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Mach‘ Dein Ding – auch im eigenen Kleiderschrank

Wer meinen Ratgeber bereits gelesen hat und Lust darauf hat, seinen eigenen Kleiderschrank von Grund auf zu erneuern, der kennt bereits meine heiße Empfehlung: „Das Kleiderschrank-Projekt“ von Anuschka Rees. Die Autorin verspricht nicht nur, sondern bringt dich auch wirklich systematisch zum eigenen Stil und zu bewusstem Modekonsum. Deswegen kann ich Anuschkas Buch aus dem Jahr 2017 und das begleitende Praxisbuch, das frisch in diesem Jahr veröffentlicht wurde, nur allen wärmstens ans Herz legen.


Mehr Platz für die eigenen Lieblingssachen – das ist eigentlich das große Ziel, das Anuschka Rees mit ihren beiden Büchern verfolgt. Obwohl, eigentlich nimmt die Autorin vielmehr uns an die Hand. Sie führt uns Schritt für Schritt durch einen grundlegenden Erneuerungsprozess in Bezug auf die eigene Kleidergeschichte. Dabei geht es ihr glücklicherweise nichr darum, nur auf den Neukauf zu setzen, sondern betont das, was wir schon längst in unserem Schrank haben.

»Stil braucht Übung, wie alles im Leben.«

Von der richtigen Bestandaufnahme über die Trennung von einzelnen Kleidungsstücken und der Zusammenstellung einer eigenen Capsule Wardrobe bis hin zur eigenen Stilfindung lässt „Das Kleiderschrank-Projekt“ keine Wünsche übrig. Für alle, die sich ernsthaft mit dem eigenen Kleiderkonsum auseinandersetzen wollen gibt es praktische Tipps rund um den eigenen Stil, einfache Stylingtricks und einen ausführlichen Leitfaden, wie jede/r den Kleiderschrank nachhaltig überholen kann, inklusive Schritt-fuür-Schritt-Anleitungen.

Das Kleiderschrank-Projekt – die Zusammenfassung

(c) Benjamin Thies

Der Kleiderschrank ist voll bis oben hin und trotzdem beschleicht einen immer wieder das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben. Preisaktionen verleiten uns zu unüberlegten Fehlkäufen und bis das passende Outfit steht, vergeht Morgen für Morgen viel mehr Zeit, als uns lieb ist. In Zeiten von Fast Fashion und ständig wechselnder Modetrends fällt es schwer, Kleidungsstücke auszuwählen, die perfekt zu einem passen und die man lange und selbstbewusst trägt. Genau an diesem Punkt setzt Anuschka Rees an: Sie gibt nicht vor, welche Teile jede/r unbedingt im eigenen Schrank hängen haben sollte, sondern leitet dazu an, ganz individuell herauszufinden, was man wirklich braucht – und was nicht. Sie präsentiert einfache und überzeugende Strategien, um den eigenen Stil zu entwickeln, und zeigt, wie man mithilfe der richtigen Technik lernt, erfolgreich auszumisten, bewusster zu konsumieren, gute Qualität zu erkennen und das Beste aus seinem Budget herauszuholen.

„Das Kleiderschrank-Projekt – Systematisch zum eigenen Stil und zu bewusstem Modekonsum“ (272 Seiten, 96 farbige Abbildungen) sowie „Das Kleiderschrank-Projekt. Praxisbuch“ (240 Seiten) von Anuschka Rees sind im Dumont Verlag erschienen. Die Bücher sind für 28,00 € bzw. 22,00 € käuflich zu erwerben.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos (Bücher): Alf-Tobias Zahn
Foto (Autorin): Benjamin Thies

Funktionskleidung neu gedacht – NASCH Sportswear

Den inneren Schweinehund überwinden – das ist in diesen Festtagen und bei regnerischem oder schneekaltem Wetter nicht immer einfach. Doch gerade in diesen Zeiten ist es umso wichtiger, regelmäßig Sport zu machen und aktiv zu bleiben. Egal, ob es die morgendliche Joggingrunde, die Boulderrunde oder eine Ausfahrt mit dem Rad ist. Mindestens genauso wichtig ist es, dabei die richtige Sportswear zu tragen. Und mit „richtig“ meine ich in diesem Zusammenhang nicht nur, dass die Funktionskleidung uns nicht nur warm hält und Bewegungsfreiheit garantiert, sondern dass unsere Sportkleidung eben auch mit Sinn hergestellt wurde. Das ist bei NASCH aus Wien der Fall. Im aktuellen Crowdfunding von Gründerin Nadine Schratzberger habt ihr noch die Gelegenheit, die richtige Sportjacke für eure Outdoor-Aktivitäten zu finden.


Nadine macht mit ihrem Label Sportswear für Männer. Sie designt Jacken, die durch Veränderungen im Schnittdesign und der Stoffe kompatibel mit drei verschiedenen Sportarten sind: Joggen, Klettern und Radfahren. Die verwendeten Materialien sind entweder kontrolliert biologisch angebaut worden oder sind recycelt, wobei Letzteres bedeutet, dass Nadine von größeren Firmen die Leftovers aufkauft, um die diesem erstklassigen Müll eigene Produkte zu fertigen. Nicht nur clever, sondern auch ziemlich nachhaltig. Produziert werden die Jacken in Portugal. Die Manufaktur hat Nadine persönlich besucht und kann so aus eigener Hand für die Qualität und die sozialen Arbeitsbedingungen vor Ort garantieren, auch ohne Zertifikat.

Der „Circle of NASCH“ – Funktionskleidung neu gedacht

Im Frühjahre 2018 gründete Nadine ihr Label – und führt dieses auch weiterhin alleine. Eine Herkules-Aufgabe, der sie sich aber jeden Tag aufs Neue stellt. Gerade ein Crowdfunding bindet hier viel Zeit und Energie. Doch im persönlichen Gespräch merkt man sofort, dass Nadine nicht nur von ihren Produkten überzeugt ist, sondern auch von ihrem eigenen Weg. Mit einer Mischung aus Online- wie Offline-Events will sie es schaffen, dass die Produktion ihrer Jacken Wirklichkeit wird.

Was macht NASCH aus?

  • Nachhaltige Bekleidung, die bei Abnutzung repariert bzw. zu einem neuen Produkt umfunktioniert werden kann
  • Jede Jacke lässt sich zu einem kleinen Paket verpacken und ist damit für Alltag und Reisen sehr praktisch
  • Außergewöhnliche Designs heimischer KünstlerInnen, die Mode und Style miteinander verbinden

Doch lassen wir Nadine einfach selbst erzählen, für was ihr Label steht:

The Runner / The Climber / The Cycler und The Base

Insgesamt drei Funktionsjacken hat Nadine entwickelt, die auf die jeweiligen Bedürfnisse der Aktivitäten eingehen. Von der Qualität der Verarbeitung konnte ich mich persönlich überzeugen und durfte auch schon in die Jacken schlüpfen. Mir hat es vor allem The Runner angetan, in der Artist Edition von Boi Cut. Die Jacke ist wasser- und windabweisend, besteht vollständig aus Leftovers und ist zudem BLUESIGN approved. Neben den spezifischen Sportjacken gibt es noch eine sehr klassische Softshell-Jacke in Nadines Funktionskleidung-Sortiment.

