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This is not a factory, this is not a shirt

Vor wenigen Tagen schrieb mich Maarten an. Er habe da vor einigen Monaten eine Idee gehabt, die jetzt, auf den letzten Metern, noch Unterstützung bei einem Crowdfunding benötige. Es ginge um Griechenland, dieses noch in der Krise befindliche Land und die dort gestrandeten Geflüchteten aus Syrien, die in den Camps keinerlei Perspektive haben. Mit seiner Idee will er, Maarten Hunink, diesen Menschen eine Perspektive geben. Wie dies mit NOT A FACTORY gelingen soll, hat er mir in einem Interview ausführlich erklärt.


Hi Maarten, how did you come up with this idea? What is your connection to Greece and the Refugees Crisis?

In the summer of 2016 I went to Greece to volunteer in one of the refugee camps. I was curious after reading and watching a lot of the news about the refugee crisis what the reality was like. Was it really a desperate situation, or had it been overdramatised. In that period I experienced the desperation first hand, and decided that I wanted to continue helping. I did so by volunteering for Drop In The Ocean and The Timber Project. For Drop In The Ocean I helped develop a point based distribution application to improve the distribution of clothes and food, and make the distribution more dignified, fair and fun. It enabled people to simply come ’shopping‘ instead of standing in line and getting handouts. With The Timber Project I helped build those ’shops‘, shade structures and other buildings.

After doing this work I became aware that even though this kind of work is great and needed, there was a different need that wasn’t addressed. The fact that refugees in Greece have no opportunity to educate themselves or find employment, due to the fact that Greece is still in a serious economic crisis itself. When I was looking for ideas to solve that problem I was surrounded by the cotton fields in the area of Larissa, and then I met two Syrian tailors. And then I thought, maybe if I combine both, I can create something which benefits both! The beginning of NOT A FACTORY.

How did you find your local Greek partners? Where do you get your shirts from?

If found greek textile suppliers through the website of the Global Organic Textile Standard. That is where I will source the organic textile from. The T-shirts will be sewn by us. Printing the T-shirts will be done by a Greek partner who I found through a friend who used to work for Carhartt. She told me that Greece used to be famous for it’s high quality T-shirt printing.

„Only“ producing a shirt seems to me like a single project. Are you planning more e.g. building up a NGO or connecting with an existing one?

Yes and Yes. I want to continue to grow this into a healthy social enterprise. At first I want to make sure the T-shirt production is going well, after our initial ‚This is not a T-shirts‘ t-shirts I’m looking forward to work together with different artists to create a collection and tell the story of hope and transformation in their own way through a T-shirt.

After that I’m also very curious if we can make other fun products, like organic Aleppo soap. But this is for later…

Another element which is important to me, even though maybe initially we won’t have super much time for it. But I want to provide all the people that we work (and beyond) trainings and courses. Not necessarily related to making T-shirts, but for their own development. Can be a language class, computer programming, etc. In order to make that happen I’d love to work together with other NGO’s like Help Refugees.

What is the most touching moment related to NOT A FACTORY so far?

One day we decided to go to the beach together with Mohamed, Noor and Ibrahim. To get them out of the camp and thank them for shooting the crowdfunding video with us. The moment we drive away from the camp they burst out in joy and laughter. The music is turned on and it is time to party. Finally free…

Later as we have arrived at the beach, and we are looking out over the sea, Mohamed turns away and gets tears in his eyes. He says: Maybe a better life is possible. Maybe one day he can drive his own car again, live in a house again, have children again. I give him a hug. I hope so too…

What is your favorite place in Greece?

Easy… The islands! I love being close to the sea, having nature all around, seeing the mountains, olive trees, sun sets, clear water, rocks, beaches… It’s just amazing. And especially at times when things are challenging, I love being able to walk to the sea, go for a swim and release all the tension. On an island the sea is always closeby, it’s beautiful.


Wer Maarten und sein Projekt unterstützen möchte, kann dies direkt über NOT A FACTORY machen. Ich drücke ihm die Daumen und hoffe, dass er die weiteren Schritte gehen wird, um die Situation vor Ort in Griechenland zumindest für einige wenige nachhaltig verbessern kann.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Martijn Kappers & Mercia Moseley

„Made IN Europa, FOR Bangladesh“ – Ali Azimi von Drip by Drip im Interview

Wie gelingt das eigentlich, einen Unterschied auszumachen? Sich für etwas einzusetzen, was uns alle betrifft? Sich einer Idee zu verschreiben, die Besserung bringen soll? Im Interview mit Ali Azimi, Initiator der NRO Drip by Drip und Mitgründer des dazugehörigen Modelebals BlueBen sprechen wir über die Herausforderungen, die verfahrere Situation in unserer Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft zu ändern und dabei immer und immer wieder auf Missstände aufmerksam zu machen, die viele von uns gar nicht wahrnehmen – weil sie zu klein oder zu weit weg von unserem eigenen Alltag sind oder einfach als unbedeutend wahrgenommen werden. Wie zum Beispiel der immense Wasserverbrauch der Textilindustrie, die wir selber täglich / wöchentlich / monatlich füttern.


(c) Jonas Nellissen

Lieber Ali, du bist Gründer des Labels BlueBen und der NRO Drip by Drip. Ihr widmet euch vor allem dem Thema Wasserverbrauch in der Textilindustrie. Wie kam es zu der Auseinandersetzung mit dieser Thematik?

Es war ziemlich banal. Ich hatte den Film The True Cost gesehen und war schockiert über den Wasserverbrauch und den intensiven Pestizideinsatz bei Baumwolle. Daraufhin habe ich vier Monate lang recherchiert und mich mit dem Thema Wasser und Textil auseinandergesetzt. Das Thema wird immer wichtiger wie man aktuell an Kapstadt oder Indien sieht. Auch der Film RiverBlue, der erst vor kurzem erschienen ist, befasst sich damit.

Vor einigen Jahren habe ich mich mit einigen Freunden und dem Designmob ebenfalls dem Thema gewidmet und haben festgestellt, wie schwer es ist, das Problem mit virtuellem Wasser in Textilien anderen Menschen näher zu bringen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Bevor Blue Ben und Drip by Drip entstanden sind, habe ich eine Mini Crowdfunding Kampagne initiiert, mit der ich Geld für Wasserprojekte sammeln wollte. Die Kampagne hieß CHOOSE WATER NOT COTTON. Es war extrem schwer, dafür die nötigen Spenden zu bekommen. Das Thema ist einfach sehr weit weg. Wir haben hier in Mitteleuropa keine Probleme mit zu wenig oder verunreinigtem Wasser, jedenfalls noch nicht. Ich habe mich dann gefragt, woran das liegt und wie man es besser machen kann. So entstand Blue Ben und daraus Drip by Drip.

