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„Ich will mit NVR RST eine kleine Revolution in der industriellen Produktion lostreten“ – Kerstin von Diemar von NVR RST im Interview

Vor einigen Wochen bekam ich digitale Post aus München – und als passionierter Läufer interessierte mich die angekündigte Produktinnovation sehr. Denn das Unternehmen Never Rest Sportswear (kurz: NVR RST) bietet atmungsaktive Funktionsbekleidung an, die zu 100 Prozent aus recycelten Plastikflaschen hergestellt wird. Soweit, so gut. Recycling aus Plastikflaschen ist gerade schwer in Mode, bei kleinen Slow Fashion Brands, aber auch bei großen Sportartikelherstellern wie Adidas. Die Frage, die ich mir dabei immer stelle, ist: Ist die Wiederverwendung von Plastik wirklich eine nachhaltige Alternative? Und wenn wir über Innovation sprechen: Was macht Never Rest anders als die anderen?

Auf Basis der Presseunterlagen habe ich erfahren, dass Never Rest-Textilien im Vergleich zu bisheriger nachhaltiger Laufbekleidung auch bei schweißtreibendem Training höchsten Tragekomfort garantieren. Die Gründerin von Never Rest, Kerstin von Diemar, ist selbst leidenschaftliche Läuferin und will einen Unterschied ausmachen: „Über 60 Prozent der gesamten Textilproduktion besteht heutzutage aus Funktionsmaterialien, die aufwendig immer wieder neu entstehen. Was eigentlich total überflüssig ist, denn durch konsequente Wiederverwendung bereits vorhandenen Plastiks können wir genau so schöne und funktionale Kleidung herstellen, nur eben mit deutlich weniger Energieaufwand, CO2-Emission und Wasserverbrauch. Zusammen mit unabhängigen Partnern achten wir darauf, dass alle Produktionsschnitte nachhaltig und fair sind. Das betrifft die Arbeitsbedingungen der Menschen in den Produktionsbetrieben, die Reduzierung von CO2 Ausstoß und die Einsparung von Wasser, aber auch die Schadstofffreiheit der Textilien, die für uns von OEKO-TEX zertifiziert wurden. Ich hoffe, dass wir mit Never Rest eine kleine Revolution in der industriellen Produktion lostreten können.“

Im Interview mit Kerstin sind wir bei dem ein oder anderen Punkt zu NVR RST noch ins Detail gegangen.

Alf: Wo lasst ihr die Shirts produzieren? 

Kerstin: In der Türkei. Hier ist uns der Impact wichtig: Wenn wir dafür sorgen können, dass in Ländern wie der Türkei Anti-Diskriminierungsmaßnahmen eingehalten werden müssen und „ordentliche“ Jobs im Textilsektor geschaffen werden, dann finde ich das richtig und wichtig.

Alf: Wie macht ihr das konkret?

Kerstin: Ganz konkret: Wir haben konsequent alle Produzenten ausgeschlossen, die nicht nach GRS zertifiziert waren bzw. nicht dazu bereit waren. Die Einhaltung der GRS-Standards wird durch eine unabhängige Kontroll-Instanz regelmäßig überprüft. Im Fall unserer Näherei war das die Control Union, die auch die Einhaltung anderer etablierter Standards wie z.B. des Bio-Siegels und von GOTS überprüft.

„Wir haben durch eine Zertifizierung sichergestellt, dass die sozialen Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben fair und gut geregelt sind.

Alf: Welche Position vertretet ihr gegenüber Fairtrade und sozialen Arbeitsbedingungen? Sind eure Dienstleister diesbezüglich zertifiziert? 

Kerstin: Leider ist es im Moment noch nicht möglich, Recycled-Polyester-Kleidung mit dem Fairtrade-Siegel zertifizieren zu lassen – egal bei welchem Hersteller. Das liegt daran, dass Fairtrade recyceltes Polyester noch nicht als „nachhaltiges Material“ in deren Sinn anerkannt hat. Ich hatte einige Gespräche mit Verantwortlichen, die mir sagten, dass es angestrebt sei, recyceltes Polyester aufzunehmen, so dass dann die Zertifizierung für uns möglich wäre. Wenn es soweit ist, werden wir eine Fairtrade-Zertifizierung natürlich definitiv anstreben.

Zudem haben wir durch eine vergleichbare Zertifizierung (nämlich GRS) sichergestellt, dass die sozialen Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben fair und gut geregelt sind. Die Einhaltung dieser Kriterien wird regelmäßig unabhängig geprüft. 

Unser Hersteller ist nach dem GRS Standard zertifiziert (Certificate No: CU1005719GRS-2019-00003662). Dieser Global Recycled Standard prüft drei Dimensionen: 

  1. das Material – vor allem wird darauf Wert gelegt, dass es sich tatsächlich um „Post-Consumer PET“ handelt – also PET Flaschen nach der Benutzung durch Verbraucherinnen und Verbraucher 
  2. die Umwelteigenschaften der Verarbeitung: wird wassersparend und CO2-sparend produziert? Wie geht der Hersteller mit Schadstoffen und Abwasser um? 
  3. die sozialen Arbeitsbedingungen: Dies war uns extrem wichtig! Die Kriterien sind ähnlich dem GOTS-Standard und werden von unabhängigen Dritten regelmäßig geprüft. Diese Kriterien sind unter anderem Ausschluss von Kinder- und Zwangsarbeit, Versammlungsfreiheit und Freiheit, Gewerkschaften zu bilden, Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz (mehr dazu auf der Website von Textile Exchange

Alf: Ihr bezieht das Plastik aus Indien. Wieso habt ihr euch für diesen Standort entschieden? Mit wem arbeitet ihr dort zusammen? 

