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The RUCKSACK begleitet Dich überall hin

Als ich neulich mit René in Steglitz war, haben wir nicht nur den Space Sweater von Rotholz mit dabei gehabt, sondern auch The RUCKSACK meines Nürnberger Compañero Moritz Lorenz dabei. Mo hat in den zurückliegenden Jahren mit JECKYBENG sein eigenes Unternehmen gegründet und begeistert nicht nur mich immer wieder mit seinen tollen Produkten, die nicht nur Outdoor funktionieren, sondern eben auch uns durch den urbanen Alltag bringen. Sei es die wasserabweisende The JACKET oder der SEAMAN’S SWEATER – Moritz macht richtig gute Sachen! Dazu gehört auch sein neues Backpack.

The RUCKSACK ist dank der innovativen Oxford Cotton Faser wasserabweisend. In der Produktion wird dabei auf PFC verzichtet, das eigentlich für die wasserabweisende Eigenschaften in den üblichen Backpacks verantwortlich ist. JECKYBENG arbeitet lieber mit nachhaltigen Alternativen, um den selben Effekt zu erzielen. Mit Erfolg, wie auch die anderen Produkte zeigen. In den Rucksack passen 15 Liter, die bis auf 20 Liter durch den Rollverschluss für das große Hauptfach erweitert werden können. Darüber hinaus geht es viele kleine nützliche Täschen im vorderen Fach, um das Smartphone, Schlüssel und andere Dinge unterzubringen. Wer dann noch auf einer längeren Reise auch mal bequem sitzen kann, findet im Inneren noch einen 1 cm dicken Wollfilz als Sitzunterlage. Last but not least ist die äußere Tasche am Rucksackboden ein idealer Zugriff auf alle Dinge, die unten verstaut wurden und dennoch schnell greifbar sein sollen.

The RUCKSACK ist einfach besser als die Konkurrenz

Kurz gesagt: The RUCKSACK hat so ziemlich alles, was konventionell hergestellte Backpacks haben – nur einfach mit den besseren nachhaltigen Werten! Alleine schon der Verzicht auf PFCs wäre für mich ein Kaufargument. Dazu gesellen sich aber ein modernes Design, durchdachte Features und eine exzellente Verarbeitung. The RUCKSACK hält wirklich einiges aus, nicht nur einen Ausflug nach Steglitz.

The RUCKSACK ist im Online-Shop von JECKYBENG zu einem Preis von 189,00 EUR erhältlich.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: René Zieger

Mo hat mir für diesen Produkttest ein Exemplar von The RUCKSACK dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Ich möchte ihn nicht mehr missen in meinem Alltag.

Spaceman in Steglitz

Die neue Kollektion von Rotholz habe ich euch vor wenigen Wochen erst vorgestellt. Auf meiner letzten Z²-Tour mit René durch Steglitz habe ich mich in das Highlight Piece der aktuellen Kollektion geschmissen: dem Space Sweater! Für diesen Pullover brauchten wir aber auch noch die passende Kulisse – die uns der Bierpinsel mit seiner futuristischen Architektur aus den poppigen 1970er Jahren bot!


Der Bierpinsel in Steglitz

47 Meter ragt das ehemalige Turmrestaurant Steglitz in die Höhe. Von den Architekten als Baum entworfen, ist er den Berliner nur als Bierpinsel im Gedächtnis geblieben. Der Name spiegelt zum einen die geplante Gastronomie (Bier) als auch das rasierpinselähnliche Aussehen der in den Himmel ragenden Stahlträger des Tragwerks (Pinsel) wieder. Berlin halt! Wie so häufig in der langen Geschichte des Bierpinsel steht er aktuell leer. Keine der Lokalitäten konnte sich seit 1976 wirklich länger halten. Der Zeitpunkt einer Wiedereröffnung ist noch immer unbekannt. Letzten August wurde der Bierpinsel auf der Website von Sotheby’s angeboten. Kaufpreis: 3,2 Millionen Euro! Sowohl die Architektur als auch die Geschichte des Turmrestaurants passen zu Berlin und Steglitz wie die Faust aufs Auge. Dazu noch der sicherlich nicht zu jedem Anlass passende Sweater – und fertig ist eine Traumkombination für alle B-Boys und Fly-Girls, alle Spacemen und Spacewomen.

Über den Space Sweater von Rotholz

Auf 100 Einzelstücke limitiert, wurde der angenehm sitzende Sweater von Hand eingefärbt und verfügt über Stick- und Printdetails.  Die „Space Series“ ist eine Hommage an die Ursprünge von Rotholz, als vor allem kunstvolle Prints das Erscheinungsbild des Labels bestimmten. Das Thema Weltraum zieht sich farblich durch die gesamte Kollektion. Die Palette reicht vom Sternennebel auf dem Space Sweater über das dunkel melierte Nachtblau des neuen Crewneck Sweaters bis zu den scheinbaren Tag-Nacht-Verläufen auf dem Divided Shirt und dem Divided Crewneck Kleid. Falls ihr die neue Kollektion noch entdeckt habt, empfehle ich euch, dies dringend nachzuholen!