Crowdfunding Power gesucht – noch bis 19.12. auf Kickstarter

Noch bis zum 19. Dezember geht es für Nadine im Crowdfunding um die Finanzierung ihrer Kollektion. Über 100 Supporter konnte sie bereits überzeugen, benötigt aber noch weitere Unterstützung, um die Gesamtsumme von 30.000 EUR einzusammeln. Dafür hat sie sich einige sehr schöne Rewards bei Kickstarter ausgedacht und bietet natürlich ihre Sportjacken zu einem exklusiven Preis an. Ich drücke Nadine die Daumen, dass sie ihre Vision von richtiger Sportswear im nächsten Jahr mit einem großen Crowdfunding-Schub weiterverfolgen kann!

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: NASCH

Der Hafendieb sendet neue SIGNALE

Hört ihr schon die Signale? Das Hamburger Label Hafendieb ist wieder umtriebig gewesen. Vor wenigen Tagen gingen sie mit ihrer brandneuen Winterkollektion SIGNALE HW 18–19 an den Start. Wie immer ist das bei Hafendieb eine Seemann’sche Angelegenheit, und so steht auch diesmal die Seefahrt im Mittelpunkt! Genauer gesagt: das Flaggenalphabet.

Wer es von euch Landratten noch nicht wusste, weil er bei Käpt’n Blaubär nicht aufgepasst hat, dem sei folgendes erklärt: Jeder Buchstabe im Alphabet hat eine bestimmte Bedeutung in der Schifffahrt. Diese Bedeutung wird durch eine Flagge zum Ausdruck gebracht. Die Flaggen dienen der visuellen Kommunikation, damit es auf hoher See nicht rummst! Beispiele gefällig?

  • Der Buchstabe G (Golf) steht für „Ich brauche einen Lotsen“
  • Der Buchstabe O (Oscar) steht für „Mann über Bord“
  • Der Buchtsabe U (Uniform) steht für „Ihnen droht Gefahr“

Neben den „Flaggen“-Motiven bietet das Label in diesem Jahr neue Farben der beliebten und in Portugal produzierten „Smutje“-Strickpullis an. Außerdem gibt es neue Fein -und Grobstrick-Mützen sowie Schals aus zertifizierter Bio-Baumwolle in verschiedenen Farbtönen, die ebenfalls in Portugal produziert wurden.

Meine Highlights der Winterkollektion SIGNALE HW 18–19

In der SIGNALE-Kollektion haben es mir vor allem zwei Produkte sehr angetan:

Dabrüber hinaus freut es mich, dass sich Hafendieb aus meiner Sicht sukzessive weiterentwickelt und für die Winterkollektion visuell ganz neue Wege geht. Das muss ja nicht immer gut gehen, wenn man sich von Kollektion zu Kollektion ein anderes Erscheinungsbild gibt. Doch dem Label ist es rundum gelungen. Glückwunsch von Berlin nach Hamburg – ich hoffe, dass wir auch 2019 noch viele frische Ideen und Signale von euch sehen werden.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Hafendieb

Coco Malou ethical Lingerie – Seidenweiche, feminine Dessous

Unterwäsche trägt jede/r von uns. Natürlich müssen wir uns auch bei dieser Gedanken machen, ob die Materialien gut sind und die Haltbarkeit gewährt ist. Genauso wichtig ist es aber auch, sich in dieser Unterwäsche auch wohl zu fühlen – und das ist nicht immer so einfach. Weil sie unzufrieden war, was ihr an Unterwäsche angeboten wurde, entschied sich Corinna Borucki dazu, ihr eigenes Label zu gründen. Mit Coco Malou ethical lingerie bietet sie jetzt über ihr aktuelles Crowdfunding bei Startnext ihre allererste Kollektion an. Im Interview mit Corinna, die nicht nur Labelinhaberin, sondern auch erfolgreiche Bloggerin ist, habe ich nicht nur über Ethical Lingerie gesprochen, sondern auch über die andauernde Sexualisierung des weiblichen Körpers und Bodypositivity!


Seit wenigen Tagen ist dein erstes Crowdfunding live – und zwar für dein eigenes Label Coco Malou. Wie groß war deine Anspannung vor dem Live-Gang?

Ganz ehrlich: Riesig! Auch wenn man schon ein Netzwerk hat, weiß man ja überhaupt nicht, wie es anläuft und ob die Menschen tatsächlich bereit sind, zu kaufen. Alle schrieben nur, sie sind super gespannt, was natürlich fein ist, aber die eigene Anspannung noch etwas weiter nach oben treibt.

Du arbeitest schon seit Anfang 2018 an der Idee. Wie kam es dazu, dass du dich dafür entschieden hast, eigene Ethical Lingerie herzustellen?

Ich habe schon seit 2017 mit dem Gedanken gespielt, weil ich einfach nicht das Richtige im Bereich Unterwäsche gefunden hab, das mir so richtig gut gefiel. Es gibt zwar schon einige faire Labels und manche sind auch sehr hübsch, aber die meisten sind doch eher sportlich und/oder basic. Gerade im Bereich BHs gibt es noch nicht sehr viel Auswahl, weil es natürlich einfacher ist, ein Bustier oder Bralette zu produzieren als einen Schalen- bzw. Bügel-BH. Allein durch die Größen kommt da sehr viel Komplexität rein und es ist extrem schwer, eine Produktionsstätte in Europa zu finden, die das überhaupt noch kann.

Was ist für dich der große Unterschied von Coco Malou im Vergleich zu anderen Lingerie Labels?

Der Fokus auf moderne, feminine Schnitte mit Spitze und Tencel. Viele andere faire Lingerie Labels arbeiten mit Baumwolle, was mir persönlich nicht so gut gefällt. Außerdem gibt es bei Coco Malou eben auch Schalen BHs statt nur dünner Bustiers. Und im Vergleich zu konventionellen Alternativen: bessere Materialien und faire Produktion in Europa!

Wo lässt du jetzt produzieren und wie bist du auf die Produktionsstätte gekommen?

