahr wichtiger denn je: Für Toleranz und Mitmenschlichkeit einstehen! Foto: René Zieger


Diese Blogger*innen sind Teil von #bloggergegenrechts:

Bisher haben folgende Blogger gegen Rechts einen Beitrag veröffentlicht:

24.09. | Jana Braumüller von Not Another Women Mag
25.09. | Vreni Jäckle von Jäckle & Hösle
26.09. | Nina Lorenzen von Pink&Green
27.09. | Johanna Misfeldt von Mintundmeer
28.09. | Bente Singelmann von Peppermynta

In unserer Reihe veröffentlichen noch:

30.09. | Phoebe Nicette von Phoenomenal
01.10. | Justine Siegler von Justine Kept Calm And Went Vegan
02.10. | Franziska Schmid von Veggie Love
03.10. | Ester Rühe und Anna Kessel von Die Konsumentin
04.10. | Sophia Hoffmann, vegane Köchin und Bloggerin
05.10. | Laura Mitulla von The Ognc
06.10. | Jenni Hauwehde von Mehr Als Grünzeug
07.10. | Maren Teichert von Minza Will Sommer
08.10. | Bina Nöhr von Stryletz
09.10. | Ann Cathrin Schönrock von Fashion Fika
und viele mehr …

Wie ihr Blogger gegen Rechts unterstützen könnt

Verbreitet die Blogsposts, Artikel usw. in den sozialen Medien. Zeigt euren Freund*innen, dass wir wieder politischer werden müssen. Erhebt eure Stimme nicht nur online, sondern vor allem auch in der realen Welt da draußen. Kommentiert, liket und teilt, was das Zeug hält.

Fotocredits:
Alf-Tobias Zahn, fotografiert von © René Zieger
Phoebe Nicette, fotografiert von © Lydia Hersberger
Vreni Jäckle, fotografiert von © Anna Steinert
Franziska Schmid, fotografiert von © Grit Siwonia
Peppermynta, fotografiert von © Katharina Oppertshäuser

The WAYKS ONE – oder: einen modulareren Rucksack gibt es kaum

Zugegeben, die Headline ist schon relativ lang. Aber in weniger Worten kann ich kaum beschreiben, was The WAYKS ONE alles im Stande ist zu leisten. Klingt umständlich, ist aber so: Dieser Rucksack ist der Inbegriff von Modularität und hat dabei auch noch einen sehr fairen und sehr nachhaltigen Kern. Das zumindest meinen Leonie und Fabian Stein, ihres Zeichens Geschwister und Gründer von WAYKS!

Was kann der WAYKS ONE eigentlich?

Ich wurde vor allem neugierig, da Christina von LOVECO voll des Lobes für den WAYKS ONE war und ein Exemplar bei sich im neuen Store in Schöneberg hat. Also, nichts wie hin, um mich persönlich davon zu überzeugen, wie gut der modulare Rucksack ist.

Der WAYKS ONE Travel Backpack besteht aus zwei Teilen: dem Day Pack und dem Cube, einem abnehmbaren Unterteil. Ein robuster Reißverschluss verläuft entlang der Unterseite des Day Packs, um den Cube zu fixieren. So lässt sich der Day Pack sehr leicht und schnell in einen größeren Reiserucksack verwandeln.

Durch komplett abnehmbare Rücken- und Schulterpolster kann der Day Pack in eine
noch schlankere, leichtere Variante verwandelt werden, die zu jedem Outfit kombinierbar ist. Der Cube, sowohl Kamera- als auch Kühl- oder Kosmetiktasche durch verschiedene Inlays, kann mit einem Schulter- oder Hüftgurt oder am Handgriff getragen werden.

Kurz gesagt: Der WAYKS ONE ist nicht nur ein Rucksack, er ist eher viele Taschen- / Backpack-Varianten auf einmal.

Wer steckt hinter WAYKS?

Leonie und Fabian sind urbane Entdeckerin und Outdoor-Minimalist. Die Idee zu WAYKS entstand durch ihre vielseitigen und unterschiedlichen Lebens- und Reisebedürfnisse, für die sie eben nicht mehrere Taschen wollten, sondern die eine. Und die gab es eben einfach noch nicht. Diese eigenen Bedürfnisse paaren die beiden mit Expertise: Leonie arbeitete schon vorher in der Modebranche, Fabian hat Startup-Know-how. Daraus entstand mit dem WAYKS ONE eine nachhaltig gefertigten, hochfunktionellen und makellos gearbeiteten Tasche in einem urbanen Design, das mit wechselnden Outfits kombinierbar ist.