Kerstin: Wir arbeiten mit Polygenta zusammen, einem der Marktführer für das Recycling von PET. Die Bedingungen und Technologie haben uns überzeugt. Außerdem glauben wir, dass es wichtig ist, gerade in Ländern ohne Pfandsystem einen Ressourcenkreislauf herzustellen. Dies bedeutet: die Flaschensammler erhalten einen Beitrag zum Lebensunterhalt und es wird ein Anreiz geschaffen, den „Müll“ zum „Wertstoff“ umzudefinieren.

„Obwohl das recycelte Polyester viele ökologische Vorteile gegenüber anderen Stoffen hat, ist Mikroplastik definitiv eine Herausforderung.“

Alf: Wie geht ihr bei NVR RST mit der Problematik des Mikroplastiks um, dass bei jedem Waschgang auch eurer Funktionskleidung in den Wasserkreislauf gelangt? 

Kerstin: Obwohl das recycelte Polyester viele ökologische Vorteile gegenüber anderen Stoffen hat – und gegenüber herkömmlichem Polyester sowieso –, ist das definitiv eine Herausforderung. Es gibt einige Ansätze, um das Auswaschen zu reduzieren. Auf drei Maßnahmen weisen wir bei jedem Shirt hin:

  • auf geringer Temperatur waschen – „30 Grad“ laut unserer Angabe: je höher die Temperatur, umso größer das Risiko
  • Verzicht auf Weichspüler – mehr Weichspüler führt zu höherer Mikropartikel-Ausspülung
  • Lufttrocknen – die Nutzung eines Wäschetrockners führt zu höherer Mikropartikel-Ausspülung

Außerdem muss das Shirt nicht nach jedem Tragen gewaschen werden, da unsere Shirts eine oeko-tex zertifizierte Beschichtung gegen Geruchsbildung beinhalten. Sie können also mehrfach getragen werden. Darüber hinaus streben wir die Kooperation mit einem Hersteller spezieller Wäschebeuteln an, die das Ausspülen von Mikroplastik verhindern. 

Alf: Mit wem arbeitet ihr bzgl. der Waschbeutel zusammen? Hintergrund meiner Frage ist folgendes Untersuchungsergebnis von Greenpeace aus dem Juli 2017: Feinmaschige Wäschesäcke, die ein kleines Unternehmen auf den Markt gebracht hat, sind ebenfalls kein Ausweg: Ihre Wirksamkeit ist bislang nicht bewiesen, der Einsatz verlangt dem Verbraucher zusätzliche Arbeit ab, und selbst ihre Erfinder räumen ein, dass die „Guppyfriend„-Beutel nur eine Zwischenlösung sein können.

Kerstin: Detailliertere Auskünfte zu Kooperationen können wir im Moment noch nicht geben. Guppyfriend ist ein extrem spannendes Produkt. Er wird auch konstant weiterentwickelt – genau wie die Filtertechnologien in Kläranlagen und Waschmaschinen. Im Moment können wir die Mikroplastik-Auswaschungen durch unser Verhalten reduzieren, aber (noch) nicht komplett lösen. In dem Greenpeace Artikel, den Du zitierst, werden ja viele verschiedene Produktionsmaterialien von Textilien kritisch analysiert. PET-Recycling schneidet dabei gar nicht so schlecht ab. Unser PET stammt aus Indien und wird dort „post-consumer“ gesammelt. Unser Ziel ist es, dass so wenig „herkömmliches“ Plastik wie möglich produziert wird; und insbesondere da, wo Recycling möglich wäre, auf bereits vorhandene Ressourcen zurückgegriffen wird. Mit der Absicht, dass konventionelles Polyester in der Textilindustrie baldmöglichst komplett obsolet wird.

Danke, Kerstin, für das Interview.

Nach unserem Mail-Wechsel habe ich mich dazu entschieden, NVR RST zu testen und habe vom Unternehmen ein Shirt zur Verfügung gestellt bekommen. Mein Testurteil folgt in wenigen Wochen, wenn ich die ersten Runden gedreht habe.

Let’s talk about sneakers! An Eco Fashion Interview with Damian Augustyniak from We are Wado

Last year, I bought a new pair of eco sneakers and was part of the backers for WADO. I was satisfied with the information they gave me on Kickstarter, and I received my pair of sneakers not long after the end of the crowdfunding. I liked the sneaker from day one and had no issues with them – I am still wearing them. So, I got a bit confused reading several negative comments on Social Media about delivery problems and faulty products and even parts of my Green Blogger Community were skeptical. A slight smell of greenwashing was in the room talking about WADO. This in mind, I wanted to talk with WADO. So, I wrote an email to Marta Llaquet Pujol from the company. She oversees press related topics. Soon, I had the chance to ask all my questions to Damian Augustyniak, Co-Founder and COO at We Are Wado.

Alf: Who is designing the WADO sneakers in Barcelona? 

Damian: We designed the first Modelo ’89 in house. I took the lead along with my both partners. Now we are developing a new model whit the help of our new team member Javi, who oversees the product design process.

Alf: Where are your „European Ethical Factories“ you mentioned on the website? How have you found them? What is „ethical“ about them?

Damian: I leave you a link where the whole story is told. If you need more info let me know please.

Alf: From whom do you purchase the leather for the sneakers? Are they chromium-free?

Damian: We buy the leather from our Portuguese supplier. They get the leather mainly from European cows (Spain and Portugal). Depending on the demand, there is a little chance that they need to buy leather from America as well. In this new production, we will be launching improvements on our basic Modelo ’89, introducing more recycled and organic fabrics, however we have stopped using Chromium-free leather because of the performance.  We had a lot of problems during production and some people really got annoyed because of the quality of the leather. It broke easily sometimes and that made us change our mind. Leather tanned with chromium is far more durable.

“Working with chromium free leather has certain positive and also negative effects.”