(c) Jonas_Nellissen

Weshalb habt ihr euch dafür entschieden, mit BlueBen ein eigenes Modelabel zu gründen, um auf das Thema aufmerksam zu machen?

Das Label ist ein sehr effektives Tool, um Menschen aufmerksam zu machen und gleichzeitig eine Alternative zu bieten. Ich habe mich oft gefragt, ob die Lösung noch ein weiteres Label ist. Aber jetzt sehe ich, dass es die richtige Entscheidung war. Sonst würden wir beide heute nicht sprechen und das wäre sehr schade. Darüber hinaus wollten wir uns radikal von anderen Labels absetzen. Das ist uns alleine durch den Verzicht auf BIO-Baumwolle bereits gelungen.

Aktuell kann euer erstes Kleidungsstück bei Startnext finanziert werden. Kannst du uns zu #Natural und #Bold mehr erzählen?

#Natural, #Bold und #Limited sind unsere drei Farbkategorien. Die #Natural Sweater zeichnen sich durch hellere Farben aus. Aktuell gibt es sie in GULL GREY. Weitere Farben werden aber folgen. Diese helleren Farben benötigen weniger Wasser als die Sweater unserer #BOLD Edition. Die zeichnen sich durch satte Farben aus und haben das Etikett außen am Arm statt innen wie beim #Natural. Wir wollten den Menschen Möglichkeiten geben zu wählen, da wir ja nur mit einem Produkt starten. Unsere #Limited Editions, die aktuelle und alle, die noch folgen werden, werden speziell von Designern kreiert und angefertigt und sind durch einen sehr auffälligen Druck oder Illustration gekennzeichnet.

Statt Baumwolle verwendet ihr eine Mischung aus Modal und Hanf – wie seid ihr auf diesen Materialmix gekommen?

Wenn man nein zu Baumwolle sagt, nein zu Plastik und komplett in Europa bleiben möchte, bleibt da nicht mehr viel. Hanf, Leinen, Modal und Viskose sind aktuell die einzigen Alternativen. Beide Fasern haben hervorragende Eigenschaften, die in Kombination Baumwolle und Polyester bei weitem überlegen sind. Wir arbeiten aber noch an weiteren Stoffen wie den weltweit ersten 100% Modal French Terry. Alle Rohstoffe die wir nutzen, wachsen in Europa, brauchen keine Pestizide, werden nicht künstlich bewässert und haben so den niedrigsten ökologischen Fußabdruck. Vor allem aber wollten wir den Wasserfußabdruck senken und das ist uns gelungen. Statt 3.500 L benötigen wir nur noch 360 L Wasser für unseren Sweater.

(c) Jonas Nellisson

Ist der Sweater auch unter fairen und sozialen Bedingungen hergestellt worden?

Wir bleiben vom Rohstoff bis zur Konfektionierung in Europa, in Österreich, Frankreich und Portugal um ganz genau zu sein. Durch die Produktion in unserer “Nähe”, können wir die Einhaltung von Sozial- und Arbeitsstandards am ehesten nachvollziehen und regelmäßig überprüfen. Darüber hinaus erfüllt Portugal als Mitglied der EU die Mindeststandards der ILO von Hause aus. Deshalb verzichten wir auch auf die Nutzung von Siegeln.

Wie überprüft ihr die Einhaltung der Sozial- und Arbeitsstandards konkret?

Wir haben im Februar alle unsere Produktionspartner in Portugal besucht und uns die Fabriken und Arbeitsabläufe zeigen lassen. Unsere Partner haben sich durch verschiedene Siegel zertifizieren lassen und sind gesetzlich durch portugiesisches Recht zur Einhaltung der ILO-Mindeststandards verpflichtet. Anders als die Fabriken in den meisten asiatischen Produktionsländern. Darüber hinaus planen wir aber auch regelmäßige Besuche unserer Fabriken, um den Kontakt zu unseren dortigen Partnern zu intensivieren, um die Herstellung weiterer neuer Stoffe möglichst nahe begleiten zu können und um noch mehr Verständnis für die Produktionsabläufe und die Möglichkeiten weiterer Wasserersparnis zu entwickeln.

Noch ein Vorteil ist, dass unser Team für die Produktion direkt in Porto ansässig ist und mindestens einmal im Monat bei allen Partnern vorbeischaut. In diesem Zuge werden wir natürlich auch einen Blick auf die Arbeitsbedingungen vor Ort haben. Allgemein verbindet uns aber ein starkes Vertrauensverhältnis mit unseren Partnern, die augenscheinlich mit den neuesten Technologien und höchsten Standards arbeiten.

Ich persönlich plane für die Zukunft eine Reise mit ausgewählten Bloggern, die sich alle Schritte in Ruhe angucken und kritische Fragen stellen können.

(c) Benedikt Fuhrmann

Im Interview mit Viertel / Vor hast du eine mögliche Lösung für die Wasserknappheit in bestimmten Ländern skizziert: „Eine Lösung kann sein, mit der Mode-Produktion generell nicht mehr in Länder zu gehen, wo das Wasser knapp ist und als Trinkwasser und für den Lebensmittelanbau dringender gebraucht wird als für alles andere. Wir müssen eigentlich jede Fashion-Produktion in Länder verlegen, die genug Wasser haben.“ In Ländern wie Bangladesch, das du selbst besucht hast, ist die Textilindustrie aber wichtigster Industriezweig. Greift da die skizzierte Lösung nicht zu kurz?

Warum ist das so? Das sollten wir uns ernsthaft fragen. Bangladesch ist regelrecht abhängig von unserem Textilkonsum. 5 Millionen Menschen arbeiten in dieser Industrie davon über 70% unter unwürdigen Bedingungen.

Wir können weder die Politik noch die Industrie in diesen Ländern kontrollieren. Warum sollten wir dann weiterhin dort bleiben? Diese Abhängigkeit und unser Bedürfnis nach möglichst billiger Ware, führt immer mehr zu Lohndumping und ökologischen Katastrophen. Und das alles auf Kosten der dort lebenden Menschen.