Ich lasse jetzt in Lettland produzieren, in einer kleinen Stadt, die bekannt ist für ihre Textilbranche und insbesondere Wäsche. Es war allerdings eine sehr lange Suche. Ich hatte mit zig Produktionsstätten Kontakt. Am Ende kam ich über einen meiner Lieferanten zu der Empfehlung meines jetzigen Produzenten.

Woher beziehst du das TENCEL? Und warum ist es aus deiner Sicht das bessere Material im Vergleich zur Baumwolle?

Unser Tencel kommt von Lenzing aus Österreich. Besser ist immer relativ, aber hinsichtlich der Trageeigenschaften hat Tencel viele Vorteile: Die glatte Oberfläche der Faser sorgt dafür, dass sich Tencel besonders weich und angenehm auf der Haut anfühlt. Durch die Fibrillen-Struktur wird entstehende Feuchtigkeit sehr schnell abtransportiert. Da sich so keine Feuchtigkeit an der Faseroberfläche ansammelt, wird die Bildung von Bakterien verhindert. Laut einer Labor Studie von der Medizinuniversität Innsbruck von 2014 entstehen auf Kunstfasern wie Polyamid oder Polyester bis zu 2000 Mal mehr Bakterien als auf Tencel-Fasern. Baumwolle nimmt Feuchtigkeit übrigens gut auf, trocknet aber sehr langsam, also nicht ideal wenn man viel schwitzt.

Baumwolle ist kritisch zu betrachten

Vom ökologischen Aspekt ist Baumwolle leider auch kritisch zu betrachten: Sie braucht Temperaturen von mindestens 15° C, etwa ein halbes Jahr lang keinen Frost und viel direkte Sonneneinstrahlung. Regen während der Reifeperiode verschlechtert außerdem die Qualität, weshalb der Anbau hauptsächlich in Gebieten mit warmen, trockenem Klima erfolgt. Da die Baumwollpflanze sehr durstig ist und große Mengen Wasser braucht, muss sie aufwändig bewässert werden. Da schneidet Tencel, welches aus Zellulosefasern aus Bäumen gewonnen wird, deutlich besser ab; da diese weder künstlich bewässert noch gedüngt oder gespritzt werden. Zudem wird deutlich weniger Fläche benötigt, um die gleiche Menge an Faser zu gewinnen. Deswegen habe ich mich für Tencel als Hauptmaterial entschieden.

Über welches Stück aus deiner Kollektion freust du dich am meisten?

Mein persönlicher Favorit ist der BH Malina, aber auch das Höschen Charlotte. Bei letzterem hab ich lang überlegt, ob ich es überhaupt mit aufnehmen soll, weil eine Insta-Umfrage ergeben hatte, dass nur knapp 1/3 gern high waisted Slips tragen. Momentan liegt es aber auf Platz 2 von 4!

Die immer währende Sexualisierung des weiblichen Körpers ist seit längerem ein großes Thema. Nicht nur durch die immer gleichen Titelseiten zum Thema „Körper“ oder auch „Beauty“, sondern auch durch Formate wie „Sylvies Dessous Models“. Wie geht es damit als Gründerin eines Lingerie Labels damit um?

Ich denke im Bereich Lingerie kann man das auch nicht 100% vermeiden. Dennoch soll die Bildsprache von Coco Malou ästhetisch und feminin anstatt aufreizend oder sexualisierend sein. Ich hoffe, das kommt auch so rüber. Letzten Endes finde ich den weiblichen Körper einfach wunderschön und freue mich auch, Frauen schön in Szene zu setzen, damit sie sich wohl in ihrer Haut fühlen – ohne dabei ein Objekt zu sein.

Wie wichtig ist dir in dem Zuge „Bodypositivity“, für die auf Instagram leidenschaftliche gekämpft wird?

Sehr wichtig! Ich habe bei den Models versucht, auf unterschiedliche Körpertypen zu achten und nicht nur den klassischen schlanken Modeltyp darzustellen, wie die meisten Labels es tun. Wir brauchen in der Modeszene noch viel mehr Diversität, denn Instagram ist, neben den tollen Selflove Influencern, leider auch voll mit falschen Vorbildern und Accounts, die einem vorgaukeln, man müsse täglich zum Sport, jede Menge Protein-Shakes trinken und sich runterhungern, um erfolgreich zu sein. Das ist die falsche Message und versaut sicherlich vielen Teenagern ihre eigene Realität. Daher finde ich es wichtig, gerade im Bereich Wäsche, wo man unweigerlich viel Haut sehen muss, zu zeigen, dass es viele Arten von Schönheit gibt.

In einem deiner Post schreibst du, dass du bereits viele weitere Ideen rund um Coco Malou hast. Auf was dürfen wir uns in der nächsten Zeit noch freuen?

Also erst mal muss die erste Kollektion gut anlaufen. Aber dann plane ich im Jahr 2019 auch größere Cups anzugehen und noch mehr mit Spitze und Transparenz zu arbeiten. Drück mir die Daumen, dass es soweit kommt!


Die Daumen werden kräftig gedrückt, liebe Corinna, dass du auch die zweite Fundingschwelle im Sturm nimmst und deine Ideen umsetzen kannst!

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Corinna Borucki und Lisa Pommerenke

For Schur – Zero Waste für Kids

Zero Waste in ein Konzept, mit dem ich mich sehr anfreunden kann. Denn: Wenn bei einem neuen Produkt kein Abfall entsteht, ist das eine gute Sache und definitiv ein guter Weg, um einen nachhaltig zusammengestellten Kleiderschrank zu haben. Doch das ist leichter gesagt oder geschrieben, als getan. Die Herausforderung besteht darin, die Materialien so optimal zu nutzen, dass eben kein Verschnitt oder ähnliches entsteht. Wie kann das in der Praxis funktionieren? Meine Frage hat mir Nina Krake beantwortet. Gemeinsam mit ihrer Freundin Tabea Börner hat sie das Zero-Waste Kindermodelabel »For Schur« gegründet.

Nina Krake und Tabea Börner von „For Schur“


Liebe Nina, ihr verwendet für »For Schur« Wolle. Genauer gesagt: Wolle von aussortierten Wollpullovern. Wie kommt ihr eigentlich an das Material?

Als wir anfingen, nähten wir noch selbst und kauften „unsere“ Wollpullover in Second Hand Geschäften ein. Die Nachfrage war jedoch ziemlich schnell so groß, dass diese Pullover nicht mehr reichten. Außerdem produzieren wir das ganze Jahr über und im Sommer gibt es keine Wollpullover in Second Hand Läden. Wir wussten, dass man Altkleider auch in Textilsortieranlagen kaufen kann. Jedoch wird dort nicht speziell nach Material sortiert und wir mussten sehr hartnäckig sein, bis wir eine Anlage überreden konnten, speziell Pullover aus 100 Prozent Wolle oder 100 Prozent Kaschmir zu sortieren.