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: René Zieger (Outfit) und Rotholz (Kollektion)

»Einfach anziehend« – dein Moderatgeber, wenn du Wegwerfmode satthast

Am 1. Oktober ist es soweit: »Einfach anziehend« – mein erstes Buch – erscheint im Münchner oekom Verlag! Gemeinsam mit Kirsten Brodde habe ich einen Ratgeber geschrieben, der einen Ausweg aus der Fast Fashion Schleife aufzeigt. Entstanden ist ein Guide, der auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet und auch keinen „besseren“ Konsum propagiert. Kirsten und mir ging es vor allem darum, einen Weg aufzuzeigen, wie Mann und Frau die ersten Schritte zu einem nachhaltigen Kleiderschrank gehen können.

Auf 124 Seiten spannen wir den Bogen von global zu lokal: Von einer aktuellen Zustandsbeschreibung unserer Modeindustrie mit spannenden Fakten und Zahlen über die unterhaltsame Auseinandersetzung mit dem eigenen Kleiderschrank – mit Lieblingsstücken und Ungeliebtem – bis zur Entscheidung, was wir eigentlich noch kaufen sollten, wenn wir doch einmal ein neues Kleidungsstück haben wollen. Dabei ist Fair Fashion nur ein Teil einer nachhaltigen Lösung für den eigenen Klamottenkonsum. Secondhand Läden oder auch Events wie VinoKilo zeigen, dass Getragenes mehr als nur eine zweite Chance verdient hat. Neue Konzepte wie Leih-Services der Kleiderei oder auch großer Player wie Tchibo werden unser Kaufverhalten verändern. Entscheidend ist aber, dass wir uns viel intensiver damit auseinandersetzen, was wir jeden Tag auf unserer Haut tragen.

»Partners in Crime« – die Autoren

Kirsten arbeitet für Greenpeace und hat es mit der globalen Detox-Kampagne geschafft, viele große Modeplayer davon zu überzeugen, ihre Kleidung zu „entgiften“ und sich mit den Umweltschäden auseinanderzusetzen, die während der Modeproduktion entstehen. Eine mehr als gute Sache. Im Gegensatz zu mir ist sie beim Thema „Buch“ schon ein alter Hase, veröffentlichte sie doch bereits 2008 ihr Buch »Saubere Sachen«. Von 2012 bis 2015 war sie zudem Mitglied der Jury des Bundespreises ecodesign. »Einfach anziehend« ist ihr erster Ratgeber.

Und mich kennt ihr ja nur zu gut: Ich bin Blogger und arbeitet als Kommunikationsberater und Projektleiter für gute Kunden bei Studio GOOD. Seit dem Studium blogge ich, seit 2009 schreibe ich über Fair und Slow Fashion, unter anderem in diesem wunderbaren Blog.

»Einfach anziehend« vorbestellen

Wer nicht bis zum 1. Oktober warten möchte, kann bereits jetzt über oekom Crowd unser Buch vorbestellen – inklusive einer ersten Leseprobe vorab. Neben dem Buch gibt es spannende Rewards. So ist zum Beispiel schon klar, dass Kirsten und ich für einen Vortrag in die Schweiz fahren werden. Wer zudem noch Lust hat, nicht nur das Buch zu lesen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen der Modeindustrie zu werden, dem empfehle ich mit mir »Auf den Spuren grüner Mode in Berlin« unterwegs zu sein. Gemeinsam besuchen wir an einem Samstag die Designerin Mareike Ulman von format, die Ladenbesitzerin Christina Wille von Loveco sowie die Stofflieferanten Benjamin Itter und Enrico Rima von Lebenskleidung und bekommen einen facettenreichen Einblick in die nachhaltige Modewelt. Also, wenn ich es nicht selbst machen würden, würde ich da sofort mitgehen. Meine dringende Empfehlung: Sofort buchen!

Über das Buch

Der Kleiderschrank wird immer voller, und das schlechte Gewissen angesichts der verheerenden Folgen der globalen Modeproduktion wird immer größer. Dabei geht es auch ganz anders: Altes neu entdecken und neue Lieblingsteile kreieren, Ungetragenes auf Tauschpartys durch Neues ersetzen und Goldstücke auf Flohmärkten finden. Und wenn es doch mal was »ganz Neues« sein soll? Dann bietet Fair Fashion 2018 tolle Alternativen. Mit unseren Tipps und dem Zehn-Schritte-Plan in »Einfach anziehend« zeigen Kirsten und ich Wegwerfmode und Fast Fashion in Zukunft die Rote Karte.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: René Zieger

»Mir ist die Modewelt größtenteils zu blöd«

Immer wieder gerne werfe ich einen Blick in meine Geburtsstadt Nürnberg. Aufmerksame Leserinnen und Leser kennen deswegen bereits ATF Clothing und seit einigen Tagen auch die ganz wunderbaren »New Kids in the Hood«. Heute möchte ich noch jemanden vorstellen, der sich der Eco Fashion verschrieben hat. Genauer gesagt, der Eco Streetwear. Christian Hetzner heißt der Mann, sein Label hört auf den Namen »hecna«. Im Interview sprachen wir über seine frühen Anfänge, sein eigenes Einkaufsverhalten und warum ihm die Modewelt eigentlich „zu blöd“ ist.


Mit 18 Jahren hast Du bereits dein Label gegründet. War da schon für Dich absehbar, dassDu Dich einmal mit nachhaltiger Mode beschäftigen wirst?