Alf: Are you aware of the problems with chromium in the leather production? Especially for the workers and their health (related to findings about cases of lung cancer, allergies, asthma etc.)? Is this in any kind a problem for you?

Damian: We are informed about the health problems that Chromium leather tanning can cause. But we also know that this kind of diseases are generally spread in tanneries where the safety conditions are poor and where the machinery used is not so developed. I ‘ve been to our tannery in Portugal, Marsipel S.A., which has a Leather Working Group certificate, and we understand that working with chromium free leather has certain positive effects, although others are very negative, as I explained.

Alf: Are you considering developing a vegan sneaker like VEJA did in the last couple of years?

Damian: The sad reality is that there are very little “no-fuel-based” materials available on the market for the uppershoe that simulates leather. This now called “vegan” materials are mainly synthetics and microfibers generally made of plastic and are not biodegradable, so definitely it is not a solution for the environment neither. In any case, and answering your question: Yes, during the last month we started developing a synthetic microfiber for the upper, where there is recycled material involved, enough to get the Global Recycled Standard certification. If everything goes as planned, we could be changing leather for this material soon, all helped by one of our Spanish suppliers that is fully involved in the project.  

Alf: Where did you get the rubber from? Is it ecological produced?

Damian: Our outsole is a mix between 30 % natural Rubber and 70 % synthetic rubber. When we started Wado we thought that would be good enough as this mix allows maximum durability, according to our outsole factory.  Using only natural rubber meant production problems as it is a too flexible material to work with. Apart from that natural rubber outsoles are more slippery and they wear out more easily too. However, we wanted to go further and we found a more sustainable outsole factory. So now we are developing a new model where the outsole is made from almost 70% recycled rubber.

Alf: Are you combining the 70 % rubber then with 30 % natural rubber?

Damian: Yes, we are mixing natural and synthetic rubber.

Alf: Your Reforestation project is impressive. How did you come up with these projects in India and Zambia?

Damian: We came up with the idea of planting trees at the beginning of the project. We didn’t know much about shoes and eco-materials; however, we knew we wanted to help the environment somehow. So, we started to look for partners and we found WeForest. It is an NGO that not only helps us to plant the trees but creates a good working environment for the communities in the locations they work in. I leave you this link where we explain a lot about the project.

“I will not stop using leather to use plastic as others do and claim I’m suddenly a superb vegan brand.”

Alf: I am reading a lot of critical comments in Social Media about your sneakers beneath official postings of Kickstarter etc. How do you deal with that?

Damian: We are still taking our first steps as a company and we are trying to learn as much as we can from the critics on Social Media. Our main enemy right now seems to be the vegan community, which I truly respect. However, we need to reflect on whether veganism in terms of food industry (which I support) can be measured in the same way as veganism in terms of shoe industry.

It is clear to me that everyone should be reducing it’s meet consumption, I’m doing it myself with my vegetarian partner since 3 years ago, but we can not fool ourselves. We need to think deeper and analise if using anything that is not leather and changing it for fuel based materials is more sustainable.

Being honest, I don’t want to stop using leather to use „plastic“ as others do and claim I’m suddenly a „superb vegan brand“ just to follow the trend. If I change the leather which works perfectly well right now, is because I found an environmentally better solution.

Thanks, Damian, for your personal perspective.

Dear community, what are your thoughts about these Green Fashion issues a lot of brands are tackled with transforming? Leave your comment underneath.

Fotos: René Zieger

Sommer

Letztes Jahr war ich auf der Suche nach einem schönen Sweater, kein großer Schnickschnack, am besten einfarbig und gerne schwarz. Fündig wurde ich damals bei Recolution. Das Label von Jan Thelen und Robert Diekmann gibt es bereits seit 2010. Sie produzieren organic, fair and vegan fashion, um es einmal auf den Punkt zu bringen. Der Sweater landete letztes Jahr auch in meinem Ratgeber „Einfach anziehend“ und in dem Zuge nahm ich den Kontakt mit dem Label auf. Auf meine Mail antwortete mir zu meiner Überraschung Wiebke Kaiser, die ich noch von Peppermyntha kannte und die frisch in das Unternehmen gewechselt war. Nach kurzem Austausch war klar, dass wir gerne einmal kooperieren wollen und sie mir einige Styles aus der neuen Kollektion zuschicken. Die Styles sind fresh und zeitgemäß – nur musste ich auf die richtige Gelegenheit warten, um mit René wieder einmal einige Fotos machen zu können. Letzte Woche war es soweit, so dass ich euch heute ein neues Outfit zeigen kann.

Recolution Summer Breeze

Für das sommerliche Outfit habe ich das Basic-Shirt WAVES und die Casual Pants DENIM in dark denim blue miteinander kombiniert. Das Shirt macht sofort gute Laune und fesselt den Betrachter mit der sehr dichten Wellenstruktur. Guckt mir mal etwas länger direkt auf die Brust und ihr wisst, was ich meine. Und das liegt nicht an der GOTS-zertifizierten Bio-Baumwolle oder dem Single Jersey, sondern an diesen tollen Wellen. Die lässige Hose ist aus Chambray, sitzt gut und hat engere weiche Bündchen. Mit dieser Kombination lassen sich warme Sommertage und -abende schon ganz gut aushalten!

Mehr über Recolution findet ihr unter www.recolution.de.

Fotos: René Zieger

Mein neuer Wegbegleiter: Airpaq

Ende März habe ich euch bereits Airpaq vorgestellt, diesen unglaublich gut aussehenden und dabei auch noch ungemein intelligenten Rucksack. Wie, intelligenter Rucksack? Wie soll das denn gehen? Ganz einfach: Für diesen Rucksack wird kein neues Material verwendet. Er besteht aus aussortierten Airbags, verschrotteten Sicherheitsgurten und alten Gurtschlössern. Nachdem ich den Airpaq in den letzten Wochen viel getragen und getestet habe, wurde ich vor allem auf den Airbag-Stoff. „So sieht also ein Airbag aus?“ war die meistgestellte Frage. Ja, so sieht – genauer gesagt – Polyamid 6.6 eingefärbt aus. Der Stoff ist extrem robust und strapazierfähig, die Struktur sieht zudem extrem gut aus. Dazu gesellen sich noch die Gurte selbst in der Rückenpartie sowie das Gurtschloss zum Verschluss des Rucksacks. Ein Hingucker par excellence.