„Auf unseren Reisen wurde uns das Ausmaß der Plastikvermüllung unseres Planeten oft vor Augen geführt. Eines der einprägsamsten Ereignisse waren die Müllberge am Strand von Canggu, Bali. Wir sind deshalb froh unsere Rucksäcke aus recycelten PET-Kunststoffflaschen
herstellen zu können. Es ist schon erstaunlich, dass eine alte Cola Flasche zu Garn gesponnen und zu Stoff verwoben werden kann“, so Leonie und Fabian.

Aus was besteht der WAYKS ONE?

Der Außen- und Futterstoff ist hergestellt aus recycelten PET-Plastikflaschen (Hauptstoff: 91%, Futterstoff: 100%). Die Reißverschlüsse sind aus zum Teil recyceltem PET, alten Fasern und anderen Polyesterresten hergestellt. Natürlich gibt es eine PFC-freie, wasserabweisende Beschichtung der Stoffaußenseite, wetterfeste Reißverschlüsse und eine wasserdichte Stoffinnenseite durch zweifache, wasserbasierte PU-Beschichtung. Der WAYKS ONE wird von einem von bluesign® und der Fair Wear Foundation zertifizierten Hersteller in Vietnam produziert. Der Großteil der Materialien stammt ebenfalls von bluesign® Partnern.

Wo bekomme ich das Backpack?

Noch für wenige Tage habt ihr die Gelegenheit, den WAYKS ONE vorzubestellen. Dafür haben Leonie und Fabian ein bereits jetzt sehr erfolgreiches Crowdfunding auf Kickstarter aufgesetzt. Der Vorteil zu diesem Zeitpunkt: der WAYKS ONE wird definitiv in zwei Farben produziert. Ein toller Erfolg, schon jetzt!

Text: Alf-Tobias Zahn mit Material von WAYKS
Fotos: WAYKS

New/Recycled Sneaker von New Movements

Der Sneakermarkt wächst – auch in der Grünen Modeszene. Neben meinen persönlichen Evergreens wie VEJA, ethletic und ekn Footwear habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal einen Sneaker via Crowdfunding gekauft. WADO hat mich damals sowohl vom nachhaltigen Ansatz als auch dem Style sehr angesprochen. Aktuell gibt es erneut ein Crowdfunding, diesmal bei Kickstarter, das für Furore sorgt: Vorhang auf für New Movements.

Die Norweger aus Oslo meinen es ernst mit einer Fair Fashion Alternative zu den großen Sneakerbrands. In ihrem bereits jetzt erfolgreichen Kickstarter-Crowdfunding bieten sie handgemachte Sneaker an, die in Portugal hergestellt werden. In insgesamt 6 Farben wird es den Sneaker von New Movements geben. Gleichzeitig hat sich das Unternehmen dazu verpflichtet, selbst aktiv zu werden. In Kooperation mit Empower reinigen sie für jeden Verkauften Sneaker die Ozeane vom überbordenden Plastikmüll, der in großen Teppichen durch unsere Weltmeere dümpelt. Hier will Gründer Martin Evensen mit seiner in diesem Jahr gegründeten Brand ansetzen.

Und aus was besteht der Sneaker nun? Und was ist daran recycelt und nachhaltig?

Die Sneaker bestehen aus neuen Materialien sowie aus Materialien, die wiederverwertet werden. Die Sohle zum Beispiel besteht aus 70 Prozent recyceltem Gummi, der eigentliche Sneaker Body aus italienischem Leder. Die Innensohle besteht aus Wolle, Holz und natürlichem Latex; die Schnürsenkel bestehen aus recaycelten Plastikflaschen. Der Karton, in dem der neue Sneaker geliefert wird, besteht aus recycelter Pappe.

Die Herstellung in Portugal sagt auf den ersten Blick nicht, ob dort zu sozial verträglichen Bedingungen gearbeitet wird und die Menschen vor Ort auch einen fairen Lohn erhalten. Der zweite Blick lohnt sich immer, so auch bei New Movements. Der Dienstleister, den Martin Evensen nach mehreren Reisen zu verschiedenen Produktionsstätten ausgewählt hat, arbeitet mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen, hat feste Arbeits- und Pausenzeiten und bezahlt den erfahrerenen Angestellten einen marktgerechten Lohn. Von Ausbeutung ist an dieser Stelle glücklicherweise keine Spur.

Für wen ist der New Movements Sneaker etwas?

Wäre ich gerade auf der Suche nach einem minimalistischen Sneaker, der die Skateboard-Ära zitiert und sich an großen Vorbildern wie VANS orientiert, dann wäre New Movements für mich eine echte Alternative. Persönlich würde ich mich noch mehr freuen, wenn der Sneaker ohne Leder auskommen und demnach vegan wäre. Wer damit kein Problem hat und die Haptik von Leder bei Sneakern mag, hat noch bis zum 22. September Zeit, bei Kickstarter den Sneaker zu kaufen und damit Martin und sein nachhaltiges Unternehmen zu unterstützen.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Martin Evensen / New Movements