Ja, an meinem 18. Geburtstag ging’s voller Tatendrang zum Gewerbeamt,um starten zu können. Damals ahnte ich aber noch nicht, dass ich in den folgenden Jahren nachhaltige Mode anbiete. Zu der Zeit gab es auch kaum Anbieter auf dem Gebiet.

Warum hast Du Dich später dafür entschieden, nachhaltige Streetwear unter dem Namen zu machen?

Durch Zufall bin ich auf eine Reportage im Internet gestoßen, die sich mit dem Thema des Kakao-Anbaus auf der Elfenbeinküste beschäftigt hat. Dort wurden Kinder durch falsche Versprechungen auf Kakao-Farmen gelockt. Allerdings sind sie Menschenhändlern in die Falle gelaufen und wurden für umgerechnet 230 EURO an die Besitzer der Plantagen verkauft, welche die Kinder dann ausgebeutet haben. Kein Geld – keine Freiheit – Arbeit bis zum Umfallen. Dieser Einblick hat mich so bewegt, dass ich mein Einkaufsverhalten komplett umgestellt habe, sowohl privat als auch geschäftlich. Mittlerweile bin ich wieder etwas entspannter beim Einkaufen, aber wenn ich die Wahl zwischen konventioneller & fair gehandelter Ware habe, greife ich gern zur fairen Alternative. Geschäftlich gehe ich aber keine Kompromisse ein und arbeite ausschließlich mit fairen Rohstoffen.

Du hast einen eigenen Laden geplant. Was werden die Besucherinnen und Besucher bei dir erwarten können?

Aktuell mache ich alles rund um hecna ausschließlich in einem Zimmer meiner Wohnung. Doch es sieht ganz gut aus, dass ich ab dem September diesen Jahres zusammen mit einer Goldschmiedin zum ersten Mal einen Laden eröffne, der unter anderem den Namen meines Labels trägt.

Wie oft bringst Du neue Kollektionen heraus?

Bis zum vergangenen Jahr brachte ich zwei Kollektionen jährlich heraus. Jetzt gibt es alle paar Wochen ein neues limitiertes & zugleich nummeriertes Kleidungsstück. Je nach Jahreszeit gibt es dann entweder neue Sweater, Hoodies, T-Shirts, oder komplett andere Produkte, wie zuletzt, das Notizheft aus gebrauchten Pizza-Kartons.

Welches Stück von Dir magst du am meisten?

Es ist schwierig einen Favoriten aus den vielen Shirts herauszupicken. Mir gefällt – so blöd es auch klingen mag – immer das am meisten, das zuletzt erschien. Das kommt wohl davon, dass ich alle Designs selbst entwickle und ich mich mehrere Tage oder Wochen intensiv diesem einen/neuen Design widme, mittels Produktfotografie, Werbefotos, Social Media, Fotoshootings und vielem mehr.

Welche Labels inspirieren Dich?

Von Labels lasse ich mich nur unterbewusst inspirieren, da mir die „Modewelt“ größtenteils zu blöd ist. Inspiration finde ich überall – in meinem Umfeld, auf der Straße, beim Urlaub und so weiter, deshalb ist jedes neue Kleidungsstück eine Überraschung – auch für mich. Manchmal sind es Schriftzüge, manchmal Fotos, manchmal beides, oder eben auch was ganz anderes.

Welchen Ort in Nürnberg magst du am meisten und warum?

Sowas hab’ ich nicht wirklich. Mir geht es nicht so sehr um Orte, sondern vielmehr um die Leute, mit denen ich dort bin.


Wer Christian in Aktion erleben will, aber nicht bis zur Ladeneröffnung warten möchte, dem empfehle ich die Reportage über ihn vom Franken Fernsehen. In dem Beitrag gibt er weitere Einblicke in seine Anfänge und seine Arbeiten für hecna.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: hecna

Im Zuge unseres Interview hat mir Christian ein Exemplar seines aktuellen Mittelfinger-Shirts zur Verfügung gestellt, das ich unlängst mit René in Steglitz ausführte.

There are »New Kids in the Hood«

Schöne und gute Kindermode ist für mich seit 5,5 Jahren ein großes Thema. Der Kleiderschrank meiner Tochter besteht aus Secondhand Kleidung, neuer Fair Fashion, Geschenktem oder Geliehenem und auch manchem Kleidungsstück, an dem nur die Bio-Baumwolle gut ist. Ein Spagat, den wir als junge Eltern Tag für Tag machen müssen. Gerade in den sonnigen Monaten stellten wir uns auch die Frage, ob es nicht auch eine schöne Cap für Ava gibt, die sie tragen könnte. Gibt es, und das sogar aus meiner Geburtstadt Nürnberg. Das noch junge Label »New Kids in the Hood« von Sarah Seidel und Florian Pohrer setzt genau hier an, mit schönen Stoffen, tollen Schnitten und Upcycling pur. Jetzt ist auch der Online-Shop endlich fertig geworden, so dass ich mich mit Sarah über die Ursprünge des Labels und die nächsten Schritte unterhalten habe.

v.l.n.r.: Die beiden Gründer, Florian und Sarah, sowie Hamdi (Schneider)


Warum habt ihr euch 2016 dafür entschieden, ein soziales Projekt für Flüchtlinge zu starten?