Zero Waste bedeutet, dass ihr die Reste, die im Zuschnitt anfallen, weiterverarbeitet. Was fertigt ihr aus diesen noch guten Resten?

Unser Anspruch ist es, nahezu nichts von diesem, für uns so wertvollen Material zu verschwenden. Daher optimieren wir unseren Zuschnitt laufend, schauen was übrig bleibt und überlegen uns, was wir mit den Resten außerdem anfangen können. Die kleinsten Schnipsel verarbeiten wir aktuell zu Handschuhen und Tragestiefelchen für Babys.

Was macht ihr mit Stoffen, die eigentlich noch gut sind, aber vielleicht einen kleinen Makel haben, etwa fleckige Stoffe?

Einige Wollpullover werden von uns gewalkt, damit wir sie zu dicken Überhosen verarbeiten können. Auch die Bündchen dieser Hosen sind aus alten Pullovern und keine Meterware. Wir brauchten eine Möglichkeit, die normalen, dehnbaren Wollstoffe zu verstärken und so kam uns die Idee, innen die Stoffe zu nehmen, die optisch nicht einwandfrei sind. Die Funktion ist natürlich noch gegeben, man möchte sie nur nicht unbedingt sehen. So sind unsere dicken, warmen und festen Wollbündchen entstanden und wir müssen noch weniger wegwerfen.

 

Warum habt ihr Euch überhaupt dazu entschieden, Mode für Kinder zu machen?

Tabea und ich fingen in der Elternzeit an, für unsere Kinder zu nähen. Daraus entwickelte sich sehr schnell eine große Leidenschaft. Da wir große Fans von Wollkleidung für Kinder sind, suchten wir, leider vergebens, nach passender Meterware in Öko-Qualität. Was wir fanden waren aussortierte, zum Teil löchrige Wollpullover, an denen noch ausreichend intakter Stoff dran war, um daraus Kinderkleidung zu nähen. Viel benötigt man ja schließlich nicht für die Kleinsten. Wir wurden sehr oft auf unsere Werke daraus angesprochen, auch von Fremden auf der Straße, so dass wir uns überlegten, daraus ein Businessmodell zu entwickeln. Wir wollten aber nicht unser Hobby zum Beruf machen, sondern wir wollten ein Unternehmen mit Geschichte gründen und einen Arbeitsplatz schaffen, an dem es uns und zukünftigen Mitarbeitern gut geht.

Jedes Zero Waste Label hat, so mein Eindruck, eine eigene Motivation, so zu arbeiten. Warum habt ihr Euch für diesen Weg entschieden?

Der ökologische Aspekt ist uns in unserer Arbeit besonders wichtig. Konventionelle ökologische Mode wird zum Großteil aus neu produzierten, ökologischen Stoffen hergestellt (kbT bzw. kbA). Das ist natürlich super und deutlich besser als Fast Fashion, jedoch verbraucht auch diese Herstellungsarte wertvolle Ressourcen. Wir wollten noch ein kleines bisschen mehr und verwenden daher ausschließlich bereits vorhandene Materialien. Besonders bei Wolle macht das Sinn, denn reine Wollstoffe sind von sehr hoher Qualität. Durch die Beschaffenheit der Faser sind sie absolut farbecht, sie verwaschen nicht, so wie man es zum Beispiel von Baumwollstoffen kennt. Wir bekommen teilweise Pullover, in denen „Made in West-Germany“ steht. Man kann sich also ausrechnen, wie alt diese bereits sind. Trotzdem sieht der Stoff immer noch aus wie neu und dem entsprechend stehen unsere Produkte konventioneller Neuware in nichts nach. Genau aus diesem Grund lohnt es sich, die Arbeit, die Upcycling mit sich bringt, in diese Stoffe zu stecken und ihnen ein neues Leben zu schenken.

Wie hat sich »For Schur« in den zurückliegenden Jahren entwickelt?

Wir begannen nach der Elternzeit im Herbst 2016 bei mir in der Küche den Onlineshop zu bauen und eine Kollektion zu entwickeln, im November zogen wir in ein kleines Atelier in einem kreativen Co-Working-Space und mittlerweile sind wir alleine in diesem und haben insgesamt 6 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Produktion und Kundenservice.


Ein toller Weg, den Nina und Tabea eingeschlagen haben und konsequent weitergehen. Am meisten freut mich, dass es »For Schur« gelingt, schöne Kinderkleidung mit diesen guten ökologischen Aspekten zu verbinden. Ich wünsche den beiden Gründerinnen für die weiteren Jahre mit ihrem Label viel Erfolg!

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: For Schur

Sustainable Crowdfunding News

Die Winterzeit ist auch die Zeit für Crowdfundings. Zumindest bemerke ich diesen Trend Jahr für Jahr. Kurz vor dem Jahreswechsel sprießen einige sehr gute Ideen aus dem Boden, die noch auf Unterstützung aus der Crowd warten. Auf vier Crowdfundings bin ich aufmerksam geworden, die ich euch gerne vorstellen möchte.


Ist der Sweater von Blue Ben tatsächlich der softeste Sweater, den du jemals getragen hast? Die Frage kann ich zumindest mit einem klaren „Ja“ beantworten. Vor einigen Wochen traf ich mich mit Ali Hazimi, einem der Gründer von Blue Ben, und durfte aus erster Hand erfahren, warum es „The Blue Sweater“ gibt und auf welche Innovationen im Entstehungsprozess gesetzt wurden. Vor allem aber durfte ich den Sweater in Händen halten und weiß seitdem, dass es wirklich kaum softer geht! Für alle, die auf Baumwolle verzichten und einmal 100 Prozent Buche tragen wollen, ist der Sweater genau das Richtige.

Crowdfunding: Kickstarter
Highlight Reward: The Blue Sweater in Lemon Curry
Ziel: 22.200,00 EUR
Unterstützen bis: Donnerstag, 6. Dezember 2018, 12:19 Uhr

Mehr über THE BLUE SWEATER in Kürze im Blog!


Als ich das erste Mal von NASCH Sportswear hörte, war es über meine liebe Freundin Marion (aka Fuffi Brand). Die Idee dahinter, nachhaltige Sportbekleidung zu machen, finde ich als Freizeitjogger immer gut und sinnvoll. Es gibt in diesem Segment weiterhin zu wenige wirklich gute Alternativen. Als ich dann die ersten Fotos der Jacken sehen konnte, traute ich meinen Augen kaum: Sie sahen knallige Farben und sehr gut durchdachte Details, die Jogger*innen, Radfahrer*innen und Kletterfreund*innen definitiv gut gebrauchen können. Umso mehr freue ich mich auf Freitag, wenn ich das NASCH-Team persönlich kennenlernen werde und die Jacken unter die Lupe nehmen kann.