Schwärme ich etwas zu sehr? Gut, das liegt aber wirklich daran, dass ich diesen Rucksack als sehr praktisch empfinde. Für den täglichen Weg zwischen Zuhause, Kinderladen, Arbeit und wieder zurück passt in den Airpaq genau alles hinein, was ich transportieren muss. Maximal 21 Liter, das reicht eben auch für den abendlichen Einkauf, obwohl ich Laptop, Buch und Sachen für eine Tochter dabei habe. Die beiden hinteren Fächer sind übersichtlich, die oberen gezippte Tasche ist sehr praktisch für Geldbeutel und anderen Kleinkram. Versteckt unterhalb des Anschnallers ist noch eine weitere Tasche, in der ich immer meinen schnell greifbaren Schlüssel habe. Durch das Gurtsystem sitzt der Rucksack auch beim Rennradfahren wie eine 1 auf dem Rücken und ist mit 1,2 Kilo auch nicht besonders schwer. Ich möchte den Airpaq auf meinem Rücken zumindest nicht mehr missen!

Mehr über Airpaq unter deutsch.airpaq.de.

Outfit

Fotos: René Zieger

A New Path von Svenja Hoffritz

Im Januar lernte ich auf der PrePeek der NEONYT die wunderbaren Svenja Hoffritz kennen. Auf der Kleiderstange hing nämlich ihr ICE CRACK HEAVY COTTON CREW NECK #3, der mir wegen Schnitt und dem eingearbeiteten Foto sofort ins Auge sprang. Mit A New Path – ihrer eigenen „Concept Brand“ – möchte sie die menschliche Verbindung zur Natur neu denken. Was bedeutet Natur für uns? Wie interagieren wir mit Natur? Wie klein/groß sind wir im Gegensatz dazu? Spannende Fragen und noch spannender, wie Svenja diese Auseinandersetzung in Kleidung überführt. Für Svenja ist klar: Wir brauchen ein neues Verständnis zur Natur, zu unserem Planeten. Das, was wir jeden Tag tragen, ist hier ein erster Schritt, den wir in eine nachhaltige Lebensweise gehen können. Svenja spielt mit ihrer Mode in diesem Spannungsfeld und stellt zum Beispiel auf dem eingang schon erwähnten Sweater fest: THE CRACKS IN THE ICE ARE THE SCARS WE ARE LEAVING BEFORE CHANGING ITS SHAPE INTO RISING OCEANS. Schmelzende Pole und globale Erwärmung auf einem Sweater, verpackt in Lyrik.

With A NEW PATH I want to create a brand which questions our definition of nature as something separated from human and to translate it into garments.

So steht auch ihr zweiter Sweater WE ARE NATURE für diese Mensch-Natur-Verbindung und wartet mit einem Gedicht von Andy Goldsworthy auf. Dieser sagte einmal: „We often forget that WE ARE NATURE. Nature is not something separate from us. So when we say that we have lost our connection to nature, we’ve lost our connection to ourselves.“ Wie wahr! Neben den beiden Sweatern bietet Svenja für WO/MEN die TENT JACKET #9 an, eine grüne Unisex Jacke, die aus alten Militärzeltplanen auf Anfrage gefertigt wird. Darüber hinaus gibt es den DIP DYE HOODY #6, der sehr aufwendig mit Kurkuma gefärbt wurde, sowie ein Blue Oxford Shirt mit ungewöhnlichem Schnitt und Oversize Fit an. Für alle Kleidungsstücke gilt, dass sie nur in einer sehr geringen Stückzahl überhaupt erstellt wurden oder eben für die Bestellung erst angefertigt werden.

Fotos: THE STUDJO

Wer mehr über Svenja und A New Path erfahren möchte, sollte unbedingt ihre Website besuchen. Und am Ende dieser Label-Vorstellung gibt es noch einen kleinen Ausblick auf WE ARE NATURE in Kreuzberg 61 (Foto: René Zieger). Das Outfit gibt es in Kürze im Blog.

Fairness in einer unfairen Welt – hilft Freiwilligkeit oder nur ein Gesetz?

Der April war ein aufregender Monat im Sinne der fairen Mode. Nicht nur fand Anfang April in München die GreenstyleMUC statt, sondern natürlich gab es auch anlässlich des Jahrestages des Unglücks von Rana Plaza wieder viele Aktionen, inkl. der Großdemonstration THE MOVE der Fashion Revolution. Doch es gab noch zwei weitere Anlässe im zurückliegenden Monat, auf die ich heute eingehen möchte. Beide berühren die Frage, wie Unternehmen dazu gebracht werden können, bei ihren Produkten auf Fairness zu achten. Fairness gegenüber den Menschen, die die Produkte erarbeiten.