Ich habe Soziale Arbeit studiert und während meines Studienprojekts, einer Kunstausstellung zum Thema Fluchterfahrungen, habe ich Hamdi aus Syrien kennengerlent. Er hat mir erzählt, dass er näht und die Produktion in einer Bekleidungsfirma mit vielen hundert Angestellten geleitet hat. Daraufhin haben wir uns zum Nähen verabredet. Ich hatte ein paar Ideen und er hatte Zeit, so haben wir uns zusammen getan und sind neben dem Nähen gute Freunde geworden. Wir werden regelmäßig zu Geburtstagen eingeladen und dürfen dann feinstes Syrisches Essen genießen. Das ist köstlich.

Warum ist für euch Upcycling eine gute Alternative für die Modeproduktion?

Spätestens seit wir ein Kind haben, ist mir noch mehr bewusst, dass alles, aber auch wirklich alles was wir brauchen bereits produziert und im Überfluss vorhanden ist. Es ist nicht nötig, neue Stoffe zu kaufen, es ist genügend Textiles in bester Qualität zum Greifen nah. Wir sind gerade dabei mit Upcycling ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwerfen und hoffen sehr, dass uns das gelingt.

Wo soll die Reise mit eurem Label hingehen?

Unsere Reise soll spannend bleiben wie bisher. Wir möchten stetig weiter experimentieren, spannende Leute kennenlernen, Dinge hinterfragen, Gutes unterstützen und vernetzen. Wir möchten Kindermode in Deutschland produzieren und unsere Näher/innen angemessen bezahlen. Wir wünschen uns, dass unsere Freunde und Nachbarn endlich verstehen, warum Kleidung teuer sein darf und dass man sich lieber wenig als mehr davon leisten soll. Am Besten ist und bleibt unserer Meinung nach Secondhand. Wir nennen unsere Mode future kidswear und hoffen dass wir noch viele Jahre weiter entwickeln und Spaß haben dürfen.

Welchen Style aus den 80er oder 90er Jahren findest Du am besten?

Meine Kindheit waren Leggings und Mickey Maus Jersey Kleid mit Cowboystiefeln sowie der Sofaüberwurf über dem Ikea Sofa meiner Eltern wär der perfekte Cappy Stoff gewesen. In der bunten Farbwelt der 80er und 90er ist alles erlaubt und nichts Tabu. So soll auch New Kids in the Hood sein und bleiben.

Nürnberg ist ja meine Geburtstadt. An welchem Ort seid ihr am liebsten?

In Nürnberg sind wir im Moment am liebsten in unserem Garten Nähe des Marienbergparks in Ziegelstein. Dort haben wir Platz, die Zeit still stehen zu lassen und sitzen zwischen Pferdeställen und Wald direkt am Stadtrand. Ich bin in Gostenhof aufgewachsen und lebe noch immer gern in diesem bunten Stadtteil. Mit der Nähe zur Stadt und zum Wiesengrund gibt es hier genügend Cafés und Grünfläche. Unsere Familien leben auch noch in der Stadt – wir waren ja auch mal weg, gemeinsam, in Barcelona, doch wir sind wieder zurück gekehrt. Nürnberg ist eigentlich ganz gut so wie es ist. Kennst du ja …


Wer sich die wunderbaren Caps für Babys und Kinder näher ansehen und vor allem bestellen will, dem lege ich den Online-Shop wärmstens ans Herz!

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Maria Bayer

Let’s kick it – die Evolution des Sneakers von Ethletic

Sneaker zu tragen und zu besitzen sind für viele eine Leidenschaft. Instagram ist voll von Sneakerheads, die die neuesten Modelle der Giganten NIKE, Adidas und Reebok präsentieren. Einzige Crux an den Großen der Schuhbranche: Sie sind weit davon entfernt, faire und sozial anständige Produkte zu verkaufen. Greenwashing inklusive. Sneakerenthusiasten, denen aber wichtig ist, wie und wo ihre kicks hergestellt werden, haben leider keine allzu große Auswahl. Zum Glück gibt es aber einige Brands, die sich vor der Herausforderung eines fairen Sneakers nicht scheuen. Dazu zählt auch Ethletic. Die faire Sneakermarke ist seit Jahren am Markt und hat sich für diese Jahr einiges vorgenommen, wie mir Annika Langhagel im Interview verraten hat.


Liebe Anni, Ethletic gibt es seit 12 Jahren. In diesem Jahr habt ihr euch für einen neuen Style entschieden. Wie kam es dazu?

Seit unseren Anfängen mit dem ersten fair produzierten Fußball – das ist in der Tat schon 14 Jahre her! – und den ersten Ethletic-Canvas-Schuhen 2010 hat die Marke sich stark weiterentwickelt, und das wollten wir auch nach Außen hin deutlich machen. Für die aktuelle Sommer-Saison 2018 haben wir einige neue Modelle im Programm, die vom Design her viel eigenständiger sind als unser Klassiker, der Fair Trainer … den wir nach wie vor lieben und pflegen werden, keine Frage! Doch was wir planen ist, die Evolution des Sneakers vom einfachen Leinenschuh bis hin zum funktionalen Sportschuh mit nachwachsenden Rohstoffen nachzuvollziehen.