Crowdfunding: Kickstarter
Highlight Reward: The Runner
Ziel: 30.000,00 EUR
Unterstützen bis: Mittwoch, 19. Dezember 2018, 18:02 Uhr

Mehr dazu in meiner Instagram Story am Freitagabend und in der ausführlichen Vorstellung im Blog!


Ethical Lingerie von Coco Malou

Blogger machen Mode – das geht nicht immer gut. Neben Madeleine Alizadeh mit dariadéh und Alex und Janine von TOO COOL FOR CRUEL setzt eine weitere Bloggerkollegin zum modischen Höhenflug an. Corinna Borucki (aka Kissen und KarmaInstagram) hat seit Anfang des Jahres ein eigenes und vor allem faires Dessous Label: Coco Malou! Das, was es bisher in nachhaltig und fair zu kaufen gab, hat ihr einfach nicht zu 100 Prozent gefallen. Kurzerhand entschied sie sich dazu, es selbst einfach besser zu machen. „Kurzerhand“ stimmt dabei nicht ganz, denn es ist ein langer Weg, auf dem man Durchhaltevermögen haben muss. Seit wenigen Tagen ist nun das Crowdfunding für die erste Kollektion voin Coco Malou online und ihr habt die Gelegenheit, einem noch jungen Label den Start zu ermöglichen.

Crowdfunding: Startnext
Highlight Reward: Set „Louisa + Hazel + Baum“
Ziel: 15.000,00 EUR
Unterstützen bis: Samstag, 1. Januar 2019, 23:59 Uhr

Mehr über Corinnas Ideen mit Coco Malou im ausführlichen Interview!


Galerie und Concept Store von von GALLERY MALINA

Malina Sebastian habe ich euch 2016 bereits vorgestellt. Die Designerin entwickelte unter ihrem eigenen Womenswearlabel MALINA Ready-to-wear Kollektionen, die hochwertige Materialien mit modernen Design und Experimentierfreude verbinden. Jetzt hat sie sich einem anderen, sehr spannenden Konzept zugewendet: einer eigenen Modegalerie in Berlin-Mitte, welche eine Symbiose aus nachhaltiger Mode und Kunst ausdrückt. Die Gallery Malina fokussiert sich auf Marken, welche sich durch einen nachhaltigen und innovativen Charakter auszeichnen und diesen mit einem hochwertigen Design kombinieren. Aus der Auseinandersetzung miteinander entstehen wechselnde Ausstellungen, deren Manifest durch Künstler begleitet werden. Wie sieht das in der Praxis aus: Das Konzept der Ausstellung INCLUSION zum Beispiel beschäftigte sich  mit Menschen mit Behinderungen und wurde durch Vortragsreihen von Bezgraniz Couture und AUF AUGENHOEHE begleitet. Abgerundet wurde die Ausstellung durch Malereien von Menschen mit Behinderungen. Ziel des Crowdfundings ist, weitere Ausstellungen zu ermöglichen, die Einrichtung zu erweitern und den Laden langfristig zu führen.

Crowdfunding: Startnext
Highlight Reward: Goodybag mit BIOTURM Wacholder Ducshgel
Ziel: 3.000,00 EUR
Unterstützen bis: Freitag, 7. Dezember 2018, 23:59 Uhr


Text: Alf-Tobias Zahn
Foto (Teaser): Photo by Charles Deluvio 🇵🇭🇨🇦 on Unsplash
Weitere Fotos: Rechte liegen bei den jeweiligen Unternehmen

Der Strick sei mit dir! Die Fall/Winter 2018 Kollektion von Rotholz

Meine Homies und Sisters von Rotholz haben sich für die aktuelle Herbst/Winter Kollektion etwas Neues vorgenommen. Zum ersten Mal gibt es feinen Strick von dem Potsdamer Label. Vom Bauhaus inspiriert und made in Germany verzücken sie mit ihrem neuen Lookbook. Doch was versprichen uns Rotholz damit eigentlich?


Auch in dieser Kollektion bleibt sich Rotholz treu – und dem Einfluss des Shibusa, dem traditionellen japanischen Prinzip der ästhetischen Zurückhaltung. Vor allem die klare Linienführung zeugt von dieser Inspirationsquelle. Im Fokus für die kalte Jahreszeit liegen diesmal warme Stoffe und Farben, die den Layering-Look unterstützen und zu allen Gelegenheiten getragen werden. Gut aussehen kann man ja bekanntlich immer, egal ob im Büro, im Coworking Space oder beim chillaxen auf der eigenen Couch. Die Strickserie wurde in einem Familienbetrieb in Norddeutschland produziert. Verwendet wurde italienische Merinowolle, die Ökotex 100 zertifiziert – sprich: Das Material ist frei von schädlichen chemischen Substanzen. Alle Schäfer halten sich zudem an die IWTO-Richtlinien. Außerdem wird das Garn in Deutschland und Italien gesponnen und eingefärbt und unterliegt so den EU-Richtlinien.

IWTO-Richtlinie
The IWTO Specifications for Wool Sheep Welfare are also a cornerstone of the Dumfries Wool Declaration, the industry’s 10-point declaration of intent to support an environmentally responsible, sustainable and commercially viable wool industry.

Natürlich gibt es – wie in jeder Rotholz Kollektion – ein Signature Piece. Dieser Troyer ist diesmal vom Bauhaus inspiriert worden und besteht aus 100 Prozent Schurwolle, spielt mit in Primärfarben abgesetzten Segmenten, arbeitet mit einem auffälligen Kontrast und definiert einen ganz eigenen Stil.

Auch abseits von Wolle hat Rotholz an der ein oder anderen Stellschraube gedreht. Mein geliebter Signature Hoodie ist jetzt auch in einem winterlichen Weiß erhältlich und die Cropped Beanies sind in poppigem Rot, Royalblau und Sonnenblumen-Gelb käuflich zu erwerben. Eine erneut – und ungelogen – rundum tolle Kollektion, die das aufstrebende Potsdamer Label aus dem Hut gezaubert hat.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Clara Nebeling

Sag es mit TOO COOL FOR CRUEL

Statement-Shirts sind das neue IT-Piece der open minded generation – und TOO COOL FOR CRUEL von Alexander Niederhofer und Justine Siegler liefert euch die Ausstattung dafür! Doch die beiden Gründer wollen dir nicht nur das nächste faire Kleidungsstück verkaufen, sondern liefern zu Themen, die ihnen wichtig sind und die es als Statement auf die Shirts und Hoodies geschafft haben, informative Hintergundinformationen. Kurz gesagt: Mit TOO COOL FOR CRUEL zeigt ihr klare Kante und seid gut informiert.