Tchibo Stakeholder Dialog „Fairness in unfairen Zeiten – oder das Ende der Nachhaltigkeit?“

Am 3. April lud Tchibo in die Alte Münze Berlin zu einem Stakeholder Dialog ein. Der Einladung folgten hochkarätige Gäste, allen voran der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit Dr. Gerd Müller (CSU), Joschka Fischer (Bundesaußenminister a.D.), Dr. Frank Hoffer (Geschäftsführer der Initiative ACT für existenzsichernde Löhne), Jenny Holdcroft (Assistant General Secretary der Dachgewerkschaft IndustriALL) sowie Marie Nasemann (Fairknallt) und Nanda Bergstein (Tchibo). Sie alle diskutierten mit weiteren Gästen auf dem Podium in zwei Paneln über die Möglichkeiten, wie man in einer an sich recht unfairen Welt Fairness etablieren kann. Am 1. April hatte das Auswärtige Amt die nächste Phase bei der Umsetzung des „Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ (NAP) eingeleitet. Geplant ist seit längerem die Durchführung einer Befragung, in der es um die Frage geht, ob für die Einhaltung und den Schutz der Menschenrechte in der Wirtschaft eine Selbstverpflichtung von Unternehmen ausreicht oder nicht viel mehr eine gesetzlich vorgeschriebenen Sorgfaltspflicht implementiert werden müsste.

Minister Müller setzt dabei mit seinem nachhaltigen Textilbündnis – das Bündnis ist eine Partnerschaft von etwa 130 Unternehmen, Verbänden, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Standardorganisationen sowie der deutschen Bundesregierung – auf den Faktor „Freiwilligkeit“. In den Gesprächen versprühte er eine große Zuversicht, dass sich ausreichend Unternehmen freiwillig dem Bündnis anschließen und damit auch die noch nicht final definierten Richtlinien des Grünen Knopfes akzeptieren – einem neuen und vor der Einführung stehenden Meta-Siegels. Dieses soll Verbraucherinnen und Verbrauchern klar machen: Dieses Kleidungsstück kannst du bedenkenlos kaufen, da dies fair, sozial und aus biologischen Materialien hergestellt wurde.

Ziehen genügend Unternehmen mit, wenn sie dazu nicht gesetzlich gezwungen werden?

Diesen Ansatz zog Thomas Linemayr (Vorsitzender der Geschäftsführung von Tchibo) in Zweifel und merkte an: Tchibo gehe seit Jahren aus eigener Motivation in Sachen fairem Handel voran, doch nur wenige weitere Unternehmen zögen mit. Und das hat auf Dauer handfeste wirtschaftliche Nachteile, auch für ein Unternehmen wie Tchibo. Deswegen müsste eine gesetzliche Verpflichtung für Unternehmen her, um sie nicht nur bei klaren Verstößen gegen die Menschenrechte gesetzlich belangen zu können. Damit lag er auf einer Linie mit Jenny Holdcroft, Marie Nasemann und auch weiteren Gästen im Publikum wie Pola Fendel (ehemals Kleiderei).

#fairbylaw-Petition für unternehmerische Sorgfaltspflicht per Gesetz!


Diesem Ziel hat sich auch Lisa Jaspers verschrieben. Ihrem Label Folkdays widmete ich 2014 einen meiner ersten Hausbesuche. Sie fordert bereits zum zweiten Mail im Rahmen einer Petition eine klare gesetzliche Regelung und legte in diesem Jahr noch einmal nach. Fast 150.000 Menschen hat sie bereits mit ihrer Petition auf change.org überzeugt, auch mich. Denn: Rana Plaza jährt sich bereits zum sechsten Mal, aber an den grundsätzlichen wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten, die eine solche Katastrophe hätten verhindern können, hat sich nahezu nichts geändert. Deswegen braucht Deutschland nach vielen Jahren der erfolglosen Versuche eine gesetzliche Regelung, die eine unternehmerische Sorgfaltspflicht international ausweitet. Immernoch ist es schwer, deutsche Unternehmen für unfaire Praktiken in ihren eigenen Lieferketten verantwortlich zu machen.

Kann Frankreich als gutes Beispiel für Deutschland dienen?

Die meisten europäischen Regierungen setzen lediglich auf freiwilliges unternehmerisches Engagement, auch die deutsche Regierung. Ein gutes Beispiel könnte hier Frankreich sein. Das neue französische Gesetz verpflichtet große französische Unternehmen dazu, mit angemessenen Maßnahmen Menschenrechts- und Umweltrisiken zu identifizieren und diesen vorzubeugen, sowie öffentlich Rechenschaft darüber abzulegen – inkl. einer Haftbarkeit bei Verstößen und konkreten Vergehen. Fast 150.000 Menschen teilen die Einschätzung, dass dies der richtige Weg nach Rana Plaza ist und haben die Petition bereits unterschreiben.

Zeig‘ auch Du öffentlich deine Meinung auf change.org.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Tchibo / Lisa Japspers

Wie lange brauchen wir noch die Fashion Revolution?

Während der diesjährigen Fashion Revolution Week weile ich an der Nordsee und mache Urlaub. Meine Ratgeber-Kollegin Kirsten Brodde ist auf der Conférence „Rethink your clothes“ in Luxemburg und viele viele Blogger-Kolleginnen (und -Kollegen) machen in diesen Tagen viel Lärm auf Instagram unter dem Hashtag #fashrev bzw. #whomademyclothes. Einige von ihnen gehen auch in Berlin, Hamburg und anderswo auf die Straße, um sich für bessere Bedingungen in der Modeindustrie auszusprechen. Doch wie lange brauchen wir diese Fashion Revolution, die in ihr 6. Jahr geht, eigentlich noch?

Für was steht die Fashion Revolution überhaupt? Die Tragödie von Rana Plaza 2013

Alles dreht sich für uns Slow Fashion Enthusiasten und Unterstützer um „Rana Plaza“ – das Schandmal der modernen Modeindustrie, der Fast Fashion Industrie. Beim Einsturz der Textilfabrik in der Hauptstadt Dhaka starben am 24. April 2013 über 1.100 Menschen in Bangladesch, weitere Tausende wurden verletzt. Die Fashion Revolution Week gedenkt den Opfern dieses Unglücks, erinnert aber auch daran, dass die Mehrheit der Menschen, die unsere Kleidung produzieren, nach wie vor in Armut lebt. Die Fashion Revolution Bewegung hat das Ziel, das zu ändern und fordert mehr Transparenz in der Herstellung unserer Klamotten sowie eine gerechtere Verteilung in der Modeindustrie.