Dabei werden wir auch weiterhin beliebte Schuhformen „zitieren“, jedoch mit einem ganz eigenen Style und Schriftzug – und für diesen Schritt erschien uns ein neues Branding angesagt, eines, das anziehend auf junge Menschen wirkt, auf eine mode-affine Zielgruppe, die einfach auf gute Sneaker steht – und dann gern entdecken darf, dass es solche auch in „ethisch korrekt“ gibt, und genau dafür steht unser neuer Style und das neue Logo. Ich will nicht zu viel verraten, aber im kommenden Jahr gehen wir hier sogar noch einen Schritt weiter, es bleibt spannend.

Der Sneakermarkt ist hart umkämpft. Wo siehst du die Lücke, die Ethletic schließen kann?

Turnschuhe, die toll aussehen und die man gleichzeitig mit gutem Gewissen tragen kann: Diese Mischung kommt an, das spüren wir. Trotz unseres minikleinen Marketingbudgets schaffen wir es, die wachsende Gruppe deren, denen es nicht egal ist, was sie konsumieren, zu erreichen. Und das freut uns sehr! Manche unserer Kunden achten besonders auf eine „tierleidfreie“ Herstellung, anderen ist der Aspekt des Fairen Handels am wichtigsten, wieder anderen die nachhaltigen Rohstoffe und der Umweltschutz – und manchen alle drei Eigenschaften unserer Schuhe, also fair, vegan und nachhaltig. Wir sind ein kleines Unternehmen und unseren Kunden unendlich dankbar, dass sie unseren Weg unheimlich treu begleiten und unterstützen – so kam auch der Begriff der „Fair Family“ auf. Menschen, die Sneaker mit einer Geschichte zu schätzen wissen … einer Geschichte, an der wir mit unseren Kunden gemeinsam arbeiten. Das ist unsere „Lücke“.

Ihr habt 2010 den ersten Fairtrade-zertifizierten Sneaker herausgebracht, arbeitet viel mit Bio-Baumwolle und Naturkautschuk. Mit welchen anderen Materialien arbeitet ihr bzw. würdet ihr gerne einmal arbeiten?

Die beiden genannten Rohstoffe sind für uns das A und O, und wir versuchen, alles, was möglich ist, aus diesen Materialien herauszuholen. So haben wir ja zum Beispiel für 2019 ein neues Fersenpolster entwickelt, das aus Latexschaum aus unserem FSC-zertifizierten Naturkautschuk besteht. So kommen wir ohne Synthetik aus. Im kommenden Jahr zeigen wir auch Modelle mit mit einem Materialmix aus Baumwolle und SDRF (Sawdust Rubber Fabric), bestehend aus Biobaumwolle, Naturkautschuk und recycelten Sägespänen. Unsere Designerin Johanna Balzer beißt sich da gerne die Zähne dran aus, wie sie sagen würde.

Eine unserer größten Herausforderungen: Den Kundenwunsch nach Sneakern, die „wetterfester“ sind, zu erfüllen. Plastik kommt für uns da ebenso wenig infrage wie Bienen- oder Paraffinwachs. Da tüfteln wir noch! Wie beobachten natürlich auch neue Entwicklungen wie Ananasleder, Pilzleder und andere, möchten jedoch auch in Zukunft auf unsere transparenten und fairen Lieferketten aufbauen und dabei in einem erschwinglichem Preissegment bleiben. Unser nächster Schritt ist nämlich der komplett kompostierbare Sneaker, den wir dem Naturkreislauf wieder zuführen wollen, über ein Pfandsystem … und da sind wir schon sehr dicht dran!

Welches Eco Fashion Label passt aus deiner Sicht am besten zu Ethletic?

Oh, da würde ich keines ausschließen wollen! Wir sehen vor allem auf Instagram viele, viele gelungene Kombinationen, wobei wir uns auch besonders freuen, wenn jemand Second-Hand-Stücke total fashion forward kombiniert, das ist ja eine Kunst für sich und zeigt, dass es nicht immer etwas Neues sein muss. Labels, die mir persönlich besonders gut gefallen, sind zum Beispiel JAN ‚N JUNE, Tizz & Tonic, Underprotection oder Mandala Yogawear – und auch die neue, modisch etwas „gewagtere“ Linie von Vorreiter Armedangels mag ich sehr. Und da Sneaker sich ja zu allem stylen lassen, gibt es absolut keine Geschmacksgrenzen!

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Ehtletic (Produkt) / René Zieger (Outfit)

Für die Aufnahmen in Hamburg wurden mir mehrere Sneaker von Ethletic zur Verfügung gestellt. Hiro war mein Favorit, den ich nach dem Shoot auch behalten habe.

Die Poesie als Komplize – Zart auf Weiss von Julia Nohr

Wann hattet ihr zum letzten Mal ein Gedicht zur Hand oder dachtet an ein Stück Poesie zurück, das ihr in der Schule einmal gelernt hattet? Bei mir liegt das schon eine ganze Weile zurück, auch wenn ich tatsächlich Gedichtbände zwischen meinen Büchern stehen habe. Julia Nohr aus Köln wiederum beschäftigt sich jeden Tag mit Poesie. Nicht nur, weil sie selber Gedichte geschrieben hat, sondern auch Gedichte druckt – auf Shirts für ihr kleines feines Label „ZART AUF WEISS„. In unserem Interview sprechen Julia und ich nicht nur über gedruckte Zeilen, sondern auch über Anneke Kim Sarnau und ihren Wohnort Köln.