Justine Siegler und Alexander Niederhofer von TOO COOL FOR CRUEL

Die Themen Fair Fashion, Veganismus, Gleichberechtigung, weniger (Plastik)müll, Feminismus und Selbstliebe sind den beiden Gründern ausgesprochen wichtig. In der Premierenkollektion haben Alex und Justine die Statements

  • FUCK RACISM,
  • FAST FASHION KILLS,
  • FEMINIST,
  • PLANTBASED,
  • NO STRAW PLEASE,
  • SELFLOVER und natürlich TOO COOL FOR CRUEL

auf die fairen und veganen Shirts, Hoodies und Pullis gedruckt. In coolen Farben und aus 100% Biobaumwolle sind die Produkte im Online-Shop zu finden. Begleitend gibt es zu allen Statements und Themen die wichtigsten Fakten und Gründe, warum man sich dafür einsetzen soll.

PLANTBASED = Vegane Ernährung
Die Fleischindustrie stellt eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit dar. Sogar die Transportindustrie erzeugt weniger Treibhausgase. Unser Planet kann der unfassbaren Belastung einfach nicht mehr lange standhalten. Der Klimawandel ist real und die Massentierhaltung hat einen erheblichen Teil dazu beigetragen. Wie umweltschädlich Fleischkonsum wirklich ist, zeigt der Fakt, dass der CO2-Abdruck eines Veganers nur halb so groß ist, wie der eines Fleischessers. Es macht also nicht nur aus ethischen und gesundheitlichen Gründen Sinn, zumindest teilweise oder eben ganz auf Fleisch und Milchprodukte zu verzichten. Auch die Umwelt wird massiv entlastet werden, wenn erstmal mehr Menschen immer häufiger vegetarisch oder vegan essen. Deshalb sind wir uns sicher, dass eine vegane Ernährung die Lösung ist. Jeder kann etwas dazu beitragen, das Leid von Millionen Tieren und Menschen zu beenden. Selbstverständlich enthalten unsere Teile keinerlei tierische Produkte.

Auszug TOO COOL FOR CRUEL

Darüber hinaus ist den beiden Fair Fashion Aktivisten natürlich wichtig, dass ihre Produkte auch aus einer guten Produktion stammen:

  • Hochwertiger Siebdruck in der Slowakei unter fairen Arbeitsbedingungen
  • Plastikfreie Verpackung in der gesamten Kette
  • Nur 100% organic cotton
  • CO2-Neutraler Versand mit der österreichischen Post
  • Recyceltes Papier bei den Flyern

»Wir haben bewusst bei den Basisteilen nach der optimalen Qualität gesucht, damit alles langlebig ist. Wir haben bewusst überlegt, was wir selbst beim Kaufen gut und wichtig finden und das dann in unser Verkaufverhalten übersetzt«, so Alex in unserem Vorgespräch. Justine ergänzte, dass sie zum Beispiel kein Polyester-Etikett im Nacken der Produkte verwenden würden, sondern es einfach eingedruckt haben. Die beiden haben demnach versucht, bei wirklich jedem Detail ihres Labels Nachhaltigkeit groß zu schreiben – und es ist ihnen offensichtlich sehr gelungen!

Früher zudecken, jetzt anziehen: Boxershorts aus alter Bettwäsche! Interview mit Kira und Sophie von soki Kassel

Ab und an stoße ich beim Stöbern auf neue nachhaltige Modelabels, die tolle Ideen verwirklichen. So entdeckte ich vor kurzem das Label von Kira Kimm und Sophie Roscher. Die beiden machen mit soki Kassel aus alter Bettwäsche neue Boxershorts. Upcycling nennt sich das – und das geht sogar mit der eigenen „alten“ Lieblingsbettwäsche. Doch soki Kassel ist dann doch mehr als „nur“ ein DIY-Boxershorts-Label, wie ich im Interview mit Kira und Sophie erfahren durfte!


Wie kam es zur Gründung eures eigenen Labels?

Nach unserer Ausbildung haben wir uns verabredet, um mögliche Zukunftsvisionen zu besprechen. Vielleicht hatten wir ein Glas Wein zu viel, jedenfalls haben wir an dem Abend mutig unsere Selbstständigkeit geplant. Tatsächlich sind wir am Tag danach direkt zum Gewerbeamt und haben alles angemeldet. Zunächst haben wir in meinem alten Kinderzimmer unser Atelier eingerichtet. Wir wollten erstmal sehen, ob das, was wir vorhatten, in Kassel überhaupt ankommt. Nach gut 1,5 Jahren haben wir die Räumlichkeiten in der Friedrich-Ebert-Straße gemietet und unseren green concept store mit Werkstatt eröffnet.

Warum habt ihr euch ausgerechnet Bettwäsche als Material ausgesucht?

Im Handwerk verwendet man manchmal alte Stoffe (oder Nessel) um Schnittmuster zu testen. Uns war aufgefallen, dass aber gerade die alten Stoffe und Muster der Bettwäsche von der Omi einen besonderen Charm mit sich bringen. Altes wieder zu verwenden ist natürlich super für unsere Umwelt und hat somit perfekt in unser grünes Konzept gepasst.

Woher kommt die Bettwäsche?

Die Bettwäschen bekommen wir gespendet. Angefangen hat es mit unserem Familien und Bekanntenkreis und mitlerweile hat es sich über die Grenzen von Kassel hinaus rumgesprochen. Viele Leute freuen sich, dass wir aus den alten Schätzen noch etwas Neues zaubern und sie es nicht einfach wegschmeißen müssen.

Was tragt ihr in eurer Freizeit? Welche nachhaltigen Brands begeistern euch?

Wir sind natürlich gut mit VEJA Schuhen, Thougth Socken, Thokk Thokk Unterwäsche, Mud Jeans und Dedicated ausgestattet. Das sind alles Brands, die wir auch in unserem Store verkaufen. Genauso wie Fremdformat, Wild fawn, Dopper, Cupper Tee und Zuhause Naturkosmetik von Dr. Bronner’s, Hydrophil, Lamazuna und Ben&Anna etc. Wir testen gerne immer die Produkte erst für uns, damit wir sie auch mit einem guten Gefühl unseren Kunden anbieten können. Das macht natürlich großen Spaß. Wir sind auch weiter immer fleißig auf der Suche nach neuen fairen Brands für unseren Store.

Was ist für 2019 in Planung?

Zur Zeit sind wir dabei unseren Onlineshop zu erweitern. Wir möchten dort nicht nur unsere Boxershorts anbieten, sondern auch gerne die anderen Brands aus unserem Store in Kassel. Es ist seit langem ein Wunsch von uns, mit unseren Boxershorts aus Omis alter Bettwäsche auch in anderen Städten vertreten zu sein. Da werden wir in 2019 einen Schwerpunkt setzen. Desweitern arbeiten wir seit diesem Jahr mit einer kleinen Manufaktur in Portugal zusammen. Diese Verbindung möchten wir gerne beibehalten und auch noch ausbauen.