Es fühlt sich gut an, Teil einer Bewegung zu sein. Doch das darf nicht alles sein!

Immer wieder bin ich davon fasziniert, was unsere Green Fashion Szene auf die Beine stellt. Ob Veranstaltungen vor Ort in zahlreiche Städten Deutschlands, viele Statements in den Sozialen Netzwerken, leidenschaftliche Diskussionen über halbherzig gemeinte Kooperationen mit Modegiganten (lieben Gruß an dieser Stelle an Lena und Sara) oder Selfies mit verkehrt herum getragenen Kleidungsstücken verbunden mit der Frage „Who made my clothes?“ – es passiert auch 6 Jahre nach Rana Plaza viel rund um diese Fashion Revolution. Es fühlt sich gut an, Teil dieser Bewegung zu sein, denn: Sie will Gutes bewirken.

  • Wir wollen es schaffen, der Fast Fashion den Spiegel vorzuhalten und den Konsumentinnen und Konsumenten vorzuführen, was sie alles mit einkaufen, wenn sie bei h&m, Zara, Primark und Co. einkaufen.
  • Wir wollen es schaffen, die Alternativen zu Fast Fashion sichtbarer zu machen – ob nun neue Slow Fashion, Secondhand, Vintage oder Upcycling.
  • Wir wollen, dass die Mode zum Standard wird, die Mensch und Umwelt achtet und dabei auch noch stylisch ist und zu dem individuellen Geschmack und Lebensgefühl passt.

Wie lange müssen wir noch kämpfen? Wann endet die Fashion Revolution mit einem Erfolg?

Auf der GreenstyleMUC Anfang April meinte Thimo Schwenzfeier, seines Zeichens für die Messe Frankfurt für die NEONYT verantwortlich, dass er davon ausgeht, die Fast Fashion bis 2030 in die Knie gezwungen zu haben. 2030 soll also Slow Fashion und seine Alternativen der Standard, die Fast Fashion gänzlich (und zu Recht) geächtet worden sein. Eine Utopie, so die einhellige Meinung der meisten Zuhörerinnen und Zuhörer, die raunten. Ich raunte mit. Thimo kennt diese Reaktion bereits, tätigt diese Aussage aber nicht der Sensation oder Diskussion wegen. Es geht ihm um ein Ziel, eine Marke, die wir erreichen wollen. So wie die NEONYT die größte Messe für Mode mit den besten inneren Werten werden soll, so muss auch Slow Fashion den Massenmarkt erreichen, um wirklich eine Konkurrenz sein zu können. Schaffen wir das in den nächsten 11 Jahren? Haben wir überhaupt noch so viel Zeit? Müssten wir uns nicht ambitioniertere Ziele setzen?

Lasst es euch gesagt sein: Weniger ist das neue Schwarz!

Eines muss uns bewusst sein: Wenn wir wie bisher konsumieren, fahren wir unsere Umwelt nicht nur gegen die Wand, sondern stoßen mit Vollgas durch diese Wand. Es gibt keine Alternative zu einem „Weniger“ in Sachen Konsum. Geht das mit unserer aktuellen Gesellschaftsform? Geht das mit Unternehmen, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nur dann bewusst sind, wenn sie mit Arbeitsplatzverlusten drohen? Geht das mit einer Regierung, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich nicht mehr zusammen regieren zu müssen? Klare Antwort: Ja, es muss gehen. Wir haben – noch einmal – keine Alternative dazu!

Ich wünsche mir demnach, dass wir

  • viel bewusster konsumieren,
  • viel weniger einkaufen,
  • vieles länger benutzen,
  • viel häufiger Dinge reparieren,
  • viel mehr untereinander tauschen oder verleihen,
  • viel mehr auf unser eigenes Wohlbefinden achten und
  • viel häufiger zu Entwicklung „Nein“ sagen, wenn sie nicht gut für uns sind.

Auch wenn es die Modeindustrie nicht gerne hören wird: Es ist Zeit für #byebyefastfashion!

Die Modeindustrie steht wie viele andere Industrien vor großen Veränderungen. Auch in ihr sind Stimmen zu hören, die vor wenigen Jahren noch in der Automobilindustrie und bei Öl-Multis zu hören waren: Ohne dies geht es nicht, die Konsumenten wollten doch aber dies und das. Doch es wird anders kommen, seid euch sicher. Lasst euch nicht mehr durch gut gemachte Werbung und schlecht gedachte Kooperationen blenden. Geht für das Gute auf die Straße und denkt nicht nur eure Meinung, sondern äußert sie auch. Es ist Zeit für #byebyefastfashion!

Meine Top 5 – Unterwäsche für Männer

Die derzeitigen frühlingshaften Temperaturen möchte ich nutzen, um über ein wichtiges Thema zu schreiben: Unterwäsche. Nicht nur bei unserer Oberbekleidung sollten wir auf gute Materialien achten, die zu fairen und sozialen Bedingungen hergestellt werden. Sondern natürlich auch bei unserer Unterwäsche. Gefühlt sind Frauen für diese schon deutlich stärker sensibilisiert, bei Männern muss man hier noch auf Aufklärungsarbeit leisten. Und im Gegensatz zu meiner Top 10 der Unterwäsche für Frauen habe ich in diesem Artikel nur 5 Marken vermerkt, die ich euch empfehlen kann. Insgeheim hoffe ich, dass sich auch weitere Marken dazu bewegen lassen, Männerunterwäsche unter den besten Bedingungen und mit den besten und/oder nachhaltigsten Materialien herzustellen.