Liebe Julia, wie kamst du auf die Idee, Poesie auf Shirts zu drucken?

Ich schreibe ja schon lange Gedichte und Kurzgeschichten. Später habe ich Drehbuch und Regie studiert – also auch Geschichten geschrieben –, habe für Zeitschriften Künstlerportraits fotografiert und recherchiert und ich texte hin und wieder für Agenturen. Anfang 2000 haben wir mit der Tango Danza mehrere Kalender aufgelegt und verkauft, in denen ich Liebesgedichte mit eigenen Fotografien dieses wunderbar poetischen Tanzes „Tango Argentino“, den ich damals auch tanzte, verbunden habe. Sprache und Bild begleiten mich also seit jeher.

Mitte letzten Jahres bin ich dann erneut auf meine alten Gedichte gestoßen und dachte, dass es eine gute Gegenbewegung sein könnte, zu den üblichen Motto-Shirts, poetische Texte auf nachhaltig produzierte Shirts aus Biobaumwolle zu drucken. Die Trägerin oder der Träger kennen den Sinn, kennen die Stimmung, die mitschwingt, aber für alle anderen ist der Text eigentlich zu lang, um ihn im Vorbeigehen zu erfassen. Es bleibt das Grafische, einzelne Wörter und die Farben. Es bleibt das Wissen um eine Botschaft und vielleicht der Wunsch, sie zu verstehen.

Was war dir dabei am wichtigsten?

Ich wollte ein T-Shirt-Label schaffen, das für „sich Zeit nehmen“ steht, in jeder Hinsicht. Denn Zeit haben wir wohl gerade am wenigsten und sie doch am dringendsten nötig. ZART AUF WEISS ist auch eher ein Kunstprojekt als dass ich jetzt in die Textilindustrie einsteigen wollte.

Welche Gedichte kommen für dich und ZART AUF WEISS in Frage?

Ich habe vorerst jene meiner Gedichte ausgewählt, die sanfter, allgemeingültiger und öffentlichkeitsverträglicher sind. Viele meiner Freunde fanden das überhaupt wahnsinnig mutig, sein Innerstes auf ein Shirt drucken zu lassen. Aber da frage ich mich, ob wir nicht schon wieder in die falsche Richtung denken und fühlen. Warum sollte es intimer sein, seine Gedichte öffentlich zu machen als laut in der Bahn zu telefonieren, als sich (halb)nackt in der Badewanne auf Instagram zu räkeln oder Familienbilder zu posten?

Ein Gedicht ist ein mit Worten gemaltes Bild. Und Bilder tragen wir ja auch auf unserer Kleidung.

Die Rückmeldungen der Frauen (und Männer), die die Shirts kaufen, sind alle sehr positiv. Sehnsucht und Schmerz oder seelische Schwere, Verliebtsein und das Suchen nach Sinn und Spiegelung kennen wir doch alle.

Wie kam es zum Kontakt mit Anneke Kim Sarnau und Bjarne Mäde?

Ich habe Anneke einfach gefragt, weil ich sie als Schauspielerin großartig finde. Sie war für mehrere Lesungen auf der LIT COLOGNE in Köln angekündigt und ich fand, dass der Rahmen sehr gut passte. Also hab ich über ihre Agentur angefragt, ob sie nicht eines der ZART AUF WEISS -Shirts tragen wolle und irgendwann bekam ich eine SMS von Anneke selbst, dass sie dies gerne tun würde. Bjarne Mädel hat mit Anneke und  Jörg Thadeusz eben jene Lesung gehalten und ist spontan mit aufs Foto gekommen. Das fand ich sehr sympathisch!

Dass Anneke sich die Zeit genommen hat, die Gedichte gelesen und sich entschieden hat, eines auf der Bühne zu tragen ist für mich in Zeiten von hoch bezahlten Influencern gar nicht selbstverständlich. Da stand kein großes Label und hat sie dafür bezahlt, sondern sie hat es von Mensch zu Mensch entschieden: „Was Du machst mag ich. Ich unterstütze dich.“

Du lebst in Köln. Ist Köln eine poetische Stadt?

Ja und Nein. Ich liebe Köln. Ich liebe die Poesie, die durch die vielen Kulturen entsteht. Ich liebe den Karneval und das gemeinsame Singen und die Lust am Verkleiden. Beim Veedelslied, irgendwo spontan a Capella, mit lauter eigentlich Fremden Arm in Arm, geht mir das Herz auf. Die lauten und aggressiven Saufereien und die Scherben am nächsten Morgen dagegen nerven.

Poesie ist ebenso Punk und Tatoo und faltig und rauh!

Sommer-Abende auf Kölner Plätzen sind zutiefst poetisch, wenn da jemand Gitarre spielt und so viele unterschiedlichste Menschen wie eine leise murmelnde Meeresbrandung zusammensitzen. Leider kippt es in dem Moment, in dem man nicht mehr achtsam miteinander ist. Dann, wenn Einzelne sich laut auf eine Bühne stellen und rücksichtslos und ohne Feingefühl etwas leben, von dem sie glauben, dass es grade für sie passt. Aber eben nur für sie.