Wie seid ihr auf die kleine Manufaktur in Portugal gekommen?

Unsere Winterkollektionen hatten wir bis letztes Jahr noch selber genäht und das war zum Ende echt haarig. Zum Glück verkaufen wir in unserem Store ein kleines spanisches Label, über welches wir den Kontakt zu ihrer Produktionsstätte erhalten haben. Wir haben den schon 30 Jahre bestehenden Familienbetrieb in Frühjahr in Portugal besucht und waren überwältigt wie herzlich wir empfangen wurden. Wir können mit allerbestem Gewissen die Fertigung unserer WS 18 Kollektion in die Hände des ehrlichen Familienunternehmens geben.

Danke, Kira und Sophie, für das Interview!


Text/Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Lena Kuhaupt für soki Kassel

»Mode als Treiber zum positiven Wandel unserer Kultur« – Friederike von Wedel-Parlow über Cradle to Cradle und die Zukunft der Mode

Wie sieht das Material der Zukunft in der Modeindustrie aus? Immer häufiger fällt dabei das Schlagwort »Cradle to Cradle«, oder auch kurz C2C. Alles dreht sich dabei um die Kreislauffähigkeit des Materials, der vollständigen Abbaubarkeit aller Bestandteile. Klingt nicht gerade nach modern und stilvoll, oder? Doch weit gefehlt. Gemeinsam mit ihren Studentinnen und Studenten der AMD hat Prof. Friederike von Wedel-Parlow, Gründerin des Beneficial Design Institutes, den Cradle to Cradle Gedanken an zwei Produkten für Manufactum durchgespielt. Die Arbeit an der Damenweste und der Herrenjacke zeigt nicht nur auf, wie viel Detailarbeit in nachhaltige Mode fließt, sondern auch welche Zukunft unsere Mode haben kann. Über diese und weitere Themen habe ich mit Friederike gesprochen!


Manufactum hat in diesem Jahr seine erste Cradle-to-Cradle® Kollektion veröffentlicht. Wie kam es zu dieser Kooperation mit Manufactum?

Zusammen mit Christine Fehrenbach, damals Bereichsleiterin für Markenentwicklung bei Manufactum, haben wir dieses Projekt entwickelt. Wir wollten den hohen Qualitätsbegriff bei Manufactum weiterentwickeln und um Materialgesundheit und Kreislauffähigkeit erweitern. Um das zukunftsorientierte Thema in dem Unternehmen einzubringen und die Möglichkeiten hinsichtlich Produktentwicklung, Services und Kundenbindung etwas breiter zu untersuchen, haben wir ein Studienprojekt mit dem Masterstudiengang „Sustainability in Fashion“ aufgesetzt. Die vielfältigen, auf Active-Wear und ganzheitlichen Kreislaufstrategien für die Manufactumkunden ausgerichteten Ergebnisse wurden Im Museum Angewandte Kunst Frankfurt, im Manufactum-Warenhaus in Köln und bei internationalen Konferenzen gezeigt. Die Leiterin für kreativerer Einkauf, Angele Zettner, war schließlich so überzeugt von dem auf positiven Impact und Materialgesundheit ausgerichteten Cradle to Cradle-Konzept und der Arbeit der Studierenden, dass sie zwei Produkte ausgewählt hat für eine Umsetzung für Manufactum. Ein Jahr Entwicklungzeit später, sind diese beiden Produkte nun bei Manufactum erhältlich.

Was ist das Besondere an dieser Kollektion?

Das Besondere ist die Qualität, Innovation und Schönheit dieser Produkte. Sie sind für die Biosphäre gestaltet, für Gesundheit und Umwelt. Das bedeutet, dass sie entlang der Herstellung, der Nutzung und darüber hinaus positive Beiträge für alle im Prozess beteiligte und die Umwelt leisten. Mit einer hohen Arbeitssicherheit, sauberem Wasser aus der Produktion und dem Einsatz regenerativer Energie bei der Herstellung, der Abrieb beim Tragen oder Waschen ist kompatibel für die Umwelt, er stört die Artenvielfalt nicht, wie vergleichbare, konventionelle Polymere, die nicht abbaubar sind und zum vieldiskutierten Mikroplastikproblem werden.

Wo wurde die Kollektion produziert? 

Die Produkte wurden bei einem Konfektionär von Manufactum in Polen gefertigt. Der wurde dafür extra zertifiziert. Soziale Fairness und Wasser- und Energieeinsatz sind ganz wesentliche Bestandteile einer solchen Produktionsbezogenen Bewertung. Die Stoffe und textilen Zutaten kommen alle von Lauffenmühle aus Lauchringen am Rhein bei Basel, einer der treibenden Visionäre in der Textilindustrie für Cradle to Cradle Textilien und Zutaten. Dort ist über die Nachbargrenzen hinweg eine textile Zuliefererkette entstanden, die sich als Konsortium nach der umfassenden Qualität des Cradle to Cradle Konzepts ausgerichtet haben. Die Karabinerhaken und D-Ringe bei der Frauenweste und Knöpfe der Herrenweste wurden extra neu gesourct, bewertet und optimiert und in die Zertifizierung miteinbezogen.

Welche Herausforderungen musstest Du gemeinsam mit den Studentinnen und Studenten meistern?

Die größte Herausforderung für die Studierenden war, alle drei Aufgabenfelder zu bewältigen und jeweils eine Antwort, die alle drei miteinander zu einer schlüssigen Lösung führt, zu finden: Manfactum und seine Kunden verstehen, das weite Feld von Sportswear beleuchten und einen eigenen Standpunkt dazu finden und als umfassendste Aufgabe: Beneficial Design und Kreislauffähigkeit und damit das ganze System Mode von Herstellung, Vertrieb, Nutzung und Wiederverwendung zu durchdringen. Mich haben die Studierenden echt erstaunt, dass sie das in einem Semester fertiggebracht haben. Kurz vor der letzten Präsentation sah es noch nicht danach aus. Dann sollten sie sich gemeinsam eine Ausstellungskonzeption überlegen. Die Projekte mit Abstand zu betrachten und in Hinblick auf Empfänger-Verständlichkeit hat nochmal einen solchen Schub gegeben, dass sie in der Abschlusspräsentation das Team von Manufactum so überzeugen konnten, dass sie als nächsten Schritt die Produkte und das Cradle to Cradle Konzept wirklich in ihre Geschäfte holen wollten.

Was bedeutet eigentlich »Cradle to Cradle«?