1 / erlich Textil

erlich Textil ist das Label von Sarah Grohé und Benjamin Sadler mit Sitz in Köln. Mit ihrer Unterwäsche für Männer und Frauen haben sie eine hochwertige Alternative auf den Markt gebracht. Zwar erst einige wenige Jahre alt, vertrauen sie auf die Qualität und Erfahrung eines familiengeführten Herstellers auf der Schwäbischen Alb – mit schon 100-jähriger Tradition. Aus eigener Erfahrung kann ich die Unterhosen von erlich Textil sehr empfehlen.

2 / VATTER

Seit 2015 verfolge ich den umtriebigen Thomas Vatter und sein Team von VATTER aus München. Sukzessive haben sich sich unter dem Motto „Cotton with Attitude“ weiterentwickelt und produzieren nicht weniger als meine heimlichen Favoriten, wenn es um Boxer Briefs und Trunk Shorts geht. Ganz im Stile Denis Schecks: „Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und tragen Sie Unterwäsche für Männer von VATTER!“

3 / soki Kassel

Was Mann alles tragen kann, zeigt soki Kassel. Alte aber nicht minder gute Bettwäsche sammeln Kira Kimm und Sophie Roscher ein und machen aus diesen Boxershots. Nicht nur irgendwelche Boxershorts, sondern Unikate, die eine Reminiszenz an die Beständigkeit und den Stil der Vergangenheit sind, und durch das Upcycling auch im Hier und Jetzt perfekt verortet wurden. Klasse Idee, tolle Umsetzung!

4 / The White Briefs

Puristisch und minimalistisch, ohne viel Klimbim und Chi-Chi – The White Briefs aus Schweden sind mein Evergreen. Ich widmete dem Label einen meiner ersten Posts 2013 und freute mich sehr über die Einsichten, die mir Peter Simonsson in unserem Interview über seine Marke und die Green Fashion Szene von damals erzählen konnte. Auch 2019 ist das Label in Sachen Verarbeitung, Style und Materialqualität bei Unterwäsche für Männer eine Klasse für sich.

5 / Avocadostore x comazo|earth

Ende letzten Jahres zeigte der Avocado Store seiner erste eigene Unterwäschelinie. Gemeinsam mit comazo|earth wollen sie, dass wir mit „Fair to myself“ auf unseren Körper hören und uns so akzeptieren, wie wir nun einmal sind. Eine Ende mit dem #Bodyshaming, das nicht nur Frauen betrifft, sondern auch unter Männer verbreitet ist und äußerst selten thematisiert wird. Ein wichtiges Thema, und gute Buxen für uns Männer.

Text: Alf-Tobias Zahn

Meine Top 10 – Unterwäsche für Frauen

Jedes Jahr schreibe ich über Unterwäsche für Frauen. Ich stelle neue Labels vor oder schreibe über aktuelle Kollektionen. Das brachte mir nicht nur halb-süffisante Kommentare von männlichen Freunden ein, sondern auch den ein oder anderen Kommentar von weiblichen Bloggern. Zu meiner Verwunderung, denn ganz ehrlich: Macht euch mal locker, meine Lieben. Auch Männer sollten im Jahr 2019 über Unterwäsche für Frauen schreiben dürfen, ohne gleich in einen semi-frivolen Kontext gezogen zu werden. Da ich mich mit dem Thema also schon länger auseinandersetze, folgt hier und heute meine Auswahl der 10 tollsten Brands, die Unterwäsche für Frauen machen.

1 / Coco Malou

Meine Neuentdeckung aus dem letzten Jahr, als Bloggerin Corinna Borucki sich nicht nur dazu entschied, von der Freiberuflichkeit direkt in die Unternehmerschaft zu wechseln, sondern sich auch gleich an das nicht minder schwere Thema zu wagen, Unterwäsche für Frauen zu machen. Danke eines erfolgreichen Crowdfundings gibt es jetzt also Coco Malou. Mit ihrem Label macht Corinna seidenweiche, feminine Unterwäsche und stellt dabei #Bodypositivity in den Mittelpunkt. Ein starkes Debüt.

2 / LOVJOI Intimates

Erst seit wenigen Tagen online verfügbar, schlug die erste Unterwäschelinie namens Intimates von LOVJOI ein wie eine Bombe. Das Team rund um Gründerin Verena Paul-Benz hat richtig geklotzt und eine wunderbare Bandbreite an Slips, BHs, Bras und Nighties entworfen. Wie auch schon doe Vergangenheit gezeigt hat, wird auch sicherlich diese Kollektionen glänzen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Auftakt!

3 / AIKYOU

Die „Lingerie brand for small busts“ ist schon seit Anbeginn dieses Blogs eine feste Größe. AIKYOU ist die Marke für BHs für kleine Größen. Zeitlos, feminin und äußerst hochwertig verarbeitet erschaffen Bianca Renninger und Gabriele Meinl seit 2011 immer wieder tolle Unterwäsche für Frauen.

4 / Tizz and Tonic

Achtung, Farbexplosion! Das norddeutsche-kanadische Label von Imke Hanscomb und ihrer Schwester Yanna knallte Anfang 2018 durch meine Blogosphäre. Nachhaltig positiv überraschend feiert Tizz and Tonic Farben und Formen. Ob klassisch einfarbig und allover gedruckt ist den beiden Schwestern eigentlich egal – Hauptsache, es macht Spaß und gibt Selbstvertrauen!

5 / Reformation

Die Avantgarde aus den USA ist jetzt auch in das Unterwäsche-Bizz eingestiegen. Reformation ist eine der Vorzeigelabels, wenn es um Zeitgeistiges Modedesign und ressourcenschonenden Umgang mit Materialien geht. Was wie ein Ungetüm klingt, ist eigentlich nichts anderes, als Green Fashion als den Standard in der Modeindustrie zu etablieren. Das macht das Label unnachahmlich gut und schafft damit als eine der wenigen aus der Slow Fashion Szene eine Brücke zur hyperaktuellen Fast Fashion und deren Käuferinnen.