Poesie ist da, wo sich ein Moment zu einer Wahrheit verdichtet, wo die Essenz des Lebens spürbar ist. Poesie ist nicht die 1.000ste Wiederauflage vom Kleinen Prinzen. Meine Idee von Poesie ist nicht Mainstream und nicht süß. Poesie ist ebenso Punk und Tatoo und faltig und rauh… Lediglich Gewalt und Dummheit schließen ihre Anwesenheit aus.

Welchen Ort hast du in Köln am liebsten?

Ich liebe den Herkulesberg. Ich arbeite zur Zeit an einer Video-Installation, die von den wunderbaren Waldwegen auf diesem Schuttberg mitten in der Großstadt erzählt. Wenn ich da mit meinem Hund spazieren gehe, komme ich bei mir an. Jeder Tag ist anders und alle sind schön. Man wird nachsichtiger mit sich und lässt wieder die vielen verschiedenen Schattierungen seiner selbst zu.

Aber ich liebe es auch morgens früh um fünf auf der Aachener Straße zu stehen. Diese Morgenstunde trägt alle Möglichkeiten in sich. Und die, die schon joggen gehen, treffen auf die, die die Nacht durchgefeiert haben. Vogelzwitschern nach lauter Clubmusik. Großartig.


Wer noch mehr über Julia und ZART AUF WEISS erfahren möchte, der sollte einen Blick auf ihre Website samt Online-Shop werfen.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Julia Nohr

Crewlove aus Postdam – Spring/Summer 2018 von Rotholz

Wie ihr wisst, bin ich großer Fan von Rotholz. Das kleine feine Label aus Postdam mit der minimalistischen Formensprache schafft es von Saison zu Saison, mit hochwertigen Eco Materialien schöne Basics und so manches Key Piece zu entwickeln. Seit gut zwei Jahren sind die Kleidungsstücke von Rotholz fester Bestandteil meiner nachhaltigen Garderobe. Just am Wochenende präsentierte die Marke ihre neue Spring/Summer 2018!

Die Sommerkollektion 2018 ist geprägt von eleganten Basics in gedeckten Farben. Im Vordergrund steht dabei wie auch schon in den letzten Saisons eine reduziert-geradlinige Ästhetik, die sich durch dezente Details abhebt von der Masse abhebt. Dabei reicht dieRotholz | Spring Summer 2018 | Space Series | Fotos: Rotholz | GROSS∆RTIG Bandbreite vom sportlichen Style mit 70er-Jahre-Anleihen bis
zum lässig-eleganten Streetwear / Urban Fashion-Chic.

Spacemen and Spacegirls, aufgepasst!

Wie in jeder Kollektion gibt es auch wieder ein Highlight, in limitierter Auflage. Diesmal ist es der Space Sweater mit Stick- und Printdetails. Die „Space Series“ ist zugleich eine Hommage an die Ursprünge von Rotholz, als vor allem kunstvolle Prints das Erscheinungsbild des Labels bestimmten. Die Serie wird von einem Cropped Sweater mit extra breitem Kragenband und einem space-schwarzen T-Shirt komplettiert. Das Thema Weltraum zieht sich auch farblich durch die gesamte weitere Kollektion.

Welche Materialien verwendet Rotholz?

Mit diesen Materialien arbeitet Rotholz:

  1. Wolle (sowohl reine Wolle als auch eine Mischung aus Wolle und Baumwolle)
  2. Bio-Baumwolle
  3. Leinen
  4. Recyceltes PET (die zertifizierten Recycling-Polyester-Garne entstehen aus recycelten PET-Flaschen)
  5. Tencel (umweltfreundliche Kunstfaster, hergestellt aus Zellulose)

Welche Zertifikate und Siegel verwendet Rotholz?

Diese Zertifikate und Siegel liegen bei Rotholz-Produkten vor:

  1. GOTS
  2. OCS Blended (gilt für alle Erzeugnisse, in denen Bio-Baumwolle gemeinsam mit anderen Materialien verarbeitet wird, z.B. beim Ankauf, Handling und Gebrauch von Fasern aus 100% zertifizierter Bio-Baumwolle in Garnen, Stoffen und fertigen Erzeugnissen)
  3. OEKO-TEX
  4. REACH Compliant
  5. Fair Wear Foundation (die Stiftung ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die mit Firmen und Fabriken zusammenarbeitet, um die Arbeitsbedingungen für die Textilarbeiter zu verbessern)

Wer die neue Kollektion einmal live und in Farbe erleben will, sollte dem Label einmal im Postdamer Showroom einen Besuch abstatten.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Rotholz

Fetisch Fashion von FUSC – Damaris und Rosa im Interview

Fair Fashion bietet uns anno 2018 eine große Bandbreite, um den eigenen Stil modisch auszudrücken. Fair Fashion hat aber auch seine Grenzen, wie etwa bei Clubwear und Fetisch Fashion. In diese Lücke stoßen Damaris Moos und Rosa Hirn mit ihrem noch jungen Label Fusc! Die Art von Schmuck und Mode, wie die beiden sie machen, gibt es bisher in der Upcycling- und Slow-Fashion-Szene kaum – und umgekehrt gibt es auch keine Clubwear oder Fetischkleidung, die aus wiederverwerteten Materialien besteht. Genau das wollen die beiden Gründerinnen ändern!