Beim Designkonzept »Cradle to Cradle« (C2C) steht der Kreislaufgedanke im Vordergrund – »von der Wiege zur Wiege« sollen die Produkte geführt werden, Abfall dadurch obsolet gemacht werden. Die Produkte bewertet das Cradle to Cradle Products Innovation Institute nach fünf Katego- rien: Materialgesundheit und -wiederverwendung, erneuer- bare Energien, soziale Fairness und Wasser-»Stewardship«. Damit gelten »Cradle to Cradle«-Produkte als besonders umweltsicher, gesundheitlich unbedenklich und kreislauf- fähig. Es gibt fünf Zertifizierungsstufen, von Basic über Bronze, Silber und Gold bis zu Platin. Ab Gold ist es wirklich anspruchsvoll.

Aus »Einfach anziehend« von Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn

Die Damenweste und die Herrenjacke sind im Online-Shop von Manufactum zu kaufen. Beim ersten Blick stockte mir kurz der Atem: je 398,00 EUR ist ein mehr als gehobener Preis. Kannst du uns einen Einblick geben, wie sich dieser Preis zusammensetzt? 

Hast Du Dir die normalen Preise bei Manufactum angeschaut? Die Produkte liegen ganz gut in dem Rahmen für hochwertige, liebevoll gestaltete Produkte – und ja, sie sind sicherlich nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich. Das ist vor allem eine Frage relativ kleiner Stückzahlen. Und wir sind im Bekleidungsbereich noch im absoluten Pionierfeld mit Cradle to Cradle. Hinter jedem einzelnen Detail steht eine akribische Mühe, allein die Knöpfe zu sourcen und über die ganze Zuliefererkette zu untersuchen und zu zertifizieren, war ein Riesenaufwand. Es sind dann extraangefertigte Hirschhornknöpfe geworden, da Hirsche ihre Geweihe abschlagen und das Horn also ohne Massentierhaltung oder Lebendbeschnitt als das tierwohl-freundlichste Material ausgewählt wurde.

Bei Cradle to Cradle werden 100% der Inhaltsstoffe bewertet und so optimiert, dass nur noch solche im Produkt und im Produktionsprozess verwendet werden, die bekannt und positiv für die Gesundheit und Umwelt sind. Die meisten Nachhaltigkeitskonzepte dagegen schließen lediglich schädliche Chemikalien aus, dabei weiß man dann aber noch immer nicht, was anstatt dessen drin ist. Eine Positivdefinition macht möglich, dass wir über die gesamten Inhaltsstoffe und deren Zulieferketten bis zum Rohstoff, zum molekularen Level kennen. Durchgehende Transparenz. Dass ist ein Aufwand der sich eben auch im Preis niederschlägt, solange wir uns noch in der Nische damit bewegen und wie hier in relativ kleinen Stückzahlen. Sobald das die neue Norm wird, werden die Preise sogar günstiger werden, nicht nur weil die externalisierten Kosten sich in diesem Konzept stark reduzieren, sondern auch wegen der viel günstigerer Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement und Digitalisierungsfähigkeit für die Wiederverwertung der Produkte und Fasern.

In meinen Recherchen über und der Auseinandersetzung mit neuen, nachhaltig agierenden Mode-Marken stoße ich sehr selten auf Cradle-to-Cradle®-Produkte. Was macht es so schwer, Cradle-to-Cradle® in die eigene Produktion zu implementieren?

Mittlerweile ziehen eine ganze Menge Firmen nach: C&A, G-Star, Wolford, Stella McCartney, sie alle bringen gerade solche Produkte auf den Markt, und da ist noch einiges im Kommen. Aber ja, es ist eine Herausforderung. Schummeln geht nicht. Hundertprozentige Transparenz ist einfach aufwendig. Um die Cradle to Cradle Gerbung aus Olivenleder umzusetzen, hat es fast zwanzig Jahre gebraucht. Jetzt sind langsam so viele Bausteine da, dass die Umsetzung einfacher wird und damit auch richtig Bewegung in das Feld kommt

Im Interview mit Cherie Birkner hast Du gesagt, in der Mode müsse es darum gehen, etwas „zu designen, das wirklich Fundament hat anstatt nur darauf zu achten, was sich gut verkauft.“ Welche Marken haben das aus Deiner Sicht bereits geschafft?

Da gibt es einige, Manufactum ist natürlich ein Beispiel. Das umfassende Innovationsverständnis bei Fillipa K finde ich auch sehr überzeugend. Die Ästhetik bleibt immer ganz oben, ob es um kreislauffähige Produkte, kurz- und langlebige, geht oder um Services, die solche Modelle unterstützen: Leasing, Secondhandverkauf, Rücknahme der Produkte und Reparatur oder um Beratung hinsichtlich Pflege der Produkte und zum kuratierten (reduzierten) Kleiderschrank der Zukunft. Armedangels haben auch eine tolle Entwicklung gemacht und haben eine beeindruckende Unternehmenskultur, die Wachstum möglich macht, um möglichst viele Menschen zu fördern und nicht auf deren Schultern. Es gibt ganz Viele, die mit einer wirklichen Mission unterwegs sind. Man ist zum Teil ganz überrascht aus welchen Bereichen heute Innovationen angeschoben werden. Ich verstehe Mode heute auch vielmehr als Transmitter einer Message, als Treiber zum positiven Wandel unserer Kultur.

Spulen wir zwei Jahre nach vorne: Wie entwickelt sich die nachhaltige Mode bis 2020?

Es wird zunehmend normal und selbstverständlich, dass Mode fair und gesund hergestellt ist. Die Großen haben aus ihren Pilotprojekten und ersten Ansätzen gelernt und sind nun in der Lage, das auch in Large-Scale anzubieten. Aus Konsumenten sind Nutzer und Wertschätzer geworden. Ihr Kleiderschrank ist klein mit lauter ausgewählten Stücken, Vielfalt entsteht durch Qualität für definierte Nutzungszeiten, gemeinschaftliche Lösungen und Kreativität. Okay, das wird eher noch länger brauchen. Ziemlich sicher bin ich mir jedoch, dass diese Anfangsschritte Richtung wirklicher Qualität und Innovation, Richtung Kreislauffähigkeit, sich viel schneller durchsetzen wird, als wir es uns heute vorstellen können. 2025 wird das im Massenmarkt ankommen.

Du lebst und arbeitest seit Jahren in Berlin. An welchem Lieblingsort verbringst du einen freien Tag?

Als echte Berlinerin liebe ich die Stadt und habe viele Lieblingsorte. Favorit ist Valentinswerder, da haben wir einen kleinen Garten direkt am See.

Danke, liebe Friederike, für das Interview!

 


Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Beneficial Design Institute (Portrait von Friederike von Wedel-Parlow) sowie Manufactum (Kollektion)