Aber auch wir spüren bereits die Konsequenzen. Je mehr die Umwelt dort verschmutzt wird und der Klimawandel die Lebensgrundlagen zerstört, desto mehr Menschen müssen zu uns kommen. Wo sonst sollen sie hin? Die Lösung kann sicherlich nicht sei, dort von heute auf morgen alles stehen und liegen zu lassen, nachdem wir diese Länder erst in Abhängigkeit von unserem Konsum gebracht haben. Aber noch mehr Produktion dorthin zu verlagern halten wir für falsch.

Der niedrige Preis als einziges Kriterium – alles andere ist nebensächlich

Seien wir doch mal ehrlich. Der einzige Grund für uns in diesen Ländern zu produzieren ist doch der niedrige Preis. Alles andere ist nebensächlich. Jedes Produkt, das wir importieren, könnten wir auch in Europa herstellen aber eben zu einem deutlich höheren Preis. Darüber hinaus ist aufgrund der Bevölkerungszahlen der Textilbedarf Asiens (4,436 Mrd. Menschen) viel größer als der Europas (743,1 Mio. Menschen). Die Notwendigkeit für das produzierende Gewerbe und die daran hängenden Arbeitsplätze bleibt also auch ohne uns bestehen.

Deshalb bleiben wir hier und zahlen Reparationen an diese Länder, als eine Art Ausgleich zu den niedrigen Preisen und um die Aufbereitung des, durch die Textilindustrie, verschmutzten Wassers zu ermöglichen.

(c) Jonas Nellisson

Wie kann ich mir die Reparationen vorstellen? Unterstützt ihr bestimmte Projekte in den jeweiligen Ländern?

Wir möchten uns mit der Produktion in Europa nicht vor unserer Verantwortung als Konsumenten von Fast Fashion drücken, denn auch wir haben in unserem Leben Kleidung made in Bangladesch gekauft. Damit tragen auch wir Verantwortung für die Wasserverschmutzung, unter der dort immer mehr Menschen ernsthaft zu leiden haben. Deshalb zahlen wir Reparationen, also Entschädigungsleistungen, an diese Länder. Jedes Kleidungsstück von Blue Ben wird einem Land gewidmet. Made IN Europa, FOR Indien…Kenia…usw. Wir beginnen mit Bangladesch. Unsere neu gegründete NRO Drip by Drip wird diese Zahlungen verwalten und an lokale Partner in den entsprechenden Ländern weiter reichen und nachvollziehen, wofür das Geld verwendet wurde. Bei der Entscheidung, wohin genau die Zahlungen fließen, vertrauen wir auf die Expertise der lokalen Partner, die ihr Land und die Bedürfnisse der Bevölkerung besser kennen als wir. Dennoch müssen diese Partner gefunden werden und es muss ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, damit wir nachvollziehen können, ob die Reparationen den Zweck der Wasseraufbereitung erfüllen. Deshalb die Gründung von Drip by Drip.

Welcher Moment auf deiner Reise zu eigener NRO und Label war für dich der prägendste Moment?

Als ich realisiert habe mit was für wunderbaren und talentierten Menschen ich arbeiten darf. Ich habe schon sehr oft Projekte umgesetzt aber dieses Mal fühlt es sich anders an. Es ist wirklich was ganz besonderes und ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit.

Zu guter Letzt: Hast du einen Lieblingsort und wenn ja, warum ist dieser besonders?

Ich kann dir sagen wo ich mich sehr wohl fühle aber einen Lieblingsort habe ich nicht. Überall dort wo Menschen zusammenkommen und gemeinsam lachen und Freude empfinden. Dort fühle ich mich am wohlsten. Das kann bei meiner Familie sein, bei Freunden, in Portugal beim Surfen, mit unserem Team oder in Bangladesch.


Wer Ali und sein Team von Drip by Drip auf der BlueBen-Mission begleiten und unterstützen möchte, kann dies noch bis zum 20. April auf STARTNEXT machen.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Benedikt Fuhrmann, Jan Nellisson, Drip by Drip e.V.

Keine langweilige Rosa-Wolke-Marke für Kids – Manitober aus Hamburg

Vor wenigen Tagen schrieb mir mein Freund Jan, ich solle mir doch mal ein Label namens Manitober näher ansehen. Für die hätte er was gestaltet. Beim Klang von Manitober in meinen Ohren klingelte es bereits, denn das Label kannte ich bereits von Instagram. So entstand der erste Kontakt zu Marcus, dem Gründer von Manitober. Ein erstes Treffen in Berlin zerschlug sich, aber wir haben dennoch zueinander gefunden. Aus einem digitalen Schlagabtausch entstand ein ganz wunderbares Interview über zeitgemäße Kindermode, das Rückgabeprinzip, die großen Modekonzerne und … Zombies.


Lieber Marcus, stell‘ Dich doch bitte einmal meinen Leserinnen und Lesern vor.

Hi, ich bin Marcus, wohne in Hamburg und mache (dies/das) verschiedene Dinge, zurzeit vor allem Kinderbekleidung.

Welche Beweggründe gab es, mit Manitober ein Kindermodelabel zu gründen?

Mittlerweile habe ich selber zwei Kinder. Als Bekleidungstechniker begutachtet man Klamotten mit anderen Augen, natürlich auch die der Kids. Berufskrankheit quasi. Und leider sehe ich auch immer viele Sachen die mich stören und die ich schlecht gelöst finde. Hinzu kommt dieses Genderthema, dass mir wirklich extrem auf die Nerven geht. Ich hatte dann die Idee mit dem Rücknahmekonzept und dachte mir das ist eigentlich wonach ich gesucht habe. Let’s go!  

Was hat dich am meisten gestört?

Auf jeden Fall Farben und Motive. Es gibt ja noch andere Farben als blau und pink. Ich finde auch die Motive sind so oft zu romantisch verklärt, sehr genderkonform und diese Früchte-/Tier-Alloverprints kann ich auch nicht mehr sehen! Außerdem sind viele Sachen qualitativ nicht besondern gut, meistens in Asien produziert und dafür immer noch genauso teuer wie unsere Styles. Es fallen einem aber auch andere Sachen auf, die einfach unpraktisch sind und irgendwie nicht kindgerecht. Ich will gar nicht sagen, daß wir das Rad neu erfinden, aber wenn man genau hinschaut gibt es viele kleine Dinge, an die man noch mal ein paar Gedanken verwenden kann.