6 / erlich Textil

Wie auch schon bei den Männern hat sich erlich Textil auch bei den Frauen sehr schnell als Label für Unterwäsche für Frauen etabliert. Natürlich gilt auch für diese, dass die Unterwäsche nicht nur schön aussieht, sondern auch schön produziert wurde. Und mit „schön“ meine ich natürlich fair, sozial und bio.

7 / Woron

Ein weiteres Geschwisterpaar macht Unterwäsche einfach besser: Anya und Arina Woron mit ihren gleichnamigen Label WORON. Sie selbst bezeichnen sich im Interview als Slow Fashion Brand, entwerfen sie doch eher wenige neue Kollektionen, sondern ergänzen ihre bestehende Produktpalette nuanciert. Gemein ist den Kopenhagerinnen, dass auch sie auf zeitloses und minimalistisches Design setzen.

8 / VATTER

VATTER ist nicht nur was für Männer (aber auch, siehe meine Top 5 der Unterwäsche für Männer), sondern richtet sich explizit auch an die Damenwelt. Auch hier haben Thomas und sein Team eine große Bandbreite an unterschiedlichen Styles, die sich – wie ich mir sagen ließ – sehr gut tragen lassen. Gutes Aussehen ist ja eh inbegriffen.

9 / Made by Noemi

Eigentlich müsste das Label Made by Noemi Ivanova heißen, doch die Gründern entschied sich dafür, ihren Nachnamen schlicht zu streichen. 2004, als Alternative zu den damals in Schweden vorherrschenden Push-Ups und G-Strings gegründet, hat Noemi Ivanova ihr Label sukzessive aufgebaut. Ihr Ziel ist es, die Grenze zwischen Lingerie, Unterwäsche und Sportswear verschwimmen zu lassen. Eine große Herausforderung, der sich Noemi Tag für Tag stellt.

10 / Underprotection

Swimwear, Loungewear, Lingerie – die dänische Marke Underprotection setzt stilistische Ausrufezeichen. Gerne klassisch, aber eben auch gerne farbenfroh. Mit deutlichen Akzenten, dass Unterwäsche für Frauen beileibe nicht langweilig sein muss. Dafür steht Sunniva Uggerby und ihr Team seit 2010 und durfte dafür auch schon den ELLE Style Awards in der Kategorie „CSR“ entgegennehmen.


Auf etwaige Kommentare bin ich vorbereitet und verweise in dem Kontext auch gerne auf meine Top 5 für Männer.

Text: Alf-Tobias Zahn

Das Recht, sich zu waschen – der GoBanyo Duschbus

Kaum zu glauben, aber leider wahr: Nicht jeder Mensch in Deutschland hat die Chance, sich regelmäßig zu waschen. Dies betrifft vor allem Menschen ohne Obdach, die sehr häufig Tage und Nächte auf der Straße verbringen müssen. Hier will GoBanyo Abhilfe leisten. Über Crowdfunding will das Kollektiv aus gemeinnützigen Organisationen rund um Buchautor Dominik Bloh einen Duschbus ins Leben rufen. Dieser soll mit einzelnen Badezimmern ausgestattet sein, Hygiene- und Pflegemittel beherbegen und frische Kleidung zur Verfügung stellen.

Die Idee ist schnell skizziert, doch wie soll das im Alltag aussehen? Dominik Bloh hat selbst auf der Straße gelebt und weiß deswegen aus eigener Erfahrung, dass tage- oder sogar wochenlang ungewaschen durch die Straßen zu ziehen, Spuren hinterlässt. „Nicht nur auf der Haut oder den Klamotten, sondern auch auf der Seele. Wenn man immer nur als dreckig wahrgenommen wird, hält man sich selber für Dreck. Die Möglichkeit einer Dusche reinigt nicht nur den Körper, sondern auch das eigene Befinden“, so Dominik.

GoBanyo will nicht nur helfen, sondern auch motivieren

Hinter dem Bus, der von der Hamburger Hochbahn AG gespendet wurde und im Sommer mit dem Geld aus dem Crowdfunding ausgebaut werden soll, steckt aber noch mehr. „Das Ziel ist, Obdachlose zum nächsten Schritt zu motivieren. Wer dreckig ist, vermeidet den Kontakt zu anderen Menschen. Geht nicht mehr zum Amt, stellt sich in keine Schlange zur Wohnungsbesichtigung. Die Scham ist einfach zu groß und der Teufelskreis zu stark. Dafür möchten wir mit dem mobilen Duschbus eine Lösung schaffen. Unser Angebot richtet sich an alle Menschen, die auf der Straße leben oder in Wohnungssituationen ohne fließendes Wasser“, so der Initiator von GoBanyo.

Das GoBanyo-Team rund um Dominik Bloh (2.v.l.) ® Julia Schwendner

Wofür wird das Geld eingesetzt?

Für den Umbau des Busses (140.000 Euro) und den Betrieb im Laufe der ersten 12 Monate (60.000 Euro) werden insgesamt 200.000 Euro benötigt. Mit diesem Geld kann der GoBanyo Duschbus an drei Wochentagen für je fünf Stunden betrieben werden. Das entspricht ca. 8.000 Duschen pro Jahr. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr das Projekt unterstützt und GoBanyo auf die Straßen Hamburgs losgelassen werden kann. Ich erhoffe mir dadurch nicht nur die skizzierte deutliche Verbesserung der hygienischen Situation rund um Menschen, die obdachlos sind. Ich erhoffe mir auch eine Signalwirkung, dass auch in anderen Städten diese Problematik thematisiert und angegangen wird. Dafür kann GoBanyo der Startschuß sein.

Projekt unterstützen

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: GoBanyo / Julia Schwendner