Liebe Damaris, liebe Rosa, wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

Wir haben uns schon während des Studiums an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim kennengelernt. Damaris hat dort Mode- und Rosa Schmuckdesign studiert. Wir hatten schon damals die Arbeit des anderen im Blick, die Gelegenheit für ein gemeinsames Projekt hat sich dann aber erst 2017 ergeben, als wir uns in Berlin wiedergetroffen haben.

Um was sollte sich das gemeinsame Projekt drehen?

Ausgangspunkt für die ersten Treffen war die Idee eines Upcycling-Projekts. Inspiriert von den Berliner Müllbergen haben wir Altkleider gesammelt und damit die ersten freien Experimente gestartet. Von der Altkleideroptik waren wir jedoch bald gelangweilt, da sie uns sehr abgegriffen vorkam. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach anderen Materialien gemacht, um einen Look zu kreieren, der edgy, anders und irgendwie schräg ist. Zufällig lagen in unserer wilden Bastelkiste neben Stoffen, verrosteten Metallteilen und diversen Sperrmüllschätzen auch ein paar kaputte Fahrradschläuche, -felgen und -speichen, die unser Interesse geweckt haben. Also fingen wir an, mit dem Material zu arbeiten und die ersten Modelle zu entwerfen. Dabei entstanden Ideen für Kopfschmuck aus Schläuchen und Speichen und Kleidungsstücke aus aneinandergenähten oder zu Streifen geschnittenen Schläuchen.

Die Berliner Müllberge kenne ich nur zu gut, vor allem die vielen „Fahrradleichen“, die einsam an Zäunen lehnen. Diese sind jetzt euer Arbeitsmaterial. Was verwendet ihr alles?

Uns fiel schnell auf, dass Fahrräder als Rohstoff sehr vielfältige Möglichkeiten für Schmuck und Kleidung bieten und wir dadurch beide unsere Kompetenzen gut einsetzen können. Fahrradschläuche sind haltbar, lassen sich gut verarbeiten und fühlen sich auf der Haut wie Latex oder Leder an. Aus den Felgen und Speichen lassen sich durch Löten, Sägen und Biegen sehr interessante Schmuckstücke fertigen.

Ihr hattet zu Beginn des Projekts gar nicht zwangsläufig an Fetisch Fashion und Clubwear gedacht …

Dass unser Look in die Fetisch- und Clubwear- Richtung geht, kristallisierte sich erst nach dieser ersten Entwurfsphase heraus. Da wir der Berliner Clubszene nicht fern stehen und „Alternative Fashion“ uns viel Freiraum für ausgefallende Entwürfe lässt, war das für uns eine passende Entwicklung. Bis zur offiziellen Firmengründung Ende 2017 haben wir unser Konzept in diese Richtung weiterentwickelt.

Grundsätzlich wollen wir uns aber nicht auf diese eine Szene beschränken, weil wir glauben, dass Fahrradmaterialien auch Potenzial für andere, straßentauglichere Entwürfe bieten. Außerdem planen wir für zukünftige Kollektionen mit weiteren gebrauchten Materialien zu arbeiten. Wir haben einfach großen Spaß an der Arbeit mit Fusc. In diesem Projekt verbinden wir das experimentelle Arbeiten mit Materialien und unser Interesse an alternativem und ungewöhnlichem Design mit dem Grundsatz von Upcycling und Nachhaltigkeit.

Wer noch mehr über die Arbeit von Damaris und Rosa erfahren will, der kann auf ihrer Website stöbern und sich bei Instagram inspirieren lassen. Wer ihre Kreationen auch einmal in Händen halten und anprobieren möchte, kann das im SYLD Store Berlin und im Tattoo Studio & Art Space R_1992!

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Fusc

Achtung, Hafendieb!

Wat is dat förn Schietwedder? Wem diese Frage Platt vorkommt, hat vollkommen Recht. Schietwedder bzw. Schanty heißt die neue Kollektion von Hafendieb aus Hamburg, die ihr unbedingt kennen solltet. Das Label von Martin Hagemann und Kai Dohse schmettert euch nicht nur ein gepflegtes „Moin“ entgegen, sondern zeigt euch modernen hanseatischen Fair Fashion Schick ohne Schnick-Schnack. Wer lieber das Fischbrötchen in der Hand als die Languste auf dem Teller genießt, ist beim Hafendieb genau richtig. Eine gute Prise Hamburger Roughness und die dreckige und ehrliche Atmosphäre eines Hafenviertels, dieses Lebensgefühl will das Label vermitteln und auf Stoff bannen. Kurz gesagt: Ehrliche Klamotten aus feinstem, nachhaltig produziertem Seemannsgarn für alle mit einem Gespür für den Charme des hohen Nordens.

Martin und Kai meinen dazu:

»Wie der Name schon vermuten lässt, haben wir uns von den traditionellen Seemannslieder trellernden Schanty Chören und dem immer schönen Hamburger Wetter inspirieren lassen. Ein Teil der neuen Artikel ist in Hamburg produziert und wie immer ist alles fair gehandelt.«

Die Umsetzung ist, wie man am Lookbook sehen kann, absolut gelungen. Hamburg durch und durch – finde ich als Berliner zumindest! Schanty aka Schietwedder ist ab sofort im Hafendieb-Store und online erhältlich. Nix wie ran ans Fischbrötchen, kann ich da nur sagen!

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Martin Hagemann und Kai Dohse