Du hast das Rücknahmekonzept schon genannt. Wie funktioniert es bei Euch?

Die Artikel können bei uns ganz normal gekauft werden. Allerdings hast du als Käufer die Möglichkeit, alle Teile wieder zurück zu geben. Wir bewerten dann ihren Zustand und geben dir einen angemessenen Betrag als Gutschrift zurück. Wenn nichts dran ist an den Teilen kann das dann bis zu 50 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises ausmachen. An den Klamotten unserer Kids ist selten irgendwas total hinüber. Die zurückgegebenen Klamotten werden dann von uns ausgebessert, repariert und gereinigt und als „generalüberholt“ wieder angeboten. Simple as that!

Was war Euer erstes fertiges Produkt für Manitober?

Ich glaube die Wollwalkjacke, die war relativ schnell eingetütet…

Wie und wo werden Eure Produkte produziert?

Wir haben verschiedene Produzenten. Die Wollwalksachen werden tatsächlich in Deutschland hergestellt, bei einem kleinen Familienbetrieb im Hunsrück. Die Sweatshirts und demnächst auch andere Artikel kommen aus Portugal. Mit den Portugiesen habe ich früher schon viel zusammen gearbeitet, die sind super. Wir haben uns ja in einer Verpflichtung zur Transparenz verschrieben, deshalb haben wir da keine Geheimnisse und man kann sich auf unserer Homepage alles genau angucken. Die Arbeitsbedingungen für die Näherinnen und Näher sind in Deutschland und Portugal sehr gut. Es gibt Gewerkschaften, Interessensverbände und funktionierende Systeme, die diesen Menschen eine gute Arbeitsumgebung garantieren. In unseren Größenordnungen ist das auch noch überschaubar.

Was macht Euch besser als H&M und Zara, die ja auch Kids Clothes anbieten?

Ich hole etwas aus: Zara, H&M und andere „Fußgängerzonenläden“ gehören zum Fast Fashion Business. „Schnell“ bezieht sich hier sowohl auf Lebenszeit der Klamotten als auch auf den Turnus, in dem neue Kollektionen entstehen und verfügbar sind. Es ist offensichtlich, dass diese Klamotten billig sein müssen. Deshalb ist die Produktion schlecht bezahlt, die Materialien minderwertig und das Design nicht gut durchdacht. Sie sind quasi dafür gemacht, nur für eine begrenzte Zeit modisch zu sein. Wegwerf-Mode könnte man es auch nennen. Bei Kinderbekleidung ist das gar nicht schlimm, denn die passt nach einer gewissen Zeit sowieso nicht mehr. H&M und Zara sind in diesem Geschäft nicht mal die schlimmsten Akteure, die stehen nur sehr im Vordergrund.

Wie sieht Euer Gegenentwurf aus?

Wir machen Bekleidung, die durchdacht, fair produziert und haltbar ist. Dafür ist sie natürlich auch deutlich teurer. Allerdings tragen wir mit unserem Rücknahmekonzept dazu bei, dass weniger produziert werden muss, dass Ressourcen geschont werden und alle Beteiligten vom Schaf zum Käufer angemessen behandelt und bezahlt werden. Und wenn man die Anschaffungskosten mit der Haltbarkeit und unserer Gutschrift gegenrechnet, kommt man wahrscheinlich günstiger weg. Alles eine Frage der Einstellung.

Mit Tchibo steigt ein großer Einzelhändler in den Markt ein, Kindermode ab sofort nur noch zu mieten bzw. zu leihen. Wie bewertest du diese Entwicklung?

Interessante Entwicklung tatsächlich. Zeigt auf jeden Fall, dass diese Sharing Economy mittlerweile auch bei in den großen Firmenzentralen angekommen ist. Mal sehen wohin das führt. Ist auf jeden Fall schonmal ein gutes Signal.

Wo steht Manitober im Jahr 2020? Was habt ihr in den nächsten Jahren alles vor?

2020 ist ja verrückterweise gar nicht so lange hin. Schön wäre wenn wir bis dahin alles Geld zurück gezahlt hätten und bei Plus/Minus Null stehen würden. Ich fände es schön, wenn wir uns bis dahin als Kindermarke etabliert hätten für Eltern, die auf diese ganzen anderen Geschlechterrollenkonformen, langweiligen, Rosa-Wolke-, Helikopter-Marken keine Lust haben. Wir werden wahrscheinlich bald einen kleinen Laden aufmachen und haben dann eine Anlaufstelle für alle Kunden. Wir werden in Zukunft wohl auch halbjährige Kollektionen entwickeln und auch mit Einzelhändlern zusammenarbeiten. Das ist der Plan.

Welche Grüne Marke findest Du selbst besonders gut?

Patagonia war für mich immer ein ziemlicher Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Die haben ja witzigerweise jetzt auch ein ähnliches Konzept wie wir. Schwör, habe mir das da nicht abgeguckt! Finde ich aber gut, dass DIE die gleiche Idee hatten. Scheint wir sind nicht auf einem ganz falschen Weg… Ansonsten gibt es viele Marken, die nicht nur gute, schöne Sachen machen, sondern es auch geschafft haben im main-stream anzukommen. Klamotten ordentlich herzustellen ist nicht schwer, es als ein ernsthaftes Business zu betreiben schon. Veja, Armed Angels, PYUA etc. das sind Sachen, die mich auch interessieren.

Was müsste sich aus Deiner Sicht in der Branche ändern, damit der Absatz von Öko-Mode zunimmt?

Ich glaube die Bekleidungsbranche richtet sich vor allem nach den Wünschen der Kunden. Von daher ist es – glaube ich – kein Branchen-Problem, sondern ein Menschen-Problem. Konsum muss wieder etwas Besonderes sein und nicht tägliche Unterhaltung. Deshalb wollen wir vor allem das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum schärfen. Ich bin gespannt, wo das noch hingeht und warte nebenbei auf die Zombie-Apokalypse 😉

A propos Zombies: Wie findest du die aktuelle Staffel von The Walking Dead?

Haha! ich weiß gar nicht, welche die aktuelle Staffel ist. Ich habs bis zu Negan geschafft, aber der hat mich dann doch zu sehr genervt, dass ich ausgestiegen bin. Wenn man sich das anguckt, ist die Welt in der wir leben vielleicht doch ein ganz guter Kompromiss. So ein „Neustart“ birgt natürlich auch so seine Gefahren, den Kopf zu verlieren 😉

Last but not least: Welchen Ort in Hamburg hast Du am liebsten?

Es gibt eine Ecke, wo die Bernard-Noch-Straße auf die Davidstraße trifft. Manchmal laufe ich da lang in Richtung Park Fiction und genau an diesem Punkt geben die Häuser den ersten richtigen Blick auf den Hafen frei. Gleichzeitig ist es eine Ecke, an der es immer zieht. Du läufst also da lang und auf einmal wirst du fast umgepustet, aber gleichzeitig ergibt sich dieser ewig weite Blick über den Hafen, wie du ihn sonst ja selten hast in einer Großstadt. Ich bleibe dann immer kurz stehen und denke: „Krass, dass es mich jedes mal wieder so beeindruckt!“ Man kann auch mal gut genervt sein von Hamburg, seinem Wetter und den grummeligen Leuten. An dieser unspektakulären Ecke finden wir wieder zusammen.

Danke, Marcus, für das Interview!


Mehr von Manitober könnt ihr auf Instagram entdecken sowie auf der Website des Labels samt Online-Shop.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Manitober

Boulder am Weißen See

Weißensee war der Bezirk, dem René und ich Ende Dezember einen Besuch abgestatten haben. Unser Ziel war sowohl die Ruine des Kinderkrankenhaus Weißensee als auch der, dem Bezirk den Namen gebende, Weiße See. Dort, wo sich im Sommer die Badewütigen auf den schmalen Grasstreifen im Park rund um den See, sonnen und langsam watende eine Abkühlung suchen. Auf dem Weg dorthin kam René auf die grandiose Idee, mich mitten in die abgeblühten Sträucher zu stellen. Für den Grund war ich allerdings selbst verantwortlich, hatte ich doch schließlich noch eine Jacke im Gepäck, die ich bis dahin noch gar nicht ausgepackt hatte.

BOULDER heißt diese Jacke von LANGERCHEN, die ich nicht mehr missen möchte. Der Blouson ist schick und praktisch zu gleich, lässt sich zu vielen unterschiedlichen Kleidungsstücken kombinieren und lässt sich auch schnell wegpacken, falls die Temperaturen doch wärmer sind als eigentlich gedacht. Der Blouson mit Stehkragen besteht aus Bio-Leinen  und ist dank einer PU-Membran wasserabweisend, winddicht sowie atmungsaktiv ist. Gute Kombi! Gefertigt wurde BOULDER in dem LANGERCHEN eigenen, nach GOTS zertifizierten, Konfektionsbetrieb im chinesischen Jiaxing. Das Label von Philipp Langer und Miranda Chen gibt es übrigens seit 2009 und ist mit der nachhaltigen Produktionsstätte ein Pionier auf dem Gebiet der fairen Arbeitsbedingungen in China. Gute Sache!

Wer noch eine Runde um den See drehen möchte, der sollte René und mir noch nach Weißensee begleiten, und zwar hier. Wer noch weitere Outfits von mir in LANGERCHEN sehen will, der darf sich meine beiden prePEEK-Outfits (hier und hier) ansehen, die zeigen, wie abwechslungsreich die Jacken und Mäntel von LANGERCHEN sein können.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: René Zieger

LANGERCHEN hat mir freundlicherweise BOULDER zur Verfügung gestellt.

Reused/Natural – mein prePEEK Outfit 3.2018

Eine bessere Welt, wer würde sich diese angesichts weltweiter Krisenherde, täglichen menschlichen Tragödien und den blau-roten Vollidioten im Deutschen Bundestag nicht wünschen? Die Modeindustrie kann zu dieser besseren Welt einen (wenn auch kleineren) Beitrag leisten, in dem sie unter anderem auf Ausbeutung und Chemie in unserer Kleidung verzichtet. Bei letzterem sind wir durch die weltweite Detox-Kampagne von Greenpeace bereits einen großen Schritt weitergekommen. Dennoch ist es wichtig, dass sich Konsumenten gewiss sind, welche Materialien sie auf der Haut tragen. Bei eine Material wie Leder scheiden sich dabei die Geister: Die einen möchten es gänzlich aus dem Modebereich verdammen und das Tierleid nicht weiter akzeptieren, die anderen möchten weiterhin damit arbeiten, aber zum Beispiel nur Leder von Tiere aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (genanntn kbT). Das Label Better World Fashion, das ich in der Fashion Changers prePEEK Lounge kennenlernen durfte, verfolgt noch einen weiteren Ansatz, der zwischen Schwarz und Weiß liegt.

Better World Fashion verwendet für ihre Männer- und Frauen-Lederjacken sowie die Ledertaschen ausschließlich gebrauchtes Leder. Die Jacken sind demnach zu 98 Prozent aus Reused Materialien hergestellt, die von festen NGO-Partnern aus Dänemark eingesammelt werden. Das Design der Produkte entsteht im Heimatland des Labels, produziert wird im nicht weit entfernten Polen. Auch fast alle weiteren verwendeten Materialien haben ein Vorleben und werden durch Better World Fashion wiederverwertet. Einzig im Prozess des Nähens werden neue Materialien verwendet (die fehlenden 2 Prozent). Mehr über das Konzept des Labels findet ihr auf betterworldfashion.com.

Dazu habe ich neben meiner Denim von MUD JEANS mein sehr tolles Rollkragenshirt von FUNKTIONSCHNITT aus Merinowolle kombiniert. Ein Langarmshirt, sehr soft und temperaturregulierend, körpernah geschnitten und zu vielen Anlässen kombinierbar. Die Wolle stammt aus Australien. Auf die weit verbreitete und auch in Australien durchgeführte Praktik, den Fliegenmadenbefall der Schafe zu verhindern – die so genannte Mulesierung, durch die die Haut rund um den Schwanz von Schafen ohne Betäubung entfernt wird, um diesen Befall zu unterbinden – wird verzichtet. Gut so!

Mehr über Better World Fashion in der Fashion Changers prePEEK Lounge

Meine beiden weiteren Outfits von Studio JUX und LANGERCHEN und VAUDE habe ich euch ja bereits vorgestellt. Noch mehr aus der Fashion Changers prePEEK Lounge gibt es nur auf Instagram bei den Fashion Changers.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Jana Braumüller

Astronaut with a cause – mein prePEEK Outfit 2.2018

Allen Wintersportlern ist der Name VAUDE natürlich ein Begriff. Der Hersteller von umweltfreundlicher und fair produzierter Outdoorkleidung ist schon seit Jahren auf dem Markt und erwehrt sich erfolgreich der konventionell produzierenden Konkurrenz wie etwa Jack Wolfskin. Auch wenn ich zwar dem Wintersport nicht wirklich verbunden bin – mein Skikurs in der Schulzeit ist bis heute die große Ausnahme – und ich mit Ach und Krach auf einem Snowboard den Hang hinunterkomme, kenne ich die Marke natürlich vor allem aus dem Bike Sport. Umso erfreuter war ich, als ich sah, dass VAUDE ein Neuzugang in der Fashion Changers prePEEK Lounge war und nicht nur etwas für Frauen dabei hatte.

VAUDE arbeitet seit 2001 mit dem strengen Umweltstandard bluesign®, der die gesamte textile Wertschöpfungskette kontrolliert. Außerdem ist das Unternehmen nach EMAS öko-zertifiziert, möchte zudem die gesamte Produktpalette Schritt für Schritt maximal umweltfreundlich herstellen. Ein hehres Ziel. Dabei bleibt der Style und die Funktionalität glücklicherweise nicht auf der Strecke. Neben einigen Running-Teilen fiel mir natürlich sofort das auffälligste Kleidungsstück aus, welches ich dann versuchte, geschickt zu kombinieren: Der XXL-Überwurf-/Hoodie-/Outdoorüberlebensanzug. Im eh schon gut temperierten Kraftwerk merkte ich sehr schnell, wozu dieses Kleidungsstück dient: Dem Warmhalten in unwirtlichen Gefilden. Von mir gibt es dafür zwei Daumen nach oben. Mehr über die brandneue Green Shape Core Kollektion gibt es auf VAUDE.com.

Abgerundet wird das Outfit von einer Umhängetasche von VAUDE, meiner Denim von MUD JEANS sowie den veganen Sneakern von Nemanti aus Italien.

Mehr über VAUDE in der Fashion Changers prePEEK Lounge

Wer noch weitere Outfits aus der prePeek-Lounge entdecken möchte, dem sei Instagram bei den Fashion Changers wärmstens ans Herz gelegt. Mein tolles Outfit von Studio JUX und LANGERCHEN kennt ihr ja bereits.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Jana Braumüller

studio CHEN – mein prePEEK Outfit 1.2018

Letzte Woche war es wieder soweit: Die Ethical Fashion Show Berlin und der Greenshowroom öffneten wieder ihre Tore. Diesmal allerdings nicht im so wunderbaren aber doch so weit entfernten Funkhaus Nalepastraße, sondern im sehr zentralen Kraftwerk Berlin. Mit dabei: Die Fashion Changers prePEEK Lounge. Nach meinem prePEEK-Outfit-Debut im letzten Jahr, durfte ich mir auch dieses Jahr wieder ein tolles Outfit zusammenstellen – unter anderem mit einem wunderbaren Shirt von Studio JUX und einer Jacke von LANGERCHEN.

Studio JUX kenne ich bereits seit Jahren und besuchte das Label 2015 auch einmal in ihrem Atelier in Amsterdam. Jahr für Jahr entstehen moderne und zum Zeitgeist passende, ganz wunderbare Männer- und Frauenkollektionen. Schon lange sind dabei die Hemden des Labels meine persönlichen Favoriten – und umso mehr freute ich mich, dass studio JUX diesmal auch in der Fashion Changers prePEEK Lounge mit dabei waren. Dass das Label auch Frauen einiges zu bieten hat, zeigt das Outfit meiner Blogger-Kollegin Mia, die eine Hose des Labels mit weiteren Labels aus der Lounge kombiniert. Mehr dazu bei heylilahey.

Wie auch schon 2017 durfte ich aus mehreren tollen Jacken und Mäntel von LANGERCHEN auswählen. Seit 2009 produziert das Label in Shanghai und ist mit seiner nachhaltigen Produktionsstätte ein Pionier in Sachen fairer Arbeitsbedingungen in China. Eine umweltfreundliche und zertifiziert biologische Herstellung ist dabei sowieso selbstverständlich. Die herausragende Verarbeitung und die zeitlosen Schnitte suchen im Eco Fashion Bereich seinesgleichen und macht LANGERCHEN nicht nur zu einem meiner Lieblingslabel.

Mehr über studio JUX in der Fashion Changers prePEEK Lounge

Mein Outfit wird von zwei Evergreens aus meinem Kleiderschrank abgerundet: einer Denim von MUD JEANS und meinen VEJA-Sneakern abgerundet. Wer noch weitere Outfits aus der prePeek-Lounge entdecken möchte, dem sei Instagram bei den Fashion Changers wärmstens ans Herz gelegt.

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Jana Braumüller

fuffi_brand – bayerische Handarbeit aus Wien

Vor gut 12 Jahren zog es mich nach Wien. Dort studierte ich Theater-, Film- und Medienwissenschaften und lernte unter anderem meine heutigen Interviewpartnerin kennen. Denn: Marion Grädler war meine Studienkollegin und kurze Zeit später auch eine wunderbare Freundin. Nach dem Studium trennten sich unsere Wege, da es mich nach Berlin zog. Erst vor wenigen Wochen haben wir uns nach Jahren wiedergetroffen und dabei auch über ihr Leben mit Mode gesprochen. Daraus entstand die Idee, nicht nur Marion, sondern auch ihr kleines feines Label fuffi_brand einmal vorzustellen. Also, Vorhang auf!


Liebe Marion, bitte stell’ dich doch einmal meinen Lesern in einigen wenigen Sätzen vor: Wer bist du und was machst du eigentlich so in Wien, deiner Wahlheimat?

Ich bin gebürtige Bayerin, 36 Jahre alt und habe mich vor mittlerweile über 12 Jahren entschieden, in der wunderschönen Stadt Wien zu leben. Anfangs, um hier zu studieren und dann, um hier zu arbeiten. Nach dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft habe ich eine Ausbildung zur Damen und Herren-Bekleidungsmacherin absolviert und bin parallel durch Zufall in der Filmbranche gelandet. Seitdem arbeite ich für diverse Kino- und TV-Produktionen als Kostüm-Assistentin. Mein Traumberuf, der mir nicht nur wahnsinnig viel Spaß macht sondern der es auch noch zulässt, dass ich nebenbei ein kleines Modelabel führen kann.

Wann hast du dich das erste Mal mit Mode auseinandergesetzt?

Ich glaube wie fast alle Kinder im Alter von drei bis vier Jahren habe ich mir täglich die gleiche Frage gestellt: was soll ich bloß meiner Barbiepuppe heute anziehen? *haha* Und da wir natürlich nicht besonders viele Original-Barbie-Klamotten bekommen haben, habe ich kurzerhand meine Mama (eine gelernte Schneiderin) gebeten, mir Kleider für die Puppe zu nähen, natürlich nach meinen Vorstellungen. Ein wenig später habe ich diese Aufgabe selber übernommen und einfache Sachen genäht. Das war auch gleichzeitig der Zeitpunkt, an dem ich nähen gelernt habe.

Erst viel später habe ich mich dann richtig bewusst und auch kritisch mit Mode auseinandergesetzt, das war während meiner Ausbildung, als ich viel über Materialien, Herstellung und Vertrieb von Mode erfahren habe. Da beginnt man natürlich anders zu denken. Als Kostüm-Assistentin habe ich erneut einen anderen Zugang zu Mode erlangt. Klamotten sollen nicht immer nur gut aussehen, sie sollen dabei helfen, aus einem Schauspieler einen Charakter zu erschaffen, der autenthisch und glaubwürdig eine Rolle verkörpert. Zu guter Letzt natürlich als ich fuffi_brand gegründet habe.

Weshalb hast du fuffi_brand gegründet?

Ich brauchte einen Mantel, der mehrere Funktionen erfüllen sollte. Er sollte fair und nachhaltig in Österreich produziert sowie qualitativ hochwertig sein, mich wärmen, gut aussehen, locker und lässig sitzen und sowohl elegant als auch casual zu tragen sein. Es wurde mir schnell klar: so einen Mantel gibt es (noch) nicht, ich muss die Sache selbst in die Hand nehmen. Nach einigen Schnittzeichnungen und Probemänteln entstand irgendwann der fuffi_brand classic Mantel, ein absoluter Bestseller. Fuffi_brand habe ich sozusagen aus der Not heraus gegründet, etwas haben zu wollen, das es auf dem Markt noch nicht gab.

Was ist für dich das Besondere an deinem eigenen kleinen Label?

Mein eigenes Label bedeutet für mich die absolute Freiheit, Dinge erschaffen zu können, so wie ich sie mir selbst vorstelle und die es vermutlich so noch nicht gibt. Und dass ich damit andere Menschen ansprechen kann, die modetechnisch mit mir auf einer Wellenlänge schwimmen. Ich bin sehr stolz und kann guten Gewissens behaupten, dass meine Mäntel zu 100 Prozent in Österreich produziert werden. Das fängt an bei den Schafen, die die Wolle spenden. Bereits die stehen auf einer österreichischen Weide. Die Stoffmanufaktur ist in einem kleinen niederösterreischen Ort ansässig und verarbeitet die Wolle dort zu einem wirklich außergewöhnlichen Walk-Stoff, der ausschlielich mit reinem Wasser gewalkt wird. Besonders ist natürlich auch, dass ausnahmslos alle Mäntel von mir persönlich genäht werden, auch das Design stammt aus meiner Hand.

„Ich bin es wirklich Leid, auf all den labels ‚made in china‘ zu lesen. Als hätten wir hierzulande nicht die Rohstoffe, das knowhow und die manpower, um unsere Klamotten selbst herzustellen. Im besten Falle natürlich fair und nachhaltig. Es gibt zig tolle Manufakturen in Deutschland und Österreich, die fantastische Stoffe herstellen und zig Labels die daraus coole Anziehsachen machen.“

Wie viele Mäntel hast du denn bislang gefertigt?

Es werden rund 50 gewesen sein.

Gibt es Pläne, die Produktpalette zu erweitern?

Natürlich gibt es die. In meinem Kopf gäbe es tausende Ideen für coole neue pieces. Leider muss ich dazu sagen, dass mir für Neuentwicklungen die Zeit fehlt. Da ich ein Ein-Mann-Unternehmen betreibe, muss ich mich natürlich selbst um sämtliche Bereiche kümmern. Von der Kundenaquise, Marketing-Maßnahmen über die Warenbestellung bis hin zur Produktion und Auslieferung. Das nimmt natürlich einen immensen Teil meiner Zeit in Anspruch. Darunter leidet natürlich der Bereich Entwicklung/Design. Sollte das label in den nächsten Jahren weiter wachsen, könnte ich mir natürlich vorstellen, Mitarbeiter zu beschäftigen und ich könnte mich dann mehr um das Design kümmern, eine Aufgabe, die mich besonders herausfordert und die ich auch besonders gerne mag.

 

Welches Modelabel trägst du selbst am liebsten?

Am liebsten trage ich coole und ausgewählte Second Hand Teile, die eine Geschichte erzählen. Diese kombiniere ich dann mit Stücken sowohl von fairen brands aber auch von ’normalen‘ Marken, die nicht unbedingt explizit nachhaltig produzieren. Letzteres mache ich weil es natürlich auch heute noch ziemlich schwer ist, zu 100 Prozent gut aussehende fairfashion zu finden obwohl der Markt in den letzten Jahren wirklich sehr gewachsen ist. Ich liebe z. B. die Schuhe der Marke VEJA, den minimalistischen Stil von Acne Studios oder die superweichen Shirts von ARMEDANGELS. Lala Berlin trage ich auch hin und wieder, ich mag den kreativen Kopf des Labels, Leyla Piedayesh. Meine Jeans kaufe ich meistens bei Levi’s, die sitzt einfach am allerbesten.

Was wirst du im Januar 2019 machen?

Im Januar 2019 werde ich mich vermutlich so wie gerade jetzt um mein fuffi_brand kümmern und fleißig Mäntel produzieren. Vielleicht dann aber auch schon mit einer Assitentin/Mitarbeiterin. Wer weiß das schon so genau.


Wer mehr über Marion erfahren will, der sollte unbedingt die Website von fuffi_brand besuchen und auch einmal bei Instagram vorbeischauen.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Marion Grädler

Va-Va-Voom von Tizz and Tonic

Alles begann vor einigen Monaten mit einem Post, den ich bei Instagram sah. Dort entdeckte ich das laute und unter anderem dadurch für mich so interessante Unterwäschelabel Tizz and Tonic. Im Gespräch mit einer beiden Gründerinnen erfuhr ich nicht nur, dass das Label in Bremen sitzt und von zwei kanadischen Schwestern geführt wird, sondern auch, welche Ziele die beiden mit ihrem eigenen Label verfolgen.


It all started with an Instagram post. Due to some reviews about eco lingerie labels, I discovered this loud and interesting label named Tizz and Tonic. After some digging I got in contact with Imke, one of the founders of the Bremen based label. In this interview, Imke tells us more about the first steps of Tizz and Tonic, the lingerie, her ambition and about her current hometown, Bremen.

Imke, could you please introduce Tizz and Tonic to us!

We launched Tizz & Tonic in March this year out of our small Bremen-based studio where all of our intimates are made. We – Yanna and me – are two Canadian girls with a strong desire to create eco-friendly intimates that have a punch of va-va-voom to them. We want to break the stigma that organic garments are often boring. We believe sass & attitude can go hand in hand with sustainable & organic products.

What is your personal background?

I’m a graduate of George Brown’s Fashion Techniques program & my sister has a Bachelor of Science with a focus on sustainability.

Why have you chosen to launch an own label?

We launched Tizz & Tonic on the platform of our expertise, love for the environment & passion for making women feel wildly good

Tizz and Tonics are eco intimates. But how eco are they?

All of our intimates are handmade by us using toxic-free prints & organic cotton in small scale production. We’ve just introduced three new textiles to our current fall collection which were printed in Berlin using zero water & toxic free dyes. Yay! Additionally, we’re currently having our organic cotton Haus Hoodies made in a small GOTS certified factory in Northern India.

What is, for you, the most difficult part in designing your „eco-intimates“?

The most difficult part of designing our intimates would be figuring out sizing. We want to be able to accommodate many different body shapes so all of our designs are made to be flexible fitting and not too ’structured“ i.e cupped bras. The biggest problem at this moment is that our sample size is quite small (size 36) and we don’t have access to larger fit models to create items past size L. We are working on that though – it will just take time.

Is there any label you’ve been influenceds by?

As for brands, there are so many wonderful vibrant brands in the world that I adore so it’s hard to narrow it down. I try to find most of my inspiration outside of fashion because I’m impressionable & looking elsewhere gives me a fresh perspective. I actually find a lot of my inspiration and colour combination ideas from interior design.

What is your favorite peace of Tizz & Tonic?

My current favourite piece is the so called „Surprise Pantys„. Our customers can select from three different cuts of underwear (Cheeky, Hipster or High-waisted), but they don’t know the actual print until it arrives at their door! We created this product because we know everyone deserves a little surprise once in a while and it gives us a nice chance to use out our ‚dead-stock‘ fabric (cottons we have extra of or leftover from previous seasons), introduce new prints that will be featured in the upcoming months and ultimately get creative.

An obvious question for me: Why Bremen?

I moved to Germany a few summers ago to get away from my life in Toronto and to do something new for a while. I always planned to move here because I have a lot of German family. My mom was born and raised in Münster but moved to Canada in her 20’s. Bremen was a good option because my family had a small apartment set-up for me and it’s a cool small city. It’s sort of the underdog of German places to visit.

What is your favorite spot of this German underdog?

My favourite spot in Bremen is a bar called Muchos Mas. The owner is from New Zealand but half Spanish. He’s young and well connected and it’s the spot to go to if you’re a foreigner looking for live music and easy Spanish tapas. Otherwise my favourite district in Bremen to meet others would be the Viertel. It’s messy, and loud and there is always something to do.

Thanks for your time, Imke!

Wanna know more about Tizz and Tonic? Then check out their website and online shop and discover this special Va-Va-Voom effect.

Interview: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Tizz & Tonic

Auf eine Wurst

Wer unsere Touren schon länger verfolgt, weiß, dass es einen obligatorischen Wurst-Post gibt. Das war damals, in unseren Anfangszeiten, in Schöneberg so. Das war an einem wunderbaren Herbsttag auch im Funkhaus Nalepastraße so und auch dazwischen, auf dem Gelände des Westhafens, von dem wir so nett vertrieben wurden. Die Wurst hat es uns also angetan und so war es nicht weiter verwunderlich, dass wir am Ende der „Endzeit in Weißensee“ noch in Konnopke’s Imbiß (sic) einkehren mussten. Zunächst überraschte uns die Anmutung eines American Diners, dann die breite Auswahl an Wurst-Spezialitäten. Wir blieben aber beim Klassiker und aßen ’ne Curry mit Pommes Schranke.

Nachdem die Dunkelheit bereits hereingebrochen war, wechselte ich noch vor dem Stopp am Milchhäuschen bereits mein Outfit. Dabei kam COVER zum Einsatz, mein neues Rollkragenshirt von FUNKTIONSCHNITT. Das Label kennt ihr bereits, hatte ich es Euch doch schon mehrfach ans Herz gelegt. Die Basic-Spezialisten aus Köln haben mit COVER einen Volltreffer geleistet. Ein Langarmshirt, aus 100 Prozent australischer Merino-Wolle (ohne Mulesierung), Temperatur regulierend und dazu noch körpernah geschnitten, das sich ideal für die kalten Temperaturen eignet und zu jeder Gelegenheit getragen werden kann. Eben auch für den beherzten Biss in eine Wurst, die es bei Konnoke’s mittlerweile auch als vegane Variante gibt. Zeiten ändern sich.

Zurück zu unserer letzten Tour 2017 – der "Endzeit in Weißensee"

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: René Zieger

COVER wurde mir von FUNKTIONSCHNITT zur Verfügung gestellt. Dies schmälert in keinster Weise meine Objektivität. Wer Basics von FUNKTIONSCHNITT schon einmal getragen hat, weiß die ausgezeichnete Qualität sehr zu schätzen. Wer COVER in einem weiteren Outfit begutachten möchte, dem empfehle ich eines meiner prePEEK-Outfits aus der Fashion Changers Lounge.